Zeitgleich im Ziel Top-Sprinterinnen droht der Münzwurf

Knappe Entscheidungen über 100 Meter sind keine Seltenheit - doch was Allyson Felix und Jeneba Tarmoh bei den US-Trials ablieferten, hat Seltenheitswert. Beide kamen zeitgleich ins Ziel, auch ein Foto brachte keine Klarheit. Nun müssen sie erneut gegeneinander antreten - oder eine Münze werfen.

Tarmoh (l.), Felix: Beide mit 11,068 Sekunden über 100 Meter
AFP

Tarmoh (l.), Felix: Beide mit 11,068 Sekunden über 100 Meter


Hamburg - Samstagnachmittag in Eugene, im US-Bundesstaat Oregon. Es geht um die Startplätze für die Olympischen Spiele. In den Ausscheidungskämpfen, den sogenannten Trials, treten die Läuferinnen an die Blöcke, der Startschuss ertönt, nach elf Sekunden ist alles vorbei. Scheinbar.

Die Siegerin ist schnell ermittelt, Weltmeisterin Carmelita Jeter gewinnt in 10,92 Sekunden, ist sicher in London dabei. Ebenso Tianna Madison auf Platz zwei (10,96).

Doch wer ist Dritte? Die Entscheidung muss zwischen Allyson Felix und Jeneba Tarmoh fallen, bei beiden wird die Zeit von 11,068 Sekunden gemessen. Auch das Zielfoto bringt keine Klarheit, auf den Millimeter gleich überqueren beide die Ziellinie.

Zielfoto von Tarmoh (vorn), Felix: Der Rumpf jeweils auf gleicher Höhe
AP

Zielfoto von Tarmoh (vorn), Felix: Der Rumpf jeweils auf gleicher Höhe

Was nun?

Nur drei Athletinnen des Landes dürfen in London über 100 Meter starten, eine der beiden muss also zu Hause bleiben. Drei Möglichkeiten haben der Verband sowie Felix und Tarmoh nun, die glückliche Dritte zu ermitteln.

  1. Beide treten erneut in einem Duell über 100 Meter gegeneinander an.
  2. Eine der beiden US-Athletinnen verzichtet zugunsten der Konkurrentin auf den Platz im Olympia-Kader.
  3. Sollten sich Felix und Tarmoh auf keine der beiden genannten Lösungen einigen können, müsste ein Münzwurf entscheiden. Felix, die in der Rangliste vor Tarmoh platziert ist, hätte in diesem Fall die Wahl. In einem zweiseitigen Dokument ist die Prozedur minutiös reglementiert, so auch die Beschaffenheit der Münze: Es muss ein Vierteldollar sein, mit einem Abbild George Washingtons auf der einen, und einem Adler auf der anderen Seite.

Der US-Verband ließ am Wochenende eine endgültige Entscheidung offen. Am 1. Juli enden die Ausscheidungskämpfe offiziell, bis dahin soll die Pattsituation geklärt sein. "Wir werden mit dem Ende der Trials unseren Kader zusammen haben", sagte die Sprecherin des US-Leichtathletikverbands (USATF), Jill Geer.

Am wahrscheinlichsten ist ein Wettrennen der beiden am 1. Juli, nach den Läufen über 200 Meter (Vorläufe am Donnerstag, Finale am Samstag). Beide Athletinnen treten auch über diese Distanz an. Bob Kersee, als Sprinttrainer für Felix und Tarmoh verantwortlich, sieht ein direktes Duell ob der zusätzlichen Belastung kritisch: "Die Gesundheit der beiden sollte im Vordergrund stehen."

Für die 26-Jährige Felix wäre ein Start in London bereits die dritte Olympia-Teilnahme in Folge, Tarmoh (21) hingegen konnte sich bisher noch nicht für Olympische Spiele qualifizieren.

luk/Reuters



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