Anekdoten über die Box-Legende Wie Ali einen lebensmüden Mann rettete

Ein Fahrraddiebstahl brachte ihn zum Boxen, ein Olympia-Auftritt rührte den US-Präsidenten zu Tränen: Aus dem Leben von Muhammad Ali sind viele Anekdoten überliefert. Hier sind die neun besten.

Muhammad Ali bei der Eröffnungszeremonie von Olympia 1996 in Atlanta
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Muhammad Ali bei der Eröffnungszeremonie von Olympia 1996 in Atlanta


1.) Wie Ali mit dem Boxen anfing:

Überliefert ist die Anekdote, dass ein Fahrraddiebstahl der Grund dafür war, dass Muhammad Ali erstmals mit dem Boxsport in Kontakt kam. 1954 musste der damals 12-jährige Cassius Clay nach einem Besuch des Jahrmarkts in seiner Heimatstadt Louisville feststellen, dass ihm jemand sein nagelneues Rad geklaut hatte. Wutentbrannt rannte er daraufhin zu einem anwesenden Polizisten, forderte lautstark eine landesweite Fahndung nach dem Täter ein und drohte dem Dieb mit einer gehörigen Tracht Prügel.

"Weißt du überhaupt, wie man kämpft?", entgegnete der verblüffte Polizist, der in seiner Freizeit ein Boxzentrum leitete. Eine Einladung zum Probetraining und sechs Wochen Grundlagentraining später gewann Ali seinen ersten offiziellen Kampf. Schon ganz zu Beginn seiner Karriere war Alis außergewöhnliches Selbstbewusstsein durchgeblitzt, als er nach der Urteilsverkündung in die Halle brüllte: "Seht mich gut an. Bald werde ich der Größte aller Zeiten sein!"

2.) Wie Alis Gesinnung beinahe seinen ersten WM-Titel verhindert hätte:

Beinahe hätte Alis politisches Engagement seinen ersten WM-Kampf verhindert. Seit 1958 hatte Ali schon mit den "Black Muslims" in Kontakt gestanden und konnte sich sofort mit deren Forderungen nach einem selbstbewussten, selbstorganisierten Leben der dunkelhäutigen US-Bevölkerung identifizieren. Alis Unterstützung für die Gruppierung musste jedoch eine ganze Zeit lang unter Verschluss gehalten werden, aus Angst, dass der Kampf ansonsten abgesagt worden wäre. Vor seinem ersten Weltmeisterschaftskampf im Februar 1964 wäre er mit dieser Nachricht beinahe selbst an die Öffentlichkeit gegangen, doch Freunde und Bekannte beknieten Ali erfolgreich, seine Mitgliedschaft in der radikalen Bewegung erst nach seinem ersten Weltmeistertitel-Gewinn öffentlich zu machen.

3.) Wie Ali den Weg für ein milliardenschweres Musikbusiness bereitete:

Nicht nur auf dem Feld der Politik hinterließ Ali Spuren. Auch musikalisch inspirierte er einige namhafte Künstler, wie zum Beispiel Chuck D von "Public Enemy" und andere Szenegrößen bestätigten. Noch bevor das Rap-Genre geboren war, hatte Ali die künstlerische Form des Sprechgesangs in den Sechziger- und Siebzigerjahren als einer der Ersten in die Öffentlichkeit getragen und so spätere Rap-Superstars geprägt. Vor dem "Thriller in Manila" textete er beispielsweise: "It will be a killer, and a chiller, and a thriller, when I get the gorilla in Manila." Das verbale Säbelrasseln schien bereits von Beginn an zum Repertoire Alis zu gehören. Seinen allerersten Kontrahenten verhöhnte Ali seinerzeit mit den Worten: "This guy must be done, I'll stop him in one."

4.) Wie eine falsche Story über seine Goldmedaille bis heute kursiert:

Ali war ein Meister der Selbstinszenierung - auch abseits des Boxrings. In seinem 1975 erschienenen Buch "The Greatest: My Own Story" erzählt Ali, dass er am Ende eines von rassistischen Übergriffen gespickten Tags, an dem er in Louisville sowohl vom damaligen Bürgermeister, als auch einer Bedienung im Restaurant aufgrund seiner Hautfarbe geschmäht worden war, sein olympisches Edelmetall aus Frust auf dem Grund des Ohio River versenkt hätte. Diese Version kursierte lange und verbreitete sich bis 1996. Erst dann gestand Ali: "Ich habe meine Medaille nie von irgendeiner Brücke geworfen. Ich habe sie einfach verloren, das ist alles."

Video: Muhammad Ali - "I am the greatest"

5.) Was Ali mit einem ehemaligen Hamburger Barbesitzer zu tun hatte:

Im Juni 1971 durfte Ali seine Karriere als Profiboxer fortführen, nachdem der Oberste Gerichtshof der USA die 1967 gegen ihn verhängte Strafe wegen seiner Militärdienstverweigerung aufgehoben hatte. Im Dezember 1971 stieg Ali dann in Zürich gegen Jürgen Blin in den Ring. Der Deutsche, der damals als krasser Außenseiter sieben Runden gegen den großen Favoriten mithielt und dann doch K.o. ging, betrieb nach Ende seiner aktiven Karriere 33 Jahre lang eine "Bier- & Snackbar" im Hamburger Hauptbahnhof. Der Raucherkneipe des Schwergewichtseuropameisters von 1972 wurde vom Bahnhofsbetreiber jedoch im Februar 2012 der Mietvertrag gekündigt, sodass Blins Karriere als Kneipier ein abruptes Ende fand.

6.) Wie Ali einem Mann die Lebenslust wieder zurückgab:

Im Januar 1981 stellte Ali sein spezielles Wesen unter ganz besonderen Umständen unter Beweis. Während eines Los-Angeles-Aufenthalts hatte er davon gehört, dass sich ganz in der Nähe ein Mann mit einem Sprung aus dem neunten Stock das Leben nehmen wollte. Was zuvor Polizeiexperten, Seelsorgern und Familienmitgliedern allesamt nicht gelungen war, vollbrachte Ali: Nach 20 Minuten guten Zuredens verwarf der Suizidgefährdete seinen Plan und kletterte zurück ins Gebäude.

7.) Wie Ali mit Saddam Hussein verhandelte:

Selbst im Alter von 48 Jahren trat Ali noch einmal auf der Bühne der Weltpolitik in Erscheinung: Am 2. Dezember 1990 landete er in Begleitung von 15 US-Amerikanern auf dem Rollfeld des John F. Kennedy-Airports in New York. Ali hatte während eines Aufenthalts in Bagdad vom irakischen Diktator Saddam Hussein die Freilassung von 15 Geiseln erwirkt, die der Irak im Zuge der Kuwait-Besetzung gefangen genommen hatte. Dabei hatte sich Ali von Vorwürfen verschiedener US-Politiker, sich von der irakischen Regierung für Propagandamaßnahmen einspannen zu lassen, genauso wenig entmutigen lassen wie vom Umstand, dass ihm nach einigen Tagen im Irak seine Parkinson-Medikamente ausgegangen waren.

8.) Wie Ali den US-Präsidenten zum Weinen brachte:

Bei der Eröffnungszeremonie der Olympischen Sommerspiele 1996 in Atlanta sorgte Ali abermals für Bilder, die um die Welt gingen. Während der Eröffnungsfeier war es der damals 54-Jährige, der überraschend auf den letzten Metern die Fackel übernahm, um das Stadionfeuer zu entzünden. Der bereits sichtlich von seiner Parkinson-Krankheit gezeichnete Ali bewegte mit dieser Aktion nicht nur das Publikum weltweit vor den Fernsehschirmen. Auch der im Stadion anwesende US-Präsident Bill Clinton war derart gerührt, dass er seine Tränen nicht zurückhalten konnte.

9.) Wie Ali sogar unter Hollywoodgrößen heraussticht:

Was für eine einzigartige Wertschätzung Ali selbst im Vergleich zur absoluten A-Riege der US-Prominenz genießt, lässt sich auch auf dem weltbekannten "Walk of Fame" in L.A. sehen. Als einzigem von weit über 2500 Superstars ist es Ali vergönnt, dass der Stern zu seinen Ehren nicht auf dem Boden, sondern an einer Wand angebracht wurde. Ali hatte im Alter von 59 Jahren gesagt, er wolle nicht, dass Menschen auf seinem Namen herumtrampeln könnten, "die keinerlei Respekt für mich haben". Dem Wunsch des Jahrhundertsportlers wurde selbstverständlich entsprochen.



insgesamt 4 Beiträge
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McMuffin 04.06.2016
1. Menschenrechtsbewegung?
Die Black Muslims eine "Menschenrechtsbewegung", wenn auch eine "radikale"? Sie wissen aber hoffentlich schon, wer die Black Muslims waren? Die haben bis ca. Mitte der 70er Jahre die extrem rassistische Ideologie der Überlegenheit der weißen Rasse vertreten. Das "Urvolk" auf der Erde ist demnach die schwarze "Rasse", alle anderen Rassen sind das Ergebnis der Züchtung eines bösen Wissenschaftlers und sind minderwertig, vor allem aber die weißen Teufel. Wenn die Black Muslims eine Menschenrechtsbewegung sind, ist der Ku-Kluix-Klan auch eine!
ein-berliner 04.06.2016
2. Journalismusfutter
Warum lässt man die Boxlegende nicht endlich in Ruhe?
der_bulldozer 05.06.2016
3. Ein schöner Artikel
Das war ein schöner Artikel. So kann Trauer sogar das Herz erwärmen.
Knossos 05.06.2016
4. Die Hall-of-Fame-Platte
mußte an die Wand, weil Ali den Namen seines Propheten angenommen hatte und nicht wollte, daß die Leute mit Schuhen darüber laufen. So kam mir das jedenfalls zu Ohren. Wir erinnern uns an die Schuhe, die Herrn Bush um die Ohren flogen, und spätestens seither, wie Schuhwerk im Orient als unrein verabscheut wird. Wer da einmal öffentliche Latrinen besucht hat, kann das sogar nachvollziehen. Außerdem hat die Lebensweise dort zur Folge, daß die Böden / Staub schwer von Krankheitserregern durchseucht sind. Das prägt offenbar für´s Leben, und läßt Auswanderer die Schuhphobie auch im Westen beibehalten, wo Botten weiterhin vor der Haustür ausgezogen werden.
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