Internationale Stars im US-Basketball America second

Zum fünften Mal in der NBA-Geschichte ist ein Ausländer als wertvollster Spieler der Saison ausgezeichnet worden. Drei weitere Nicht-Amerikaner räumten ebenfalls Preise ab. Das ist kein Zufall.

Giannis Antetokounmpo (l.) von den Milwaukee Bucks wurde MVP der Saison
Aaron Gash / AP

Giannis Antetokounmpo (l.) von den Milwaukee Bucks wurde MVP der Saison

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In der vergangenen Nacht wurden in der NBA Trophäen für individuelle Leistungen verteilt. Dabei machte sich ein Trend bemerkbar. In den fünf Hauptkategorien gewannen die folgenden Spieler - wobei bereits anhand der Namen ein gewisses Muster auffallen dürfte:

  • Als wertvollster Spieler der Saison (MVP) wurde Giannis Antetokounmpo von den Milwaukee Bucks ausgezeichnet.
  • Bester Neuling wurde Luka Doncic von den Dallas Mavericks.
  • Rudy Gobert von Utah Jazz gewann zum zweiten Mal in Folge den Defensiv-Award,
  • ebenso wie Lou Williams von den Los Angeles Clippers den Preis für den besten Bankspieler.
  • Zum Aufsteiger des Jahres wurde Pascal Siakam vom NBA-Champion Toronto Raptors gewählt.

Unschwer zu erkennen: Nur einer der genannten Spieler, Williams, ist ein US-Amerikaner. Antetokounmpo ist in Griechenland als Sohn nigerianischer Einwanderer zur Welt gekommen, Doncic ist slowenischer Herkunft. Gobert ist Franzose und Siakam kommt aus Kamerun. Einst dominierten die amerikanischen Basketballer ihre eigene Liga nach Belieben. Heute bietet sich ein anderes Bild.

Die amerikanische Dominanz bröckelt

Zum ersten Mal in der NBA-Geschichte hat kein US-Team die Meisterschaft gewonnen. Im Finale machten die Toronto Raptors der Dominanz der Golden State Warriors ein Ende. Der erste kanadische NBA-Champion - es war ein Sieg der Vielfalt. Drei der wichtigsten Raptors während der Playoffs waren der Kameruner Siakam, der Spanier Marc Gasol und Serge Ibaka, der aus dem Kongo stammt und für die spanische Nationalmannschaft spielt. Der Manager und Kaderplaner des Teams ist Masai Ujiri, ein Nigerianer.

Ibaka und Siakam während des entscheidenden sechsten Spiels der NBA-Finals
Ezra Shaw/Getty Images/AFP

Ibaka und Siakam während des entscheidenden sechsten Spiels der NBA-Finals

Auch abseits von Titeln und individuellen Awards ist die Liga internationaler geworden. Philadelphias Star-Duo besteht aus dem Kameruner Joel Embiid und Ben Simmons aus Australien. Nikola Jokic von den Denver Nuggets revolutioniert die Center-Position. Dallas mit Doncic und Kristaps Porzingis, Orlando mit Nikola Vucevic, Chicago mit Lauri Markkanen, Houston mit Clint Capela - die Liste ist lang. Knapp die Hälfte aller NBA-Teams hat einen Starspieler, der außerhalb der USA geboren ist.

Zum Start der abgelaufenen Saison standen 108 internationale Spieler aus 42 verschiedenen Ländern in den Kadern der 30 Mannschaften. Zum fünften Jahr in Folge waren es mindestens 100 Spieler und mindestens einer pro Team. Die meistvertretenen Nationen sind dabei Kanada mit elf Spielern, gefolgt von Australien (neun, ein neuer Rekord), Frankreich (sieben), Deutschland (sechs, ebenfalls Rekord) und schließlich Kroatien, Serbien und die Türkei mit jeweils fünf NBA-Profis.

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Internationale NBA-Spieler: Die Nachfahren Nowitzkis

Können statt Kraft

Die Internationalisierung der NBA wird durch einen sportlichen Trend begünstigt, den die ausländischen Spieler teils selber ausgelöst und vorangetrieben haben. Jahrzehntelang mussten vor allem große Spieler die klassischen Kriterien erfüllen: Härte und Athletik. Erst vielseitige Profis wie Toni Kukoc, Dirk Nowitzki und Pau Gasol machten Finesse und Distanzwürfe unter großen Spielern populär.

Heutzutage ist Basketball weitaus weniger physisch als früher. Es gibt kaum noch Spieler wie Patrick Ewing oder Shaquille O'Neal, die ihre sportliche Dominanz vor allem aus körperlicher Überlegenheit schöpften. Stattdessen wird auch von großen Spielern verlangt, mit dem Ball gut umgehen und aus der Distanz werfen zu können, um im Angriff variabler zu sein.

Zum einen machte Nowitzkis Generation das europäische Spiel salonfähig, zum anderen gab sie aber auch ein Signal an den Nachwuchs außerhalb der USA. Für Antetokounmpo spielen die Vorbilder bei der Entwicklung der NBA hin zu einer internationalen Liga eine große Rolle. "Es liegt an Typen wie Dirk Nowitzki", sagte der Grieche der "Sports Illustrated": "Pau Gasol, Tony Parker, Manu Ginobili und diese Leute. Noch älter, Drazen Petrovic. Sie haben uns den Weg bereitet."

Ein globaler Talentpool

Dieser Schwung von internationalen Spielern, die sich in den Nullerjahren in der NBA etablierten, wurde durch das "Dream Team" bei den Olympischen Spielen 1992 in Barcelona ausgelöst. Damals trat das US-Team erstmals mit Profis statt College-Spielern an. Die Mannschaft um Michael Jordan, Magic Johnson und Larry Bird löste bei einem globalen Publikum Faszination für Basketball aus. Mit einigen Jahren Verzögerung gelang zunehmend auch Ausländern der Durchbruch in der stärksten Liga der Welt.

Die NBA profitiert von einer Globalisierung des Sports, sportlich wie wirtschaftlich - und treibt diese dementsprechend voran. Im Rahmen des "Basketball Without Borders"-Programms hat die Liga in Kooperation mit dem Weltverband Fiba seit 2001 in 27 Ländern auf sechs Kontinenten Basketball-Camps zur Nachwuchsförderung abgehalten.

Bislang stammt der Großteil der ausländischen Spieler aus Europa und Australien. Das Potenzial auf den anderen Kontinenten schlummert noch. Nur 13 Profis stammen vom afrikanischen Kontinent. Aus Indien, mit etwa 1,3 Milliarden Menschen das Land mit den zweitmeisten Einwohnern, gibt es aktuell keinen einzigen Spieler.

China hatte zum Start der abgelaufenen Saison nur einen Vertreter, und das bei einer Bevölkerung von rund 1,4 Milliarden Menschen, bei der die NBA die beliebteste Sportliga ist. Scott O'Neil, der Geschäftsführer der Philadelphia 76ers, sagte dem US-Sender "CNBC": "Wenn es einen zweiten Mittelpunkt des Basketballuniversums gibt, dann ist es China."

Möglicherweise befindet sich die Internationalisierung der stärksten Basketballliga der Welt erst in ihrem Anfangsstadium.

insgesamt 8 Beiträge
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fenasi_kerim 25.06.2019
1. Nur wir...
...schaffen es, Basketball noch mehr zu ignorieren. Jedes noch so irrelevante Fußballspiel bekommt Sendezeit (sage ich als Fußballfan), aber für Baller gibt es nichts im Free-TV außer ein paar Happen. Nach meiner Kenntnis ist noch nicht einmal klar, ob die WM empfangbar wird... so werden wir auf den nächsten Dirkster lange warten.
torrente007 25.06.2019
2.
Nur mal so am Rande, es spielen auch 9 Spanier in der NBA. ;)
vliege 25.06.2019
3. Ein langer harter Weg
bis die "Ausländer" in der NBA akzeptiert und mittlerweile auch respektiert werden. Anfangs wurden ausnahmslos alle arrogant belächelt. Ob Schremp, Divac oder Sabonis der erst mit Anfang 30 in die NBA kam. Es gibt so einige Anekdoten, auch von His Airness Jordan, wie er dem damals blutjungen und talentiertesten Europäer jener Zeit T.Kukoc das Leben bei den Bulls schwer machte. Besser hat es der leider viel zu früh verstorbene und mMn beste europäische Spieler aller Zeiten D. Petrovic gemacht. Er ging zu einem Underdog Team( Nets) und bildete dort mit D. Coleman ein fantastisches Duo.
phiasko76 26.06.2019
4. @vliege
Drazen Petrovic war großartig, aber ob er der beste Europäer war? Bei den Nets war er auf dem Weg zum Franchise Player, aber ich wage zu bezweifeln, dass er die Nets zum Titelanwärter hätte machen können. Ich halte Dirk für den besten Europäer- mit Abstand. Kein anderer hat nur entfernt das erreicht, was er mit den Mavs erreicht hat..
loquuntursaxa 26.06.2019
5. Sind es nur acht?
Zitat von torrente007Nur mal so am Rande, es spielen auch 9 Spanier in der NBA. ;)
Milwaukee Bucks (Mirotic), Toronto Raptors (Ibaka und Marc Gasol), Detroit Pistons (Calderón) und Charlotte Hornets (Willy Hernangómez), befinden sich in den acht ersten der Ost-Konferenz. Denver Nuggets (Juancho Hernangómez), Utah Jazz (Ricky Rubio) und San Antonio Spurs (Pau Gasol) in der West Konferenz. Ich glaube es sind lediglich acht Top Spieler wenn ich mich nicht täusche.
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