Mysteriöser Motorradunfall Sprinter ohne nennenswerte Verletzungen

Kostas Kenteris und Ekaterini Thanou haben ihren angeblichen Motorradunfall gut überstanden. Bei einer Untersuchung wurden heute keine ernsten Verletzungen bei den griechischen Sprintstars festgestellt. Morgen muss sich das unter Dopingverdacht stehende Duo gegenüber dem IOC äußern.


Europameister Kenteris: Hoffnung auf die Wiederauferstehung
DDP

Europameister Kenteris: Hoffnung auf die Wiederauferstehung

Athen - Eine ärztliche Untersuchung nährt die Zweifel an der Glaubwürdigkeit von Kostas Kenteris und Ekaterini Thanou. Beide hatten heute ein Athener Krankenhaus verlassen, in dem sie nach einem mysteriösen Motorradunfall vier Tage lang behandelt worden waren. Kurz vor dem Unfall hatten die griechischen Medaillenanwärter einen Dopingtest verpasst.

Die Untersuchung ergab, dass Thanou überhaupt keine äußerlichen Verletzungen erlitten hatte. Bei Kenteris konnten nur einige Kratzer am Schienbein und dem rechten Ellbogen festgestellt werden. Beide Athleten hatten sich im Krankenhaus über Schwindelgefühle beklagt. Die behandelnden Ärzte konnten deshalb innere Kopfverletzungen nicht ausschließen.

Beim Verlassen der Klinik wies Kenteris die Dopingvorwürfe zurück: "Das Ganze ist eine große Ungerechtigkeit. Ich habe nie verbotene Mittel genommen, ehrlich." Gleichzeitig beklagte sich der Weltmeister und Olympiasieger über die Berichterstattung der vergangenen Tage. "All die Leute, die mich jetzt im Fernsehen kreuzigen", so Kenteris, "sind die gleichen Leute, die sich mit mir nach jedem Erfolg fotografieren ließen. Aber nach der Kreuzigung kommt die Wiederauferstehung."

Darüber, ob Kenteris tatsächlich seine Wiederauferstehung feiern darf, muss morgen die Disziplinarkommission des IOC entscheiden. Auch Thanou muss dann erklären, wie es zu dem Motorradunfall und dem verpassten Test gekommen war. Die Sprinterin verließ das Krankenhaus 45 Minuten nach ihrem Trainingspartner.

Unter Dopingverdacht: Griechischer Sprinter Kenteris
REUTERS

Unter Dopingverdacht: Griechischer Sprinter Kenteris

"Ich bin sehr traurig und enttäuscht über die Äußerungen der letzten Tage", sagte Thanou. "Ich werde die Entscheidung des IOC abwarten und weiter kämpfen." Thanou ließ offen, ob sie bei einem juristischen Erfolg zum 100-Meter-Vorlauf am Freitag antreten würde.

Sollte beiden Athleten ein Verstoß gegen die Anti-Doping-Regeln nachgewiesen werden, droht ihnen der Olympia-Ausschluss. Das griechische Nationale Olympische Komitee hat das verdächtigte Duo bereits vorläufig aus seiner Olympia-Mannschaft ausgeschlossen.

Das Organisationskomitee der Olympischen Spiele in Athen (ATHOC) hat das lange Hin und Her in der Sprinteraffäre bedauert. "Wir hätten gerne gleich eine Antwort von den Athleten gehabt", erklärte ATHOC-Generaldirektor Marten Simtsek auf einer Pressekonferenz in Athen.

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