Claudia Pechstein "Thomas Bach lügt die Welt an"

Erst Robert Harting, jetzt Claudia Pechstein: Die Eisschnellläuferin hat IOC-Präsident Thomas Bach verbal angegriffen. Dabei nutzte sie die Gelegenheit, um auf ihren eigenen Fall aufmerksam zu machen.

Claudia Pechstein
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Eisschnelllauf-Olympiasiegerin Claudia Pechstein hat Robert Harting in seiner Kritik an IOC-Chef Thomas Bach bestärkt. "Bach hat sich politisch kaufen lassen. Er lügt die Welt an, wenn er öffentlich predigt, es gelte für jeden Sportler die Unschuldsvermutung. Wie viel kann man als IOC-Präsident denn noch lügen?", sagte die Berlinerin.

Ihr eigener Fall sei der beste Beweis für die Unrichtigkeit von Bachs Äußerungen. "Da hat nie die Unschuldsvermutung gegolten. Wenn es sie gegeben hätte, wäre mein Verfahren neu aufgerollt worden", sagte Pechstein.

Die 44-Jährige empörte sich darüber, dass Bach und das IOC vor dem Ausschluss der russischen Leichtathleten erst die Entscheidung des Internationalen Sportgerichtshofs (Cas) abgewartet und sich in der Frage des Olympia-Banns von Sportlern anderer Disziplinen hinter den Fachverbänden versteckt hätten. "Das ist eine unglaubliche Art der Verdummung, die Bach da an den Tag legt", sagte Pechstein.

Pechstein war zwei Jahre zwischen 2009 und 2011 gesperrt, hatte Doping aber immer bestritten. Zuletzt war sie mit ihrer Klage vor dem Bundesgerichtshof gescheitert. Damals irritierte sie mit der Aussage, sie fühle sich schlechter behandelt als Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen.

Diskuswerfer Harting hatte zuvor massive Kritik an Bach geäußert. "Er ist für mich Teil des Doping-Systems, nicht des Anti-Doping-Systems. Ich schäme mich für ihn", hatte der Berliner über den deutschen Spitzenfunktionär gesagt.

jan/dpa



insgesamt 140 Beiträge
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jujo 27.07.2016
1.
Dazu kommt die Nichtberücksichtigung von der russischen Läuferin. Das ist ein eindeutiges Signal an potentielle whistleblower, seht es lohnt nicht, es lohnt nur innerhalb des Systems zu agieren. Die Einladung nach Rio auf Kosten des IOC ist blanker Hohn!
thorsten35037 27.07.2016
2.
Harting und Pechstein sind wohl nicht mehr so ganz fit. Da kann man keine unnötige Konkurrenz gebrauchen. Die beiden sollten sich schämen, Sippenhaft für alle russischen Athleten zu fordern. Es sollte eigentlich die Unschuldsvermutung gelten; der Pechstein hat man ja auch nichts nachweisen können. Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen (oder so ähnlich). Die Granate ist aber Usain Bolt. So einer wie der, kann nicht ungedopt sein (entweder nicht nachweisbar oder gedeckt). Schönen Gruß an an alle kalten Krieger!
mac4me 27.07.2016
3. Nichts Neues unter der Sonne...
...seit dem DDR-Staatsdoping, Vom IOC war nicht mehr als ein windelweicher Kompromiss zu erwarten. Putin kann damit zufrieden sein, aber anders als er es darstellt, sind die Beweise für russisches Staatsdoping erdrückend - und eine Überraschung ist das sowieso nicht. Das IOC hätte hier klare Kante zeigen können, tut dies aber ebenso wenig wie die FIFA. Es sind zu viele finanzielle Interessen und zu viele Seilschaften im Spiel. Dieser gesamte kommerzielle Spitzensport inc. F1 ist einfach so korrupt, dass dagegen schon fast gar nichts mehr hilft, außer der kompletten Abschaffung. Dafür ist aber der Unterhaltungswert und damit der Marktwert zu hoch. Dass nicht dopende Sportler das wie einen Schlag ins Gesicht empfinden, kann auch nicht überraschen. Mein Interesse an den Olympischen Spielen ist sowieso begrenzt.
markus.pfeiffer@gmx.com 27.07.2016
4. Volle Zustimmung
Auch wenn ich sonst kein Pechstein-Fan bin: Der Aussage in Sachen 'hinter den Verbänden verstecken' muss ich vollumfänglich zustimmen: "Das ist eine unglaubliche Art der Verdummung, die Bach da an den Tag legt". Hoffe im Sinne des Sports nur, dass Wikileaks o.ä. demnächst enthüllen, dass Bach (u.a.) tatsächlich von Putin "Gesteuert" wird. Jeder weitere Tag mit Bach an der Spitze des IOC schadet dem Sport allgemein und den klassischen "olympischen" Sportarten speziell.
Svenner80 27.07.2016
5. Frau Pechstein
Nach wie vor versteht Frau Pechstein nichts von Jura (bzw. will es nicht verstehen). Die "Unschuldsvermutung" gilt, allerdings kann man Sportler basierend auf Indizienbeweisen des Dopings überführen. Der Indizienbeweis ist in diesem Fall die Überschreitung bestimmter Grenzwerte. Es wird argumentiert, dass die Überschreitung nur mit Doping zustande kommen kann. Denn einen direkten Beweis, d.h. dass der Sportler auf frischer Tat direkt beim Dopen erwischt wird, den gibt es höchst selten. Bei Frau Pechstein wurde eine Überschreitung der Grenzwerte in mehreren Fällen festgestellt, sie wurde daher gesperrt. So weit alles völlig korrekt und rechtlich abgesichert. Zu ihrer Verteidigung führt sie nun eine Gen-Anomalie an, über deren Korrektheit die Wissenschaftler immer noch streiten. Das ist der Spezialfall. Die ISU hat sich ihrer Argumentation nicht angeschlossen. Das mag ungerecht sein, falls sie nicht gedopt hat, aber es war sicher nicht ganz einfach zu entscheiden. Und sicher kann man der ISU auch eine fehlende Unabhängigkeit vorwerfen. Andererseits wird jeden Tag ein konsequentes Vorgehen gehen die Doper eingefordert. Und dann gibt es mal (wieder) einen prominenten Fall mit klaren Überschreitungen und auf einmal taucht ein Gendefekt auf. Aha. Tja, es ist halt schwierig. Wenn Pechstein freigesprochen worden wäre, hätten sich andere Eisschnellläufer schlecht behandelt gefühlt. Der eigentliche Punkt aber: Frau Pechstein sollte das irgendwann auch mal verstehen und irgendwann mal aufhören, die Welt mit ihrer penetranten Selbstgerechtigkeit zu belasten.
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