Jahresbilanz Nada registriert 86 Dopingverstöße

Die Nationale Anti-Doping-Agentur hat derzeit eine Menge Probleme, auch wenn der Konflikt mit der Wada schnell beigelegt werden soll. Auf der Jahrespressekonferenz wurde bekannt, dass es finanzielle Schwierigkeiten gibt. Die Zahl der Kontrollen litt darunter bisher nicht.

Nada-Vorstandsmitglied Mortsiefer (l.): Über 8000 Trainingskontrollen
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Nada-Vorstandsmitglied Mortsiefer (l.): Über 8000 Trainingskontrollen


Hamburg - Streit mit der Wada, Niederlage im Fall Sinkewitz und eine drohende Finanzlücke: Die Nationale Anti-Doping-Agentur (Nada) hat viel Arbeit vor sich. Zumindest der offene Konflikt mit der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada soll nun endlich ausgeräumt werden. Die Nada-Verantwortlichen werden am kommenden Dienstag in Frankfurt am Main ein Gespräch mit Wada-Generaldirektor David Howman führen, um die Spannungen zwischen beiden Agenturen auszuräumen und weiteren Imageschaden im Anti-Doping-Kampf zu verhindern. Das wurde auf der Jahrespressekonferenz der Organisation bekannt.

Zahlen wurden ebenfalls verkündet: Im Jahr 2011 hatte die Nada insgesamt 86 mögliche Verstöße gegen die Anti-Doping-Bestimmungen registriert. Wie Nada-Vorstandsmitglied Lars Mortsiefer berichtete, sei dies ein Anstieg um 20 Fälle im Vergleich zum Vorjahr. Insgesamt wurden 26 Strafanzeigen bei den zuständigen Staatsanwaltschaften gestellt. Die Zahl der Meldepflicht- und Kontrollversäumnisse sei im Jahr 2011 von 358 auf 326 zurückgegangen.

Nach wie vor droht der Nada die Gefahr, wegen einer Finanzierungslücke von 1,35 Millionen Euro die Zahl der Kontrollen künftig zurückfahren zu müssen. Trotz dieser Finanzprobleme nahm die Nada im Jahr 2011 über 8000 Trainingskontrollen und damit in etwa so viele wie im Vorjahr vor. Durch die Übernahme des Ergebnismanagements für Sportverbände stieg die Zahl der Wettkampfkontrollen um 20 Prozent erstmals auf über 1000.

"Sachlich und kompetent die Missverständnisse ausräumen"

Weniger erfolgreich geht es derzeit im Zuge der Erfurter Blutmanipulationsaffäre zu. Howman hatte der Nada vorgeworfen, der Wada wichtige Dokumente vorenthalten zu haben. "Wir haben jetzt telefoniert und uns auf das Gespräch am Frankfurter Flughafen verständigt. Wir wollen sachlich und kompetent die Missverständnisse ausräumen. Das ist unser Ziel", sagte die Nada-Vorstandsvorsitzende Andrea Gotzmann am Dienstag in Berlin. Die Nada-Verantwortlichen unterstrichen erneut, dass sie in der "Causa Erfurt" keine Fehler gemacht hätten. "Wir überlegen jeden unserer Schritte und handeln danach", sagte Mortsiefer.

Im jüngsten Fall von Verstößen gegen Anti-Doping-Bestimmungen am Olympiastützpunkt Saarbrücken gebe es bislang keine Ansätze für eine strafrechtliche Verfolgung von Athleten. Das hätten ihm beide Anwälte der Münchner Schwerpunktstaatsanwaltschaft deutlich gemacht, sagte Mortsiefer.

Als "fatal" bezeichnete der Nada-Justiziar hingegen das Urteil des deutschen Schiedsgerichts im Fall von Patrik Sinkewitz, mit dem die Suspendierung des Radprofis wegen angeblichen Dopings mit Wachstumshormonen aufgehoben worden war. "Die Wada hat uns da leider die Unterstützung versagt", kritisierte Gotzmann. Die Nada werde sich nun an den Internationalen Sportgerichtshof Cas wenden.

jar/dpa



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nitram2 27.06.2012
1. Das Unglück
ist schon geschehen. Die Unstimmigkeiten Wada:Nada haben das gesamte Antidopingsystem schon unglaubhaft gemacht.
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