Nationalspieler Jansen "Kraus hat in der Vergangenheit genug Fehler gemacht"

Torsten Jansen ist einer der besten Handballer der Welt. Mit dem "Handball-Magazin" spricht der 33-jährige Profi vom HSV Hamburg über den Rückzug seines Trainers Martin Schwalb, seine Hochzeit und wünscht sich einen faireren Umgang mit seinem Teamkollegen Michael Kraus.

Nationalspieler Jansen: "Handball ist nicht Fußball"
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Nationalspieler Jansen: "Handball ist nicht Fußball"

Von Tim Oliver Kalle


Frage: Ist in Hamburg die Angst, etwas verlieren zu können, größer als die Freude darauf, etwas gewinnen zu können?

Jansen: Schöner psychologischer Einwand. Den lasse ich mal so stehen.

Frage: Der Laienpsychologe wird vermuten: Diese Saison wird besonders schwer, weil Trainer Martin Schwalb ins Management wechselt, Präsident Andreas Rudolph abtritt und Verträge altgedienter Spieler wie Bertrand und Guillaume Gille auslaufen. Ein letzter Versuch also, endlich Deutscher Meister zu werden, und noch mehr Druck?

Jansen: Natürlich darf man das so empfinden, aber da muss der mannschaftliche Erfolg zählen - und keiner darf ausbrechen. Das wird es bei uns auch nicht geben. Und vielleicht ist die Situation für uns sogar ein Vorteil. Für die Medien ist es ein interessanter Aufhänger. Im Grunde ist es völlig egal: Wir wollen wie in jedem Jahr jedes Spiel gewinnen, aber dass das nicht immer klappen wird…

Frage: …musste der HSV in dieser Saison sehr schnell lernen.

Jansen: So ist das.

Frage: Wie hat Schwalb den geplanten beruflichen Wechsel erklärt?

Jansen: Uns wurde das vor der Saison mitgeteilt. Daran ist wenig Interessantes, finde ich.

Frage: Wie geht ein Profi damit um? Ist das nicht ein Zeichen von Schwäche, wenn schon jetzt klar ist, dass sich ein Trainer zurückzieht?

Jansen: Damit beschäftige ich mich im Alltag überhaupt nicht. Es ist eher ein Zeichen von Stärke - er hätte es uns ja nicht sagen müssen. So weiß jeder Bescheid, und das untergräbt in keiner Form seine Autorität. Alles geht weiter wie bisher.

Frage: Die Personalie Schwalb wird in den Hamburger Medien indes ein Dauerthema bleiben. Haben Sie sich mit der Aufregung um Ihren Beruf arrangiert?

Jansen: Ich versuche, dem Ganzen ein bisschen aus dem Weg zu gehen, denn die tägliche Arbeit mit der Presse ist noch mehr Schall und Rauch als irgendwelche Titel, die ich in der Vergangenheit gewonnen habe. Was heute geschrieben wird, kann morgen schon wieder komplett anders klingen, ohne dass es irgendjemanden interessiert oder richtigstellt wird. Ich weiß nicht, warum ich mich daran beteiligen soll.

Frage: Spuren im Internet in Form einer eigenen Website sind von Ihnen kaum zu finden.

Jansen: Ich bin da mal engagiert gewesen, aber dann hat mich die Motivation verlassen, weil das alles eine solche Überfrachtung ist. Wenn ich mir die Seiten aller Bundesliga-Spieler anschauen möchte, brauche ich wahrscheinlich zwei Tage, um erstmal alle zu finden. Mir ist das zu viel Aufwand für zu wenig Ergebnis.

Frage: Haben Sie Ihren Fans gar nichts Wichtiges mitzuteilen?

Jansen: Wir sind mit dem HSV bei Facebook. Da wird von Mitarbeitern des Vereins einiges reingeschrieben - das ist mehr als genug und erreicht 50-mal so viele Leute, wie ich das mit einer eigenen Seite schaffen könnte. Und private Sachen habe ich nicht zu erzählen, die gehen keinen etwas an.

Frage: Hatten Sie nicht nach der WM 2007 die Hoffnung, dass das Interesse an Ihnen wachsen und eine gewaltige Vermarktungsrakete starten könnte?

Jansen: Da muss man realistisch bleiben. Handball ist nicht Fußball und wird es auch nie sein. Man muss mit dem zufrieden sein, was man hat. So, wie es ist, reicht mir das. Ich muss nicht alle paar Tage mit Journalisten palavern. Das Interview, das wir hier gerade führen, ist eine außergewöhnliche Sache und okay. Ich finde es gut, nicht nur am Telefon ein paar Sätze zu wechseln, sondern bei einem Gespräch zusammenzusitzen. Das ist auch für mich nicht schlecht, denn sonst ist man in seinem sportlichen Umfeld gefangen. Seine Gedanken einem Außenstehenden mitteilen zu können, ohne dass es gleich eine große Schlagzeile gibt, ist schon gut.

Frage: Eines der spannendsten Themen rund um den HSV ist der einzige Zugang Michael Kraus, und wie sich dieser im neuen Umfeld schlägt. Wie sind Ihre Eindrücke?

Jansen: Ich finde, ihr Journalisten solltet ihn alle in Ruhe seinen Job machen lassen. Er hat in der Vergangenheit genug Fehler gemacht, die er selbst am meisten bedauert. Man muss nicht ständig nach irgendwelchen Dingen suchen, die vielleicht früher für ihn bezeichnend waren, sondern muss ihm die Chance geben, sich als Sportler und Mensch zu finden.

Frage: Hat er den Schalter in Hamburg auf Neuanfang gestellt?

Jansen: Vielleicht hat er das schon vorher getan. Ich finde, man muss auch als Journalist anders mit ihm umgehen. Es gibt Leute, die wissen ganz genau: Wenn man Mimi anruft, mit dem kann man sprechen. Der freut sich, redet gern und sagt manchmal Sachen, die er besser nicht sagen sollte. Vielleicht muss man das nicht immer komplett ausnutzen, aber wahrscheinlich hat Mimi das jetzt auch selbst verstanden.

Frage: Sie könnten ein guter Ratgeber für Kraus sein.

Jansen: Er muss seine Erfahrungen selbst machen. Es nutzt nichts, wenn ihm das irgendjemand vorkaut. Ich habe Dinge für mich entschieden, die ich machen und die ich nicht machen möchte. Mimi wird reflektiert genug sein, selbst zu wissen, was er in Zukunft zu tun hat.

Frage: Was ist der HSV Hamburg - eine Mannschaft mit Zusammenhalt über den Sport hinaus oder eine Gruppe von Profis?

Jansen: Was heißt Zusammenhalt? In dem professionellen Sport, in dem wir uns befinden, trifft man sich nicht mehr zufällig im Dorf zum Kartenspielen. Es ist vielleicht inzwischen eine andere Zeit, denn wir sind mit allen Konsequenzen professioneller geworden. Dass jeder privat Dinge mit den anderen bespricht, gibt es natürlich auch bei uns. Aber Hamburg ist so groß, dass man sich nicht noch vor und nach dem Training trifft. Außerdem sind wir bei unserem Programm so viel zusammen - ich weiß nicht, ob es sinnvoll ist, sich nur in diesem Mikrokosmos zu bewegen. Aber das hat nichts damit zu tun, ob eine Mannschaft funktioniert oder nicht.

Frage: Es gibt jedenfalls Rituale, die auf eine intakte Gruppe hindeuten. Zum Beispiel den Strafenkatalog.

Jansen: Wer zu spät kommt, muss kochen. Irgendwann nach dem Training gibt es dann in der Kabine etwas zu essen und zu trinken. Das ist auch schön für den Mannschaftsgeist.

Frage: Stimmt denn die Geschichte, dass vor zwei Jahren mal von Ihnen eine Kiste Bier in die Kabine geworfen wurde und Sie auf Nachfrage von Ihrer Hochzeit berichtet haben?

Jansen: Ja, tatsächlich. Meine Frau und ich waren uns einig, dass wir darum kein großes Theater machen wollten. Wir konnten uns schon nicht auf eine Gästeliste und einen Ort einigen und hatten eh keinen Bock, an einem Abend von allen für etwas beglückwünscht zu werden, das für uns eigentlich keine große Bedeutung hat. Wir wollten eh zusammen leben und haben das nur rechtlich mit unseren Unterschriften unter Dach und Fach gebracht.

Das Interview führte Tim Oliver Kalle



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Seite 1
gerdus 07.10.2010
1. Artikel
Boah, was für ein langweiliger Artikel über einen uninteressanten Handballer. Ich habe bis ganz zum Schluß gelesen, und darauf gewartet, dass noch was passiert. Aber nix. Solche Artikel könnt Ihr Euch sparen, das wäre besser für alle Beteiligten. Für den Sportler, der sich nicht in den Vordergrund schieben will und daher auch nichts erzählt, für die Redaktion von Spon, die sich lieber um wichtigere Themen kümmern könnten, und für den Leser, der richtige Informationen erhalte würde.
un-Diplomat 07.10.2010
2. .
Zitat von sysopTorsten Jansen ist einer der besten Handballer der Welt. Mit dem "Handball-Magazin" spricht der 33-jährige Profi vom HSV Hamburg über den Rückzug seines Trainers Martin Schwalb, seine Hochzeit und wünscht sich einen faireren Umgang mit Teamkollege Michael Kraus. http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,720915,00.html
Ein gut geführtes Interview über einen sympatischen Sportler. Im Forum wird es aber leider nicht der Kracher, weil kein Fußball, keine Skandale, keine Internita. Auch wenn der HSV wieder nicht Meister wird, sollte Jansen sich nicht verändern. Er ist ja nicht so eine Pfeife wie der HSV-Fußballer, der sowieso nicht Meister wird.
dadanchali, 07.10.2010
3. nix als headline
Zitat von un-DiplomatEin gut geführtes Interview über einen sympatischen Sportler. Im Forum wird es aber leider nicht der Kracher, weil kein Fußball, keine Skandale, keine Internita. Auch wenn der HSV wieder nicht Meister wird, sollte Jansen sich nicht verändern. Er ist ja nicht so eine Pfeife wie der HSV-Fußballer, der sowieso nicht Meister wird.
Stimmt. Ein entspanntes, kluges Interview mit einem Sportler der unaufgeregt durchs Medienzeitalter geht ohne sich davon abhängig zu machen. Habe mit Handball kaum was zu tun, muss man auch nicht um dieses Interview und die Antworten zu genießen. P.S.: Die Eingangsfrage ist auf dem Weg in meinen Sprachgebrauch.
un-Diplomat 07.10.2010
4. ignorant?
Zitat von gerdusBoah, was für ein langweiliger Artikel über einen uninteressanten Handballer. Ich habe bis ganz zum Schluß gelesen, und darauf gewartet, dass noch was passiert. Aber nix. Solche Artikel könnt Ihr Euch sparen, das wäre besser für alle Beteiligten. Für den Sportler, der sich nicht in den Vordergrund schieben will und daher auch nichts erzählt, für die Redaktion von Spon, die sich lieber um wichtigere Themen kümmern könnten, und für den Leser, der richtige Informationen erhalte würde.
Also dann wären Artikel über Loddar das Richtige für Sie? Sie sind schon Einer...
juherbst 07.10.2010
5. In der Tat...
...ein angenehm entspanntes Interview. GERADE, weil es ohne Skandale oder griffige Floskeln auskommt. Nur die Überschrift ist mir etwas zu reißerisch, klingt gegenteilig zu dem, was er tatsächlich sagt.
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