NBA All-Star Game Spektakel mit Schattenseiten

Die NBA feiert sich beim All-Star-Wochenende selbst. Doch für die Spieler ist die Showveranstaltung mitten in der Saison eine Belastung. Ein Superstar ließ seinem Frust freien Lauf.

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Aus New York berichtet Frank Joung


Es dauerte nur wenige Sekunden, dann war Dennis Schröder schon ausgeschieden. Der deutsche NBA-Profi war bei der Skills Challenge, einer Art Basketball-Geschicklichkeitsparcours, ohne Chance. Schröder grinste dennoch entspannt, die Niederlage schmerzte ihn kaum. Denn beim All-Star-Wochenende geht es nur darum, Spaß zu haben.

Am vergangenen Wochenende feierte die NBA sich selbst, mit 216 aktuellen und ehemaligen Profispielern in New York. "Das ist das Mekka des Basketballs": Immer wieder sprach LeBron James diesen Satz in die Mikrofone. Es sei etwas Besonderes, in New York zu spielen, sagte der beste Spieler der Liga. Und James zeigte sich in der Showpartie überraschend engagiert. Doch trotz einer starken Leistung und 30 Punkten konnte er die Niederlage seiner Ost-Auswahl nicht verhindern (158:163). Aber um den sportlichen Wettbewerb geht es bei diesem Duell immer nur am Rande. Was zählt, ist das Spektakel.

Auch die Gästeliste im Madison Square Garden war wie immer eindrucksvoll: Am Spielfeldrand saßen unter anderem: Bill Clinton, Rapper Jay-Z, Beyoncé, Rihanna, die Schauspieler Ben Stiller und Ethan Hawke - und natürlich Knicks-Edelfan Spike Lee. Für Gesangseinlagen sorgten Christina Aguilera und Ariana Grande und in den Pausen spielten die Ensembles der besten Broadway-Musicals ihre Hits. Die NBA kann es nicht kleiner und New York auch nicht.

Das Spektakel hat aber auch Schattenseiten für die Spieler. Während die Kollegen die längste Pause der Saison genießen, werden die All-Stars von Termin zu Termin gescheucht. Rund 1800 Journalisten hatten sich für die drei Tage akkreditiert. Superstar Kevin Durant (Oklahoma City Thunder) gab offen zu, wie sehr ihn das nervt: Auf Fragen nach seinem Trainer Scott Brooks, der in der Kritik steht, sagte Durant: "Um ehrlich zu sein, rede ich nur mit euch, weil ich es muss. Ihr habt keine Ahnung, aber es ist mir egal."

Trotz des Trubels versichern die Spieler immer wieder, sehr viel Spaß zu haben. Auch Dirk Nowitzki, der sich schon auf den Familienurlaub in Florida gefreut hatte und kurzfristig nachnominiert wurde. "Es war ein bisschen kälter als in Florida, aber die Zeit war schön", sagte der 36-Jährige.

"Es ist die einzige Zeit des Jahres, in der alle Stars zusammenkommen", sagte NBA-Blogger Sekou Smith. Das mache den Reiz aus: für die Journalisten, die in kurzer Zeit mit möglichst vielen Athleten sprechen können, und für die Spieler, die mal mit ihren eigentlichen Konkurrenten in einem Team spielen können.

Zudem achtet die NBA darauf, frühere Spieler mit ins Geschehen miteinzubeziehen. Auch der deutsche Ex-Nationalspieler Detlef Schrempf mischte beim "Legendenspiel" mit. Er erinnert sich an eigene All-Star-Zeiten: "Früher war das nicht so ein Zirkus. Da gab es das Spiel, den Dunk Contest und den Dreier-Wettbewerb, das war's. Aber jetzt läuft drei Tage lang Programm von morgens bis abends. Das ist verrückt", sagt Schrempf mit einem Schmunzeln. "Aber hey, das Spiel ist global und jeder will dabei sein."

Basketball-Profi Schröder: Aus Braunschweig in die NBA

Durchbruch im zweiten NBA-Jahr: Dennis Schröder hat sich deutlich gesteigert und zählt beim derzeit zweitbesten Team, den Atlanta Hawks, zu den Leistungsträgern.

Eine rasante Entwicklung: 2012/2013 konnte er sich in der Bundesliga etablieren, wurde Allstar (siehe Bild), einige Monate später folgte der Sprung in die NBA.

Dort hatte er zunächst große Probleme, die Kritiker fühlten sich bestätigt. Dabei hatte auch der spätere Superstar Dirk Nowitzki (l.) zunächst Schwierigkeiten. Schröder wurde in seinem ersten Jahr kaum eingesetzt und auch zum Farmteam der Hawks abgeschoben.

Ganz anders sieht es in dieser Saison aus: Der deutsche Nationalspieler steht gut 18 Minuten pro Partie auf dem Feld und erzielt dabei rund acht Punkte, gibt dazu im Schnitt 3,5 Vorlagen und darf auch in wichtigen Phasen spielen. Das war im vergangenen Jahr noch ganz anders, oft durfte Schröder sogar nur zuschauen.

In diesem Jahr hat der 21-Jährige sich jedoch an die anspruchsvolle Liga gewöhnt. Schröder weiß seine Schnelligkeit - seine wohl größte Stärke - nun besser einzusetzen. Dank seiner guten Defensive gestehen ihm die Hawks-Coaches auch Fehler im Angriff zu.

Dort hat Schröder auch an seinen Passfähigkeiten gearbeitet, er findet nun regelmäßig frei stehende Mitspieler und bedient diese.

Auch der Wurf ist deutlich konstanter geworden, die Verteidiger können mittlerweile nicht mehr absinken, sondern müssen den Spielmacher eng verteidigen - sonst werden sie so wie hier die Indiana Pacers bestraft.

Eines seiner stärksten Spiele machte Schröder im Dezember gegen die Dallas Mavericks und Dirk Nowitzki. Womöglich könnte der 21-Jährige der nächste deutsche NBA-Star werden. In Atlanta halten sie große Stücke auf den Point Guard.

Ähnlich geht es Bundestrainer Chris Fleming, der Schröder bei der Heim-EM im kommenden September eine Führungsrolle zuspricht. In der Qualifikation im vergangenen Sommer war Schröder bereits bester Punktesammler.

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