NBA-Champion Nowitzki "Ich habe ein bisschen geheult"

Er ist ein Hüne, ein Bär von einem Mann. Doch die erste Meisterschaft in der NBA ließ auch Dirk Nowitzki sentimental werden. Der Star der Dallas Mavericks fing sich jedoch schnell wieder und genoss den Titel.

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Frage: Herr Nowitzki, Sie sind nun 13 Jahre sind in der NBA. Was hat dieser Titel für Sie persönlich für eine Bedeutung?

Nowitzki: Die Meisterschaft 2010/2011 gehört für immer den Dallas Mavericks, die kann uns nie mehr einer nehmen. Ich bin einfach so stolz auf die Mannschaft, was wir durchgemacht haben dieses Jahr. Unser Forward Caron Butler musste die Saison mit einer schweren Verletzung beenden, trotzdem haben wir uns durchgekämpft und weitergearbeitet.

Frage: Wie bewerten Sie Ihre Leistung im sechsten Spiel der Finalserie?

Nowitzki: Man hat auch heute wieder gesehen, wie gut unsere Mannschaft ist, nachdem ich zumindest in der ersten Halbzeit einen wirklich rabenschwarzen Tag erwischt hatte. Ich kann es noch gar nicht fassen und werde es erst einmal ein paar Wochen genießen. Dann kann man ein bisschen mehr reflektieren.

Frage: Nach dem Spiel sind sie direkt in die Kabine gelaufen. Warum?

Nowitzki: Ich habe erst einmal eine Minute für mich selbst gebraucht, war ein bisschen emotional, habe ein bisschen geheult. Ich wollte kurz für mich allein sein, war in der Umkleide in der Dusche und habe mich dann wieder gefangen.

Frage: Sonst retten Sie immer die Mannschaft, in der ersten Halbzeit war es dieses Mal andersherrum. Wie fühlt sich das an?

Nowitzki: Das war das ganze Jahr über unsere Stärke. Wenn einer mal nicht ein so gutes Spiel hatte, ist der andere reingekommen für ihn, hat ausgeholfen und Selbstvertrauen gegeben. Es macht unsere erfahrene Mannschaft aus, dass wir viele Leute haben, die explosiv von der Bank kommen.

Frage: Was haben Sie gedacht, als feststand, dass Sie NBA-Meister sind?

Nowitzki: Ich kann mich gar nicht mehr erinnern. Im vierten Viertel habe ich mal zur Anzeige hoch geschaut und da lagen wir mit zehn Punkten vorne. Es waren aber immer noch sechs Minuten zu spielen und die Minuten gingen nicht schnell genug vorbei. Wenn ich gekonnt hätte, hätte ich da schon gerne die Uhr auf null gestellt. Wir haben sehr gut verteidigt und vorne die wichtigen Würfe reingemacht.

Frage: Ist die Niederlage von 2006 in den Finals gegen die Miami Heat nun vergessen?

Nowitzki: Vielleicht wären wir nie mehr an diese Stelle gekommen, wenn wir 2006 nicht diese Enttäuschung mitgemacht hätten. Vielleicht wären Jason Terry und ich dann nie so als Mannschaft zusammengeschweißt worden. Wir haben es immer wieder probiert. Jason hat im vierten Viertel zu mir gesagt: Denke an 2006, das Ding holen wir uns heute. Ich glaube, er hat von Anfang an gesehen, dass ich ein bisschen gestrauchelt bin und hat das Spiel auf seine Schultern genommen.

Frage: Am Ende haben Sie aber wieder die Mannschaft gerettet.

Nowitzki: Das ist die vergangenen Jahre immer mein Job gewesen, dass ich im vierten Viertel für die Mannschaft da bin. Die Mannschaft hat mir immer gut zugeredet. Es war für mich wichtig, mental im Spiel zu bleiben. Natürlich wäre es einfach gewesen, bei so einem schlechten Spiel abzuschalten. Aber für die Mannschaft muss ich immer weiter mit Selbstvertrauen attackieren und das habe ich gemacht.

Aufgezeichnet von Heiko Oldörp (dpa)

insgesamt 36 Beiträge
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Seite 1
janne2109 13.06.2011
1. toller Sportler
ehrgeizig, ehrlich, besonnen, ohne Spektakel.
flr2 13.06.2011
2. .
Dirk Nowitzki ist einfach ein großartiger Mensch (und natürlich auch ein toller Sportler ;-)). Herzlichen Glückwunsch zu dieser enormen Leistung!
Krypt 13.06.2011
3. Nowitzki
Dirk Nowitzki ist ein großartiger Sportler, der in der eigenen Heimat, so scheint es mir, fast ein wenig stiefmütterlich behandelt wird. Von den Finalspielen selbst mal abgesehen, liest man leider sonst viel zu wenig von einem, der in einer Reihe mit den größten des deutschen Sports steht (nur in den Medien leider scheinbar nicht immer).
faceman99, 13.06.2011
4. Einer der auf dem Boden geblieben ist
Klasse Leistung!!! Sportlich beweißt er schon Jahren seine Fähigkeiten und hat es auch aufgrund seiner menschlichen Art verdient in den Olymp der Basketballer aufzusteigen. Er spielt schon Jahre bei den Mavericks uns hatte durchaus die Chance zu wechseln und trotzdem ist er geblieben um es mit dem Team selbst für weniger Geld zu schaffen. Welche Sportler haben diese Loyalität zu einem Club heute noch? Sicherlich ist er finanziell nicht arm, aber trotz dem Bankkonto ist er bodenständig und fair geblieben und leistet sich keine Allüren. Nach seinem Fieberspiel haben sich die Stars der Heats über Ihn lächerlich gemacht. Ihn lässt es locker und lässt sich auf derartiges Niveau nicht herunter, dafür hat er den Sieg der Meisterschaft auch als Mensch wirklich verdient.
Floppy, 13.06.2011
5. Herzlichen Glückwunsch
Hoffentlich bekommt er nun auch in seinem Heimatland die Anerkennung die er verdient. Mit Abstand der beste Sportler in Deutschland aber dennoch wird lieber über Vettel, Schumi und Ballack geschrieben als über Dirk.
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