NBA-Champions LA Lakers Einen Titel mehr als Shaq

Lila-gelber Konfettiregen in Los Angeles: Die Lakers haben die NBA-Finalserie gegen die Boston Celtics gewonnen und ihren Titel verteidigt. In Partie sieben dominierten sie vor allem bei den Rebounds. Für Superstar Kobe Bryant war es auch ein Triumph über einen alten Rivalen.

Jubelnde Lakers-Stars: Schwache Wurfquote, stark unter den Brettern
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Jubelnde Lakers-Stars: Schwache Wurfquote, stark unter den Brettern

Von , Boston


Kobe Bryant trug jubelnd seine Tochter auf den Schultern durch das Staples Center. Earvin "Magic" Johnson fiel Trainer Phil Jackson um den Hals und in der Mitte der Arena bildete der Rest des Teams ein einziges Jubel-Knäuel. Von der Hallendecke rieselten passend dazu Millionen von Konfetti-Teilchen in den Vereinsfarben gelb und lila. Die Los Angeles Lakers hatten es geschafft - und dank eines hart erkämpften 83:79-Heimsieges gegen die Boston Celtics ihren Titel in der Nordamerikanischen Basketball-Liga NBA verteidigt.

Diese 16. Meisterschaft war mehr als ein ganz gewöhnlicher Titel. Es war Genugtuung für fast 50 Jahre Schmach und schmerzhafte Finalniederlagen gegen den Erzrivalen von der Ostküste. "Wir haben die Bedeutung um die Rivalität immer runtergespielt. Aber wir wollten diesen Titel unbedingt", betonte Bryant auf der Pressekonferenz.

Zum zwölften Mal standen sich die beiden erfolgreichsten Teams der Liga im Endspiel gegenüber, neunmal hatten die Celtics triumphiert. Erstmals 1959 und zuletzt 2008. In den Tagen zuvor hatte Bryant noch stets betont, dass es ihm egal sei, wenn LA die Meisterschaft ausgerechnet gegen die Celtics gewinnen würde. "Ich habe euch alle angelogen", sagte er in der Stunde einer seiner größten Erfolge. "Ich kenne sämtliche Statistiken jeder Lakers-Celtics-Serie."

Schwache Wurfquote des Champions

Und die Statistiken spielten vor dem Showdown eine große Rolle. In Los Angeles verwiesen die Medien bereits nach dem 102:89-Auftaktsieg darauf, dass Lakers-Trainer Phil Jacksons Playoff-Bilanz 47:0 sei, wenn sein Team das erste Spiel einer Serie gewinne. Die Bostoner Berichterstatter setzten dem ein 11:0 entgegen. Elfmal bestritten die "Grünen" ein siebtes und entscheidendes Spiel, elfmal gewannen sie - viermal davon in Endspielen gegen die Lakers. Es war alles eine Sache der Sichtweise.

Objektiv betrachtet geht das letzte Saisonspiel als eine in der Defensive knallhart geführte Partie mit der viertniedrigsten Punktzahl einer Entscheidungspartie in die NBA-Geschichtsbücher ein. Und als ein Duell, bei dem der Sieger nicht einmal jeden dritten Wurf im Korb unterbrachte (32,5 Prozent). "Wir haben mit Herz und Seele gekämpft, extrem hart gekämpft. Wir haben geschubst, gestoßen, gedrängelt", sagte Pau Gasol, während Bostons Ray Allen von "extrem dicker Luft da draußen" sprach.

Obwohl die Lakers bei den Wettanbietern als 7:1-Favorit gehandelt wurden, bestimmten die Celtics den ersten Durchgang. Allen bekämpfte Bryant mit allen erlaubten und unerlaubten Mitteln und der fast 36-jährige Rasheed Wallace zeigte im womöglich letzten Spiel seiner Karriere Gasol, was aggressive, nordamerikanische Verteidigung bedeutet. Die Celtics führten nach dem ersten Viertel 23:14, die Trefferquote der Gastgeber betrug miserable 22,2 Prozent. In den vorangegangenen sechs Partien hatte jeweils die Mannschaft gewonnen, die nach dem Auftaktviertel vorn lag.

"Ich habe ihnen gesagt, holt weiterhin die Rebounds"

Doch letztlich hatte auch immer das Team triumphiert, das mehr Rebounds holte - und hier lagen die Lakers ständig vorn. Selbst beim 34:40-Pausenrückstand war Phil Jackson weniger um die Wurfquote (26,5 Prozent) besorgt, als um die Vorherrschaft am Brett. "Ich habe ihnen gesagt, holt weiterhin die Rebounds", so Jackson, der zum elften Mal Meister wurde (sechs Titel mit den Chicago Bulls, fünf mit LA). Man habe alles gegeben, aber die Lakers-Dominanz bei den Rebounds sei letztlich entscheidend gewesen, betonte Celtics-Kapitän Paul Pierce.

Vor allem mit Gasol und Center Andrew Bynum (jeweils 2,13 Meter) hatte Los Angeles klare Größenvorteile, während die Celtics ihren 2,08-Meter-Center Kendrick Perkins vermissten, der sich zwei Tage zuvor eine schwere Knieverletzung zugezogen hatte. Und so pflückten sich die langen Lakers etliche Male nach Fehlwürfen die Abpraller und kamen somit zu weiteren Chancen. Dass Boston dennoch nach 29 Minuten 49:36 führte, lag vor allem an Bryants offensiver Offenbarung (23 Punkte). Nur sechs seiner 24 Versuche aus dem Feld landeten im Korb. "Ich war müde, und habe versucht, das Team zu pushen, aber je härter ich es versucht habe, desto mehr glitt das Spiel aus meinen Händen. Deshalb bin ich froh, dass meine Mitspieler uns zurück in die Partie gebracht haben", so Bryant.

Trotz dieser schwächeren Leistung in Spiel sieben, wurde er zum "wertvollsten Spieler" (MVP) der Finalserie gewählt wurde. Und letztlich zeigte er im wichtigsten Spiel des Jahres, wie nützlich er trotz zahlreicher Fehlversuche sein kann. Denn Bryant holte ungewöhnlich viele Rebounds (15). Und er brachte sein Team in der 43. Minute mit vier aufeinanderfolgenden Punkten in Führung (68:64). Diesen Vorsprung gab LA nicht mehr ab.

"Ich habe jetzt einen Titel mehr als Shaq", sagte Bryant und beglich eine alte Rechnung. Mit Shaquille O'Neal an seiner Seite hatte er von 2000 bis 2002 drei Meisterschaften in die Stadt der Engel geholt, stand damals jedoch im Schatten des mächtigen Centers. Einige Jahre später verließ O'Neal nach Indiskrepanzen mit Bryant die Lakers und gewann 2006 mit Miami einen weiteren Titel.

Als Los Angeles vor zwei Jahren das Finale gegen Boston verlor, tönte O'Neal, dass Bryant ohne ihn niemals Meister werden könne. Im Vorjahr strafte dieser ihn dann Lügen, als die Lakers erstmals unter seiner alleinigen Regie gewannen. Und ein Triumph gegen Boston - das weiß auch O'Neal - zählt in Los Angeles mindestens doppelt. "Wenn Kobe diese Meisterschaft gewinnt, ist er der größte Lakers-Spieler aller Zeiten", hatte "Shaq" bereits vor dem Finalspiel betont.



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