NBA Der steile Aufstieg des Yogi Ferrell

Yogi Ferrell wurde von allen NBA-Teams übersehen. Die Dallas Mavericks gaben ihm eine Chance. Nun steigt der Rookie zu einem Schlüsselspieler im Team von Dirk Nowitzki auf.

Yogi Ferrell
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An den 3. Februar werden sich Dirk Nowitzki und seine Dallas Mavericks noch lange erinnern. Nicht unbedingt weil ein Sieg gegen die Portland Trailblazers etwas Unvergessliches wäre. Aber wie er zustande kam, das war schon etwas Besonderes. Ganze 32 Punkte kamen an diesem Abend nämlich von Yogi Ferrell. Dem 23-Jährigen, der in Dallas eigentlich nur auf Probe mitgespielt hatte und der derzeit trotzdem wie ein ganz Großer auftrumpft.

Die Partie gegen Portland war Ferrells viertes Spiel für die Mavericks. Spätestens an diesem Abend war allerdings jedem klar, dass dieser Rookie eine zentrale Figur in einem Verjüngungsprozess sein kann, der in Dallas immer weiter voranschreitet. Noch unwirklicher muss diese Entwicklung Yogi Ferrell vorkommen. Denn vor nicht allzu langer Zeit schien es, als würde seine junge Karriere im Sande verlaufen, bevor sie so richtig starten konnte.

Beim Draft, dem alljährlichen Kampf der NBA-Teams um die frischen Talente, wurde Yogi Ferrell übersehen. Spielerisch hatte er bereits auf sich aufmerksam gemacht. Experten vermuten jedoch, es war seine Körpergröße von nur 1,83 Metern, die viele Klubbosse skeptisch machte. Die Brooklyn Nets gaben Ferrell zu Anfang dieser Saison die Chance, sich auf Probe zu beweisen. Doch war man in New York nicht überzeugt, und der Spielmacher musste den Weg in die D-League, die Entwicklungsliga der NBA, antreten.

Ein halbes Jahr nach seiner Nichtbeachtung beim Draft, Ende Februar dieses Jahres, boten die Dallas Mavericks dem Jungen aus Indiana einen 10-Tages-Vertrag an. Es ist eine übliche Praxis, über die immer mal wieder zunächst übersehene Talente doch noch ihren Weg in die höchste Spielklasse schaffen. Dallas suchte einen kurzfristigen Ersatz für den verletzten Point Guard Deron Williams. Ferrell nahm die Herausforderung an.

Einen Tag nach der Vertragsunterzeichnung stand der 23-Jährige in der Startformation gegen das NBA-Schwergewicht aus San Antonio. Dallas siegte, genau wie am darauffolgenden Tag gegen den Meister aus Cleveland. Auch als der nominelle Spielmacher Williams zurückkehrte und Ferrell auf der Bank Platz nehmen musste, nutzte er seine Spielzeiten und punktetet einfach weiter drauf los. Schon vor dem Ende seiner Probezeit war den Mavericks klar, welches Juwel sie entdeckt hatten. Yogi Ferrell wurde mit einem Zweijahresvertrag ausgestattet.

Als wäre dieser Quereinstieg nicht schon Erfolg genug für den Rookie, folgt nun der Ritterschlag. Die Mavericks kaufen Deron Williams, etatmäßiger Aufbauspieler und einst als bester Point Guard der Liga gehandelt, aus seinem Vertrag heraus. Das Zepter übergeben sie Yogi Ferrell. Der Rookie, den zunächst niemand wollte, soll nun das Spiel der Mavericks dirigieren. Gleichzeitig verpflichtete der Klub Nerlens Noel aus Philadelphia, einen der vielversprechendsten jungen Center der Liga. Zusammen könnten sie die Zukunft der Franchise gestalten.

Yogi Ferrell im Spiel gegen die Boston Celtics
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Yogi Ferrell im Spiel gegen die Boston Celtics

Was an Yogi Ferrell vielleicht am meisten verwundert, ist die Abgeklärtheit, mit der er auftritt. Der Spielmacher überzeugt sowohl offensiv als treffsicherer Werfer aus allen Lagen wie auch defensiv als bissiger Verteidiger. Mit seiner Spielintelligenz macht er seine Mitspieler Harrison Barnes, Seth Curry und Wesley Matthews besser. Doch besonders das Zusammenspiel mit Dirk Nowitzki erweist sich derzeit als besondere Waffe des Teams. Über Ferrells Körpergröße redet niemand mehr.

Ferrells Statistiken stellen ihn in eine Reihe mit eindrucksvollen Spielernamen. Die letzten Rookies, die in 36 Minuten mindestens 15 Punkte warfen, fünf Assists lieferten und mindestens 55 Prozent der Würfe versenkten, waren Kyrie Irving, Isaiah Thomas und Stephen Curry. Überhaupt können solche Werte erst zehn Spieler in der NBA vorweisen, darunter Legenden wie "Magic" Johnson und Michael Jordan.

Weit schwerer als diese Vergleiche dürfte jedoch gerade der Druck wiegen, in so kurzer Zeit vom übersehenen Talent zum Spielmacher der Mavericks befördert zu werden. Noch ist Yogi Ferrell kein gestandener NBA-Profi, dennoch wurde ihm viel Verantwortung übertragen. Er ist ein Versprechen auf eine goldene Zukunft in Dallas. Ein Versprechen, das nun schneller als erwartet eingelöst werden sollte.



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