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11. Juni 2019, 07:10 Uhr

NBA

So dramatisch vergibt Toronto die erste Chance auf den Titel

Die Toronto Raptors haben den Matchball zur Meisterschaft und vergeben ihn in letzter Sekunde. Die Golden State Warriors verkürzen im Finale auf 2:3. Superstar Durant gibt sein Comeback - und verletzt sich erneut.

Es hätte der Wurf zum Titel werden können. Eine Sekunde vor Schluss des fünften Finalspiels in der nordamerikanischen Basketball-Profiliga NBA hatte Kyle Lowry die Chance, die Toronto Raptors zum ersten kanadischen NBA-Meister überhaupt zu krönen. Der Point Guard der Raptors hatte sein Team gegen den amtierenden Titelträger Golden State Warriors in einer dramatischen Schlussphase soeben mit einem Zwei-Punkte-Wurf zum 105:106 noch einmal herangebracht. Nun bekam Lowry im allerletzten Moment den Buzzerbeater zur Meisterschaft - doch sein Wurf von der Dreierlinie sprang an die Kante des Bretts. Vorbei.

Somit haben die Toronto Raptors ihre erste Chance auf den Titelgewinn liegen gelassen. Das Team um Lowry und Superstar Kawhi Leonard verlor zu Hause 105:106 und führt in der Best-of-Seven-Serie nur noch mit 3:2. In der Nacht zu Freitag haben die Raptors in Oakland die nächste Gelegenheit zu triumphieren.

Golden State muss zwei weitere Spiele gewinnen, um die Serie noch zu drehen. Das ist in der Geschichte der Liga erst einer Mannschaft gelungen, die Cleveland Cavaliers holten 2016 nach einem 1:3-Rückstand die Meisterschaft - gegen die Warriors.

Wegbereiter zum zwingend notwendigen Sieg der Gäste waren die Superstars Stephen Curry (31 Punkte) und Klay Thompson (26). Bei den Raptors, die schwach von der Dreierlinie trafen, gelang Leonard mit 26 Punkten und zwölf Rebounds erneut ein Double-Double, der Schlüsselspieler leistete sich aber auch fünf Ballverluste.

Golden State konnte erstmals in der Finalserie auf Kevin Durant zurückgreifen. Der zehnmalige Allstar stand trotz seiner Wadenprobleme in der Startformation und begann stark, doch zu Beginn des zweiten Viertels verletzte er sich erneut. Durant (elf Punkte) humpelte in die Kabine.

Dabei jubelten Raptors-Fans über Durants Verletzung, was Joel Embiid, All-Star-Center von den Philadelphia 76ers, bei Twitter in Rage brachte. Durant verließ noch während des Spiels die Halle auf Krücken.

Und auch von den Warriors-Spielern gab es Reaktionen: Durants Team-Kollege Thompson sagte: "Das war Bullshit. Absolut lächerlich. Ich kann kaum in Worte fassen, wie wütend mich das gemacht hat." Draymond Green nannte die Reaktion der Raptors-Fans "stillos". Und Curry wunderte sich: "Das ist nicht die Art von Erfahrungen, die ich bisher mit den Leuten in dieser Stadt gemacht habe. Ich hoffe, dass sich solch eine Hässlichkeit nicht noch einmal zeigt."

Wie sich später herausstellte, verletzte Durant sich an der rechten Achillessehne. Am heutigen Dienstag soll bei einer MRT-Untersuchung festgestellt werden, ob die Sehne möglicherweise gerissen ist. Dies würde eine monatelange Pause bedeuten.

Auf dem Feld zeigten sich die Warriors gegen Toronto vom Aus des Stars unbeeindruckt, lagen zur Pause 62:56 vorn und setzten sich im dritten Viertel weiter ab. Toronto schaffte es erst in der Schlussphase, aufzuschließen. Leonard sorgte fünf Minuten vor dem Ende für die erste Führung (96:95) seit der Anfangsphase des Spiels. Das Duell war nun völlig offen, nach dem Dreier von Thompson zum 106:103 kam Lowrys Moment. Aber es wurde keiner für die Ewigkeit.

Nach dem Spiel gab es nicht nur Freude über den verhinderten K.o. bei Golden State: "Es ist ein seltsames Gefühl bei uns allen", sagte Warriors-Coach Steve Kerr, "es ist ein unglaublicher Sieg und ein schrecklicher Verlust zur selben Zeit." Die finale Niederlage abgewendet, aber wohl auch Durant erneut verloren.

Immerhin: Durch den Sieg bekommen die Warriors ihr Abschiedsspiel in der Oracle Arena. Zur nächsten Saison kehrt der Klub in seine alte Heimat San Francisco zurück. Die Franchise spielt seit 1971 in Oakland.

mey/mrk/sid

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