NBA-Finale Miamis Superstars versagen im Schlussspurt

Dallas gegen Miami - das heißt Dirk Nowitzki gegen die Superstars der Heat. Der eine ruhig, gelassen, trotz Fieber konzentriert. Die anderen frech, cool, große Klappe. Nun machten sich Dwyane Wade und LeBron James gar über den kranken Deutschen lustig. Genützt hat es nichts: Matchball für die Texaner.

Miamis Wade (links), James: "Habt ihr mich husten gehört? Bin ich jetzt krank?"
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Miamis Wade (links), James: "Habt ihr mich husten gehört? Bin ich jetzt krank?"

Von , Dallas


Dirk Nowitzki sah nicht mehr ganz so blass aus wie am Vortag. Trotzdem schniefte der Würzburger reichlich und keuchte einige Male kräftig, als er sich nach dem 112:103-Heimsieg seiner Dallas Mavericks gegen die Miami Heat den wartenden Journalisten stellte. Das Fieber, sagte er, sei zurückgegangen, und das sei auch das Wichtigste. Husten und Schnupfen würden zwar noch eine Weile bleiben, aber das sei völlig nebensächlich, denn dies seien ja schließlich die Finals.

Nur wenige Meter weiter saßen LeBron James und Dwyane Wade im Interview-Raum und versuchten, der Presse klarzumachen, dass man sich dem Ernst der Lage bewusst, aber eben auch ziemlich zuversichtlich sei, den 2:3-Rückstand in den beiden kommenden Heimspielen noch zu drehen. Wade versicherte zugleich, dass seine Hüftverletzung, die er sich in der ersten Halbzeit zuzog, "no problem" für Spiel sechs am Sonntag sei.

Nun wird kaum zu erwarten sein, dass Nowitzki in den kommenden Tagen etwas zu Wades Hüftschmerzen sagen oder sie sogar durch Herumhumpeln imitieren wird. Schließlich hat er sich in seinen bisherigen 13 NBA-Jahren noch nie respektlos über Gegenspieler geäußert. Zum anderen ist der 32-Jährige derzeit ohnehin viel zu fokussiert auf seine Mission Meisterschaft.

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NBA-Finale: Dallas ganz nah am Titel
Wade und James indes scheinen mit den Finalspielen, Training und dem täglichen Interview-Marathon nicht ausgelastet zu sein. Nach dem Vormittagstraining hatten sie sich am Donnerstag beim Verlassen des American-Airlines-Centers noch über Nowitzkis Erkältung lustig gemacht. Der Deutsche hatte bekanntlich trotz 39 Grad Fieber die Mavericks zu einem 86:83-Sieg in Spiel vier geführt. "Habt ihr mich husten gehört? Bin ich jetzt krank?", fragte Wade, als er durch die Katakomben der Arena ging und sich kräftig in die rechte Hand hustete. Hinter ihm schritt James, der das Gleiche tat und sich dabei ein Lachen nicht verkneifen konnte. Dass eine TV-Kamera die beiden bei ihrer Aktion begleitete, störte sie nicht.

Nach dem dritten Erfolg im fünften Finalspiel lachen nun erst einmal die Mavericks, die nur noch einen Sieg vom ersten Meistertitel entfernt sind. Vor allem freute man sich auf Seiten der Texaner, dass die Offensive (56,5 Prozent) endlich zur Stärke der ersten drei Playoff-Runden gefunden hat. Insgesamt warf Dallas 13 Dreier und hatte mit 68,4 Prozent eine überragende Trefferquote bei den Distanzwürfen. Vor allem die Dreier-Spezialisten Jason Kidd (drei erfolgreiche Versuche), J.J. Barea (4) und Jason Terry (3) hatten diesmal eine ruhige Hand. "Wir haben mit Selbstvertrauen unsere Dreier genommen, und endlich sind sie mal reingegangen", freute sich Nowitzki.

James hingegen versuchte es insgesamt viermal aus der Distanz, scheiterte jedoch jeweils. "Dies ist ein wichtiges Spiel, wahrscheinlich das wichtigste meiner Karriere", hatte der 26-Jährige vor der Partie noch betont. Nachdem er in der vierten Partie mit nur acht Punkten den schwächsten Playoff-Auftritt seiner Karriere hatte, wurde James reichlich kritisiert. Er kündigte daraufhin an, aggressiver sein zu wollen. "Now or never"! hatte "KingJames" seine mehr als zwei Millionen Twitter-Fans via Kurznachricht wissen lassen - und zwar gegen 1.30 Uhr am frühen Donnerstagmorgen.

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Dallas-Fans: Nur die Mavericks im Kopf
Dennoch folgten seinen Worten keine Taten. Zwar erzielte er mit 17 Punkten, zehn Assists und zehn Rebounds ein "Triple-Double", doch das reichte nicht. "Das Einzige, was für mich zählt, ist der Sieg." Das Problem: Die Heat waren unfähig, eine Führung im vierten Viertel über die Zeit zu bringen. 90:95 lagen die Gäste in der 42. Minute hinten, die Stimmung in der Halle hätte kaum besser sein können, ehe Miami mit einem Zwischenspurt den Spaß beendete und 4:37 Minuten vor dem Schluss 99:95 führte.

Anschließend waren es ausgerechnet die großen Namen der Heat, die in den entscheidenden Momenten schwächelten. Chris Bosh unterliefen zwei Ballverluste, zudem vergab er zwei Freiwürfe. Wade ließ sich unter anderem einen Ball von Shawn Marion aus der Hand nehmen und scheiterte bei einem 103:110-Rückstand 22,9 Sekunden vor Schluss mit einem Dreier-Versuch. Und James ließ seinen bisherigen Enttäuschungen im vierten Viertel ein weiteres Kapitel folgen. Offensiv gelangen ihm zwei Zähler, und defensiv konnte er Jason Terry nicht stoppen, erlaubte ihm in der kritischsten Phase des Matches acht Punkte.

Ganz große Spieler, so heißt es für gewöhnlich, würden im Schlussviertel der Playoffs in Erscheinung treten. James hingegen ist bislang unsichtbar. In den fünf Finalpartien hat Nowitzki im vierten Viertel 52 Punkte erzielt - James lediglich elf. Der Forward spielt ohne Selbstvertrauen, wirft immer wieder aus der Distanz, anstatt zum Korb zu ziehen, seine Trefferquote beträgt erschreckende 25 Prozent. James hat mehr Dreier-Versuche (23) als Freiwürfe (16). "Ich habe keine Probleme mit dem Druck, ich weiß es", betonte er trotzig.

Ob er tatsächlich so cool ist, wie er sich trotz seiner Formschwäche präsentiert, wird sich am Sonntag zeigen. Die Mavericks wollen gewinnen, Miami hingegen muss gewinnen. The Heat is on.

insgesamt 224 Beiträge
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Las51, 31.05.2011
1. Spiel 1...
... wird über nba.de frei übertragen! Yay!
dhermany, 31.05.2011
2. Ergebnis
Ich sage Euch schon mal das Ergebnis der Finalserie: 4:1 für Miami. Dallas hat nicht wirklich die Spieler, um Ausnahmetalente wie Lebron James oder Dwayne Wade zu bändigen. Und Chris Bosh gibt's ja auch noch..... Für Dallas wird's extrem schwierig gegen Miamis Verteidigung zu punkten. Man hat schon in den Serien Miami-Boston und Miami-Chicago gesehen, wie sich die Gegner die Köpfe an Heat's Defence eingeschlagen haben. 2006 war Miami ( damals aus meiner Sicht noch schwächer "nur" mit Shaq und Wade) Dallas schon überlegen und die Heat sind 2011 mit Sicherheit besser aufgestellt.
funkology 31.05.2011
3. ...na toll
Wieder mal ein völlig contentfreies Interview. Was Bauermann da sagt, hätte jeder sagen können, der sich etwas mit Basketball beschäftigt. Offensichtlich ist keiner beim SPON, der sich mit Basketball auskennt....dann lasst es doch lieber gleich. Ansonsten: Im deutschen Fernsehen wird jeder Fussballmist übertragen, mittlerweile schon die Relegationsspiele der BL zur Hauptsendezeit. Aber wenn ein Deutscher seine Mannschaft in ein NBA Finale führt herrscht Totenstille auf allen öffentlichen Kanälen im Fernsehen.
Phil41 31.05.2011
4. Das wird spannend
@Las51: Ja super hab mir extra 2 WOchen Urlaub genommen um die Nächte durchzumachen ! @dhermany: Da muss ich ganz klar wiedersprechen. Dallas ist mit Tyson Chandler, DeShawn Stevenson, Shawn Marion, Corey Brewer und Brendan Haywood defensiv durchaus in der Lage gegenzuhalten. Eine so gute Defense wie dieses Jahr hatte Dallas in der Nowitzki-Zeit noch nicht. Und Jason Kidd ist trotz seine 38 Jahre durchaus in der Lage spieler wie Kobe Bryant in den Conference-Semi-Finals mehr als potent zu verteidigen. Abgesehen davon sind die Mavs hunriger auf den Titel. Nowitzki wird alles geben und sein Team mitziehen. Und was ebenfalls Hoffnung macht ist die Bilanz der Regular Season die mit 2:0 an Dallas ging! @funkology: Besser hätte man es nicht sagen können !! Mein Tipp: 4:2 für Dallas. Die Heat sind einfach zu arrogant und selbstverliebt. Bei Dallas ist mehr Feuer. Das sind alte Veteranen mit ihrer letzten Chance auf den Titel und das wird den Ausschlag geben. Die werden käpfen bis zum Umfallen und Dirk ist unstoppable.
oscarro1 31.05.2011
5.
1. Bauermann war kein guter Spieler, hat selbst nie 'hoch' gespielt, stand als Spieler nie in einem Finale des DBB und hat auch nie 'was' gewonnen. Wenn er es als vermeintlich guter Rhetoriker (Ahnung vom Basketballspiel hat er schon) nicht geschafft hätte, sich als Profi-Basketballtrainer durchzusetzen, wäre er auch wohl als irgendwo als 'Kistenschieber' geendet. 2. In dem Spiegel-Artikel kommt zum Ausdruck, daß Bauermann zum Basketballhöhepunkt des Jahres keine Analyse liefern kann und uns auch sonst nichts zu sagen hat. 3. Nowitzki hatte zuletzt einen guten Lauf, er spielte über seine Verhältnisse. Sein Team spielte stärker, als es erwartet werden konnte. Das muß aber in der Finalserie nicht so weiter gehen. Wer Meister werden will, der muß auch im Finale gut spielen. Ich meine, mit der Vize-Meisterschaft ist Nowitzki in jedem Fall gut bedient. Er sollte, wenn es nicht klappt (1 : 4 Chance), sehr zufrieden sein. 4. Klar ist, das LeBron James und seine Freunde schon auf Dirk Nowitzki warten und keinerlei Angst vor ihm haben werden. Denen wird die Hand nicht zittern, die haben schon als College-Basketballer alles erlebt!
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