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Dallas vs. Miami: Es kann nur einen geben

Foto: Lynne Sladky/ AP

NBA-Finals Nowitzki auf der Jagd nach der Unsterblichkeit

Zwei Spieler dominieren die NBA-Finals: Dwyane Wade und Dirk Nowitzki. Der Deutsche führte seine Dallas Mavericks fast im Alleingang zum Ausgleich in der Serie. Aber auch Miamis Guard spielt überragend. Vor allem dank der Superstars ist der Kampf um den Titel so spannend wie selten zuvor.

Die Dallas Mavericks um Dirk Nowitzki und die Miami Heat begegnen sich auf Augenhöhe, kein Team hat Vorteile. Tagesform und Glück entschieden in den ersten vier Spielen der Best-of-seven-Serie um die Meisterschaft über Sieg oder Niederlage. Somit ist es nur logisch, dass es in den Finals 2:2 steht. Am Freitag (3 Uhr MESZ) kann sich nun ein Team im fünften Spiel den ersten Matchball sichern. Wer das sein wird, vermag niemand zu sagen. Drei der vier Spiele wurden erst in den letzten Sekunden entschieden.

Die diesjährigen Finals sind aber nicht nur extrem spannend, sondern auch sportlich auf allerhöchstem Niveau. Vorne werden zwar wenig Punkte erzielt - noch knackte kein Team die 100-Punkte-Marke - aber das ist vor allem den Defensiven beider Mannschaften geschuldet. Nur zwei Spieler sind bislang nicht aufzuhalten: Nowitzki und Miamis Superstar Dwyane Wade.

Vor der Finalserie war erwartet worden, dass LeBron James zusammen mit Wade dominieren würde, doch der selbstgekrönte "King James" enttäuscht bislang. In Spiel vier kam er nur auf acht Zähler - so schlecht hatte er in den Playoffs noch nie getroffen. Sein Punkteschnitt ist im Vergleich zur regulären Saison um mehr als neun Zähler gesunken. Das entscheidende Duell lautet also wie 2006, als Dallas im Finale schon einmal auf Miami traf und den Kürzeren zog, Wade gegen Nowitzki.

Jordan hat das "Flu Game", Nowitzki das "Fever Game"

Miamis Shooting Guard kommt im Schnitt auf fast 30 Punkte, acht Rebounds und rund vier Assists. Immer wieder gelingt es ihm, sich zum Korb durchzutanken, was die starke Trefferquote von fast 60 Prozent erklärt. Klein, dynamisch, athletisch, spektakulär - der 29-Jährige ist das Gegenteil von Nowitzki. Der Deutsche ist groß, wurfstark, manchmal etwas langsam, aber er beherrscht die Basketball-Grundlagen perfekt.

Und beide sind enorm willensstark. Wade kämpft seit Jahren mit etlichen Verletzungen. Besonders Rücken und Knie sind von seinen Zügen zum Korb und den damit verbundenen häufigen harten Fouls arg in Mitleidenschaft gezogen. Nowitzki erlitt im ersten Spiel einen Sehnenriss am linken Mittelfinger, machte in Spiel zwei den entscheidenden Korb - mit links.

Im vierten Spiel lieferte er dann eine Leistung ab, die an den besten Basketballer der Geschichte erinnerte. Und durch die der 32-Jährige wohl endgültig sein Image als weicher Europäer abgelegt haben dürfte - unabhängig vom Ausgang der Serie. 1997 hatte sich Michael Jordan im fünften Spiel der Finals gegen die Utah Jazz trotz einer Grippe auf das Parkett geschleppt, 38 Punkte erzielt, sieben Rebounds geholt und fünf Assists gegeben. Es war der vorletzte Schritt zum fünften Titel der Chicago Bulls. In den USA ist die Partie nur als das "Flu Game" bekannt. Nowitzki hat nun sein "Fever Game". Trotz 39 Grad Körpertemperatur erzielte er zehn seiner 21 Punkte im letzten Viertel und sorgte somit für den 2:2-Ausgleich in der Serie.

Alt-Stars gegen die dunkle Seite

Auch die ersten drei Spiele der Serie lebten von ihrer großen Spannung. Die zweite und dritte Partie wurde mit jeweils zwei Punkten Differenz beendet. Ausgerechnet der in Dallas geborene Chris Bosh warf Miami zum 2:1-Zwischenstand in der Serie. Vor der Saison waren Wade, James und der Power Forward als "große Drei" gefeiert worden, doch schnell war klar, dass Bosh eben nicht auf dem Level der Superstars agieren kann. Der 27-Jährige beschwerte sich jedoch nicht über seine Nebenrolle, sondern stellte sich in den Dienst der Mannschaft. Am Sonntag hatte er dann seinen großen Auftritt und sorgte 40 Sekunden vor Spielende für den entscheidenden Korb.

Nur die erste Begegnung in Miami endete vergleichsweise deutlich. Die Heat gewannen 92:84, allerdings führten die Gastgeber vier Minuten vor Ende nur mit fünf Zählern. Das ist im Basketball nichts, wie Dallas schon in der zweiten Partie zeigte. 7:13 vor Spielende lagen die Mavs 73:88 zurück, doch sie kamen zurück und siegten noch 95:93.

So unberechenbar ist die gesamte Final-Serie, eine der besten seit Jordans Abschied 1998. Immer, wenn es so aussieht, als ob eine Mannschaft die Oberhand in der Serie gewinnt, wendet sich das Blatt. Abwechselnd werden die Rollenspieler der Clubs kritisiert - je nachdem, ob gerade verloren wurde oder nicht. Wenn es also Freitag in Spiel fünf geht, ist nicht vorauszusagen, welche Mannschaft danach mit einer 3:2-Führung zur sechsten Partie nach Miami reist.

Ein Kolumnist des renommierten Sportmagazins "Sports Illustrated" glaubt etwa, dass die Serie die Reinkarnation der Finals von 1984 ist. Damals waren die Los Angeles Lakers um Magic Johnson der große Favorit, doch ein schlaksiger Weißer namens Larry Bird - der Spieler mit dem Nowitzki am häufigsten verglichen wird - führte die Boston Celtics zur Meisterschaft. Zwischenzeitlich hatte es auch dort 2:2 gestanden, die Lakers waren vom heutigen Heat-Präsidenten Pat Riley trainiert worden.

Für eine spannende Geschichte muss aber nicht die Vergangenheit bemüht werden. Da wäre zum einen Dallas. Das Team der Veteranen, die endlich den lang ersehnten Titel holen wollen, mit ihrem Anführer Nowitzki, der an den bitteren Niederlagen in der Vergangenheit nicht zerbrach, sondern gestärkt aus ihnen hervorging. Auf der andere Seite die Heat, der selbsternannte zukünftige Serienmeister, dessen Stars mit ihrem Verhalten den Groll der Öffentlichkeit auf sich zogen. So war die Schadenfreude groß, als sie Spiel zwei nach ihrem vorzeitigem, überschwänglichem Jubel doch noch verloren.

Nur ein Titel in überzeugender Manier kann sie aus der Schusslinie der Kritik nehmen. Genauso wie die Alt-Stars die Meisterschaft brauchen, um sich doch noch unsterblich zu machen.

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