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13. Juni 2017, 11:26 Uhr

NBA-Champion Golden State

King James? King Kevin!

Aus Oakland berichtet

Erstmals NBA-Champion: Kevin Durant war beim Triumph der Warriors der herausragende Spieler. Das soll wiederholt werden, am liebsten wieder gegen seinen Kumpel LeBron James.

Um sie herum jubelten die Massen. Die Fans klatschten, kreischten und feierten den Titelgewinn der Golden State Warriors. Doch die Euphorie schien LeBron James und Kevin Durant nicht zu irritieren. Sie standen auf dem Parkett der Oracle Arena von Oakland und umarmten sich. Wollte James seinem Kumpel Durant zu dessen erster NBA-Meisterschaft gratulieren? Oder tröstete Durant King James, der es verpasst hatte, den Vorjahrestitel mit den Cleveland Cavaliers zu verteidigen?

Später wurde klar: Es war eine Verabredung für ein weiteres NBA-Final. "Ich habe ihm gesagt: 'Nun steht es unentschieden zwischen uns.' Und, dass ich gerne einen weiteren Anlauf nehmen möchte", sagte Durant.

2012 hatte er mit Oklahoma City Thunder in den Finals 1:4 gegen James' Miami Heat verloren. Diesmal trafen sie mit anderen Klubs aufeinander - und Durant durfte jubeln. Die Umarmung der beiden Superstars war eine Szene voller Respekt unter Berufskollegen, die zwar für verschiedene Teams spielen, aber im Sommer gemeinsam trainieren. Zwei, die sich schätzen und trotz ihrer Freundschaft in den fünf Finalpartien einander alles abverlangt hatten.

Im letztlich entscheidenden fünften Spiel waren Durant und James mal wieder die Hauptfiguren. James (41 Punkte) wollte die mit dem 137:116-Heimerfolg im Spiel vier vermeintlich gestartete und von vielen für unmöglich gehaltene Aufholjagd fortsetzen. Durant indes den vierten und somit entscheidenden Sieg holen. Und das gelang. Golden State gewann 129:120 und die Endspielserie deutlich 4:1. Es war der fünfte Titel der Vereinsgeschichte - und der erste Meisterring für Durant.

2007 betrat er als langer, talentierter Schlaks die große Basketball-Bühne. Der 2,06 Meter große Small Forward trug das Trikot der Seattle SuperSonics - und bald das des Nachfolgevereins Oklahoma City Thunder. Seine Entwicklung nahm den vorausgesagten Lauf: Durant entwickelte sich zu einem Top-Scorer. Aber er sah offensichtlich bei OKC keine Chance, Meister zu werden. So schloss sich Durant im vergangenen Sommer Golden State an, der Startruppe mit Stephan Curry, Klay Thompson und Draymond Green - und wurde für diesen Schritt heftig kritisiert.

Kritiker werfen ihm vor, Durant habe sich den leichten Weg zur Krönung ausgesucht, anstatt in Oklahoma zu bleiben, und den schweren Pfad zu gehen. Doch das ist Durant egal. Er habe auf jeden Fall "die richtige Entscheidung getroffen", hatte der 28-Jährige oft betont. Und er habe sich "für diese Meisterschaft täglich den Hintern aufgerissen".

Die Finalserie hatte sieben Allstars zu bieten - nur einer von ihnen war noch ohne Titel: Durant. Diesen Makel hat er nun abgelegt. Mit grandiosen Final-Vorstellungen, so auch im fünften Spiel. Golden State hatte die Partie ab dem zweiten Viertel unter Kontrolle. Und immer, wenn Cleveland etwas näher kam, gab Durant die passende Antwort. Mit 39 Punkten war er bester Werfer der Warriors. Seine Mutter Wanda weinte bereits auf der Tribüne, als noch dreieinhalb Minuten zu spielen waren. Golden State führte 124:110. Wer sollte ihrem Kevin den lang ersehnten Titel noch streitig machen?

James über Golden State: "Die haben noch Jahre vor sich"

Die Frage nach dem "wertvollsten Spieler" (MVP) war dann auch einfach zu beantworten. Durant kam in den fünf Finalspielen im Schnitt auf 35,2 Punkte und traf 56 Prozent seiner Würfe. Beeindruckende Zahlen konnte auch James vorweisen. Mit Durchschnittswerten von 33,6 Punkten, zwölf Rebounds und zehn Assists gelang ihm als erster Profi der NBA-Finalgeschichte ein "Triple Double". Er habe "in allen Partien alles aus sich herausgeholt", sagte James. Dennoch verloren seine Cavaliers klar.

"We are the Champions", dröhnte es aus den Lautsprecherboxen der Arena. "Einer der größten Playoff-Runs der Geschichte ist komplettiert", sagte der Kommentator des US-Fernsehsenders "ABC". Noch nie ist ein NBA-Team mit einer Bilanz von 16:1 Champion geworden. Diese Warriors waren nur einmal zu besiegen: In einem Spiel, in dem Cleveland mehrere Liga-Rekorde aufstellte - unter anderem für getroffene Dreier (24), meiste Punkte in einem Viertel (49) und meiste Punkte in einer Halbzeit (86).

"Die haben ein großartiges Team zusammengestellt, mit Kevin im Sommer einen der besten Spieler geholt, den diese Liga je hatte", sagte James voller Anerkennung. Was er über dieses Super-Team denke? "In meinen Augen, haben sie noch Jahre vor sich. Die Stars sind alle noch in ihren Zwanzigern, die werden nicht den Fuß vom Gas nehmen."

Er selbst wolle sich nach seinem Urlaub hinsetzen und sich mit dieser Situation befassen. James stand zum achten Mal im Finale und hat zum fünften Mal verloren. Er weiß, dass die Cavaliers eine starke Mannschaft sind, gegen diese Warriors ohne Verstärkungen jedoch auch künftig nicht oft gewinnen werden.

Curry ließ zwischen Pokalübergabe und Champagnerdusche bereits wissen, dass man "das Ganze hier auf jeden Fall wiederholen" wolle.

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