Golden State Warriors Die NBA hat einen neuen König

Seine Mannschaft steht vor der Krönung zum NBA-Meister - Kevin Durant ist schon einen Schritt weiter: Mit den Golden State Warriors entthront er in der Finalserie derzeit Superstar LeBron James.

Kevin Durant beim Dunking
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Kevin Durant beim Dunking

Aus Cleveland berichtet


In der Umkleidekabine der Golden State Warriors ist es eng, immer mehr Journalisten drängen in den Raum, vor ihnen liegen wild verstreut Socken, Bandagen, Eispackungen. Ein Chaos, und mitten im Chaos sitzt ein Mann ganz ruhig, mit freiem Oberkörper und schaut auf sein Smartphone: Kevin Durant, genannt "KD".

KD, 28 Jahre alt, 2,06 Meter groß und 109 Kilogramm schwer, erträgt das Gewusel der Reporter und Team-Betreuer, ohne eine Miene zu verziehen, seinem Gesicht mit dem Ziegenbärtchen ist mal wieder nicht anzusehen, ob die Golden State Warriors das eben zu Ende gegangene dritte Finalspiel der NBA gegen Cleveland gewonnen oder verloren haben. Und auch nicht, dass Durant erneut der Mann der Nacht war.

Durch seine entscheidende Aktion kamen die Warriors zum 118:113-Auswärtssieg in Ohio, sie führen die Endspielserie nun 3:0 an, können am Freitag mit einem weiteren Erfolg Meister werden und ihre Saison mit einer noch nie da gewesenen Playoff-Bilanz von 16:0 Siegen krönen.

In einem Spiel, das endlich mal den hohen Erwartungen entsprach, das genauso hochklassig wie umkämpft war, hatte Durant am eigenen Korb einen Abpraller gefangen, den Ball über das Parkett gedribbelt und vor der gegnerischen Dreier-Linie Maß genommen. Sein Wurf flog über den ausgestreckten linken Arm von LeBron James hinweg und zischte 45 Sekunden vor Spielende zur 114:113-Führung durchs Netz. Keine Chance für "King James", derzeit ist Durant der wahre König der NBA. Cavaliers-Spielmacher Kyrie Irving sprach später von "einem Wurf, den nur Kevin Durant trifft".

Momente wie diese hatte sich Durant in den vergangenen Jahren immer gewünscht, sie aber dennoch nicht bekommen. Wenn im Juni um den NBA-Meistertitel gespielt wurde, war die Saison für ihn und die Oklahoma City Thunder, sein Ex-Team, bereits vorbei. Nur 2012 hatten sie es mal in die Endspiele geschafft, aber 1:4 gegen Miami verloren.

Als OKC vor zwölf Monaten im Halbfinale trotz einer 3:1-Serienführung gegen Golden State noch ausschied, hatte Durant genug. Er wechselte zu den Warriors - und ist nun, in seiner zehnten Saison, nur noch einen Sieg vom ersten Titel entfernt. "Ich bin froh, dass ich den Wurf getroffen habe", sagte Durant, der insgesamt auf 31 Punkte kam. "Aber viel wichtiger war es, dass wir sie anschließend zweimal mit unser Verteidigung gestoppt haben."

Golden States Iguodala James (rechts) gegen James
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Golden States Iguodala James (rechts) gegen James

Gemeint war unter anderem ein Block von Andre Iguodala gegen einen Dreier-Versuch von Superstar James 12,4 Sekunden vor Spielende, da stand es 116:113 für Golden State, es wäre der Ausgleich gewesen. Als noch 3:09 Minuten zu spielen waren, hatten die Cavaliers noch 113:107 geführt. Doch dann gelang den Gästen ein 11:0-Endspurt.

Wie soll Cleveland dieses Team eigentlich stoppen? Wie sollen ausgerechnet sie jetzt noch etwas schaffen, was in den NBA-Playoffs noch niemandem gelungen ist - ein 0:3 zu drehen?

Nach einer einseitigen NBA-Vorrunde und vorhersehbaren Playoffs hatten sich viele so sehr auf dieses Duell zwischen den Cavaliers und den Warriors gefreut. Erstmals überhaupt standen sich zwei Teams zum dritten Mal nacheinander in den Endspielen gegenüber.

Und jeder hatte noch die epische Vorjahresserie im Kopf, als Cleveland nach einem 1:3-Rückstand doch noch erstmals Meister geworden war. Steph Curry, Durant und Klay Thompson gegen James, Irving und Kevin Love - das klang so verlockend, das sollte für die bisherige Langeweile entschädigen. Und nun führen die Warriors nach drei Partien trotzdem 3:0.

Curry und Durant
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Curry und Durant

"Du willst immer 16 Playoff-Spiele gewinnen, egal wie. Aber jetzt ist ein 16:0 für uns möglich", sagte Curry: "Warum sollten wir das nicht anstreben wollen?" Eine Frage, die für die Cavs wie eine Drohung geklungen haben muss. Curry freute sich, "endlich mal ein enges Spiel" gehabt zu haben. Mit 16,3 Punkten Vorsprung hatten die Warriors im Schnitt ihre Playoff-Partien vor dem Finale gewonnen. Dann folgten zwei ungefährdete Erfolge (113:91 und 132:113) in den ersten beiden Endspielen daheim.

In Cleveland jedoch wurden sie richtig gefordert und waren am Rande einer Niederlage. Die Cavaliers hatten ihr bestes Playoff-Spiel gezeigt. James (39 Punkte) betonte mehrere Male, dass er "alles gegeben" habe. Sie hatten mitgehalten, sie hatten in der zweiten Halbzeit fast durchgehend geführt. Rollenspieler wie JR Smith oder Kyle Korver hatten wichtige Punkte erzielt. Aber es hat dennoch nicht gereicht.

"Ich habe gegen viele großartige Mannschaften gespielt. Aber noch nie gegen eine mit so viel Offensiv-Power", sagte James. "Sie haben Sachen gemacht, da muss man einfach den Hut ziehen", ergänzte der ebenfalls starke Irving (38 Punkte). Es klang fast, als hätten sie bereits aufgegeben. Als wären sie zu der Einsicht gekommen, dass es eventuell unmöglich sein wird, nur ein Spiel gegen diese Wunder-Warriors zu gewinnen.

Von vier Erfolgen nacheinander und somit einer Titelverteidigung sprach nur einer: Clevelands Shooting Guard JR Smith. "Cavs in 7." hatte er getwittert - diesen Tweet aber wenige Minuten später wieder gelöscht.



insgesamt 4 Beiträge
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--00-- 08.06.2017
1. Es ist
einfach nur langweilig. Bei den GSW spielen 4 Spieler, die auf ihren Positionen jeweils zu den besten 3 der Liga gehören. Bei 30 konkurrierenden Teams, die sogar durch finanzielle Regelungen ähnliche Chancen haben sollten ist das fast schon ein Verbrechen. Bleibt das Team in der Konstellation zusammen, werden auch die nächsten 3,4 Meisterschaften locker eingefahren. Eine besondere Leistung ist das dann allerdings nicht...
gustav.vision 08.06.2017
2. Überhaupt nicht langweilig!
Das Spiel gestern war sehr spannend und hätten es die Cavs in den letzten 150 Sekunden so vermasselt, wäre es offener geblieben. KD wird von vielen kritisiert, dass er wechselte - dabei war doch gar nicht sicher, ob das in dem schon grandiosen Team auch harmonisiert. GSW besteht sonst nicht aus zusammengekauften Stars - da wurde jahrelang ein Team aufgebaut. Curry, Thompson und Green wurden groß, durch das Team. Und nun sind sie eben Favorit für die nächsten Jahre.
bennikb 08.06.2017
3.
Kevin Durant spielte 2016 in Oklahoma City mit Russel Westbrook und Serge Ibaka in einem Team, welches Team vergleichbar mit dem jeztigen Team von Lebron James ist, und schied jedoch gegen die Golden State Warriors aus im den Western Confernce Finals aus. Genau dieses Team wurde darauf von Lebron James in einer 7 Game Series geschlagen! Da sich Kevin Durant nicht gut genug einschätzte und wahrscheinlich auch ist, Lebron James zu schlagen mit einem vergleichbaren Team ging er zu dem Team welches einen neuen Rekord aufgestellt hat mit den meisten Siegen in der regulären Saison und gegen welches er im Jahr zuvor nach einer 3:1 Führung ausgeschieden war. Nun spielt Lebron James gegen zwei MVP und zwei All-Stars und SIE SAGEN MIR KEVIN DURANT SOLL BESSER SEIN WEIL ER MIT DEM SUPERTEAM GEWINNT?????
furzgurk 09.06.2017
4. Leider ist KD kein König...
Er hat sich dem besten Team der Liga angeschlossen. Auch ohne ihn wurden die Warriors vor zwei Jahren Meister und stellten letztes Jahr, ohne KD, den Saison Rekord auf. Das wirft für mich einen Schatten auf seine Leistung. In einem anderen Team hätte er den Wurf verfehlt. Alleine die gewaltigen Lücken hat er in keinem anderen Team. Jeder dort ist von der 3-er Linie gefährlich. Ich finde es auch beschämend wie er seinen ehemaligen Kollegen Westbrook hat hängen lassen. Vielleicht sollte sich Westbrook James, oder umgekehrt, anschließen, falls dies vertraglich machbar ist. Ein reiner Egomane, genau wie James, als dieser nach Miami wechselte. Sie wollen nur einen Ring, wie scheint egal zu sein. Das Team mit den meisten All-Stars wird Meister. Spieler die damals ein normales Team enorm aufgewertet haben, sucht man vergebens. Ich erinnere an MJ, Magic oder Bird. Dennoch könnte James eine solche Legende werden. Er kann aus einem durchschnittlichen Team einen Finalisten machten. Meiner Meinung nach ist er der komplette Spieler und der entscheidende Spielzug hätte über ihn gehen müssen. So werden die Warriors wohl Meister werden, locker in vier Spielen. Ob das im Sinne von KD war? Falls doch, ist er schon gar kein König, Superstar oder sonst etwas...
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