NBA-Kolumne Die Fans sind der heimliche Sieger

Fünf Monate Unsicherheit, 240 Spiele abgesagt - die Anhänger der NBA mussten lange leiden. Jetzt endlich haben Liga und Spielergewerkschaft einen neuen Tarifvertrag. Maximilian Rau erklärt, warum die Fans nun mehr Spannung, mehr Action und vor allem besserer Basketball erwartet.

NBA-Champion Nowitzki: Zum Glück nur 66 Spiele
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NBA-Champion Nowitzki: Zum Glück nur 66 Spiele


Die Fans waren sich einig: Der fünfmonatige Lockout hat mächtig genervt. "War es das wert?", fragte ESPN-Kolumnist Scoop Jackson nach der Einigung: "Für die Liga ja, für die Spieler auch. Für uns Fans? Zur Hölle, nein." Die Fans scheinen den Groll auf Liga und Profis allerdings schnell vergessen zu haben. "Endlich ist es vorbei" war der Grund-Tenor der Fans auf der Facebook-Seite des Basketball-Magazins "FIVE". So groß die Wut zwischenzeitlich war, die Erleichterung war größer.

Nachdem nun sicher ist, dass die Saison am 25. Dezember beginnt, sollten die Anhänger aber vor allem eines sein: dankbar. Aber nicht, weil sich die Milliardäre und Millionäre - also Besitzer und Spieler - endlich geeinigt haben und so tun, als sei nichts passiert. Nein, die Fans dürfen sich darüber freuen, dass es statt 82 Spielen pro Team nur 66 geben wird.

So sollte es eigentlich immer sein. Denn die überladene reguläre Saison ist nicht nur für die Profis eine enorme körperliche Belastung - auch die Zuschauer müssen einiges aushalten. Besonders in den ersten beiden Monaten, die dieses Jahr ausfielen, schonen sich die Spieler, um in der entscheidenden Saisonphase fit zu sein. Die Partien werden so oft zur Farce. Drei Viertel lang wird unterdurchschnittlicher Basketball gezeigt, ehe sich die Profis im Schlussabschnitt dazu aufraffen, ernsthaft um den Sieg zu spielen. Sofern das Match dann noch nicht entschieden ist. Das ist für die Fans vor allem eines - zum Abgewöhnen. Der Anspruch an die wohl beste Basketball-Liga der Welt ist ein anderer.

Wirklich guten Basketball sieht man nur selten. Erst in den Playoffs steigt das Niveau deutlich. Das wird in dieser Saison anders sein. Zwar sind 66 Partien bis zum letzten Spieltag am 26. April recht viel. Doch die Profis hatten lange frei, sind nun ausgeruht. So kann es sich kein ambitioniertes Team erlauben, Spiele abzuschenken, um Kraft zu sparen. Mehr Spannung und mehr Action in der regulären Saison sind somit garantiert. "Ich bin heilfroh, dass die Saison stattfindet", sagte NBA-Champion Dirk Nowitzki kürzlich dem SPIEGEL.

Einigung vor Monaten war möglich, aber nicht ernsthaft gewollt

Doch nicht nur die reguläre Saison wird durch den gestrafften Spielplan spannender, sondern auch die Playoffs. Wurden dort besonders die Spiele der ersten beiden Runden bisher sehr weit auseinandergezogen, muss die Liga nun auch dort zurückstecken - zur Freude der Fans, die nun nicht mehr eine gefühlte Ewigkeit auf das nächste Spiel einer Playoff-Serie warten müssen.

So werden die NBA-Anhänger für den Lockout entschädigt. Fast fünf Monate hatten sich Clubeigentümer und Spieler wie Diven verhalten. "Jahrelang haben die Teams die Spieler wie Eigentum behandelt", sagte Agent Aaron Goodwin der "Washington Post": "Zum ersten Mal haben die Profis die Chancen 'Nein' zu sagen." Aber auch die Liga war nicht zu einem Kompromiss bereit. "Die Liga interessierte sich ausschließlich für ihre eigenen Finanzen und die Spieler nahmen die Forderungen persönlich", schrieb die Internetseite Grantland.com. Die Verhandlungen über einen neuen Tarifvertrag wurden so zur Blamage. Es ging um die Aufteilung der Einnahmen in Höhe von rund vier Milliarden US-Dollar. In Zeiten der Finanzkrise in Nordamerika kam das Geschacher bei den Fans sehr schlecht an.

Die Spieler waren zwar bereit, auf Geld zu verzichten - bislang bekamen sie 57 Prozent der Einnahmen. Weniger als 52 Prozent sollten es aber auch nicht sein. Dazu forderten sie, dass weiterhin langfristige Verträge abgeschlossen werden können, und dass die Spieler mehr Freiheiten zum Wechsel ermöglicht werden. Die Liga hingegen versuchte, die bestehende Struktur aufzubrechen und selbst rund 53 Prozent der Einnahmen zu bekommen (vorher 43 Prozent). Dazu kamen etliche Regelungen, die im Endeffekt dazu führen sollten, die Gehälter der Spieler deutlich zu senken. Schließlich löste sich die Spielergewerkschaft auf und einige Profis verklagten die Liga.

Am Ende kam es dann doch zu einer Einigung. Die Spieler erhalten je nach wirtschaftlicher Entwicklung der NBA zwischen 50 und 51 Prozent der Einnahmen, dafür sah die Liga von einigen drastischen Forderung wie einer harten Gehaltsobergrenze oder nicht garantierten Verträgen ab.

Man traf sich also ziemlich genau in der Mitte - was natürlich auch schon vor Monaten möglich gewesen wäre. Aber Liga und Profis wollten unbedingt als Sieger aus dem Streit herausgehen. Am Ende sind beide Verlierer. Und die Fans werden unerwartet zu heimlichen Gewinnern.



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