Spielerwechsel in der NBA Bitte verlassen Sie das Flugzeug, Sie haben ein neues Team

Mitten in einer Partie haben die Dallas Mavericks den Wechsel von Harrison Barnes beschlossen. Das ist kein Einzelfall in der NBA. Auf skurrile Trades wie diesen haben Spieler keinen Einfluss.

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In der nordamerikanischen Profi-Basketballliga NBA gibt es bei Spielertransfers keine Ablösesummen, wie man es aus dem europäischen Fußball kennt. Die Spieler schließen ihre Verträge zwar mit einzelnen Teams ab. Doch diese "Franchises" sind bloß Lizenznehmer des Ligabetreibers. Wenn ein Spieler die Mannschaft wechselt, wird er nach Absprache zweier oder mehrerer Teams von der NBA "versetzt" - ohne jegliches Mitspracherecht. Die Bezeichnung dafür: "Trade".

Nur in speziellen vertraglichen Konstellationen können Spieler nicht getauscht werden. Ein explizites Vetorecht hat derzeit kein aktiver NBA-Profi in seinem Arbeitspapier, zuletzt besaßen dies nur arrivierte Stars wie LeBron James, Kobe Bryant oder Dirk Nowitzki. Bis auf vereinzelte Ausnahmen, in denen die NBA-Regularien etwas anderes vorschreiben, müssen die Spieler die Trades akzeptieren. Ob der neue Wohnort gefällt, man auf einen spontanen Umzug vorbereitet ist und mit dem sportlichen Niveau des neuen Teams einverstanden ist - all das spielt im Normalfall keine Rolle.

Harrison Barnes erwischte es jüngst besonders kalt. Der Small Forward war seit 2016 bei den Dallas Mavericks. Während eines Spiels gegen die Charlotte Hornets kam der 26-Jährige im letzten Viertel nicht mehr zum Einsatz, weil während der laufenden Partie ein Trade vereinbart wurde, der ihn bei den Sacramento Kings unterbringt.

Auf dem Rollfeld gestoppt

Ein denkwürdiger Fall ist Steve Smith, der in einer Talkrunde aus Ex-Profis von seinen Erfahrungen berichtete. In den ersten drei Jahren seiner NBA-Karriere spielte der Shooting Guard für Miami Heat. Allerdings machte er in der Saison 1994/1995 nur zwei Spiele für Miami. Nach dem zweiten, ein Auswärtsspiel bei den Phoenix Suns, saß er mit seinen Teamkameraden im Flugzeug für den Heimflug nach Florida.

Auf der Startbahn bremste die Maschine jedoch plötzlich. Smith und sein Kollege Grant Long wurden nach vorne bestellt, wo der Manager ihnen mitteilte: "Ihr wurdet getradet."

Die Spieler mussten ihr Gepäck aus dem Bauch des Flugzeugs holen und blieben direkt in Phoenix, denn die Suns hatten als nächstes ihr neues Team, die Atlanta Hawks, zu Gast. Das Auto stand noch am Flughafen in Miami, sie hatten nur ihre Koffer dabei.

Später in seiner Karriere spielte Smith für die Portland Trail Blazers. Als Gerüchte um einen Trade kursierten, erkundigte er sich beim Management, ob er sich auf einen Wechsel einstellen müsste, weil er ein Haus in Portland kaufen wollte. Die Antwort lautete "Nein", Smith kaufte das Haus. Zwei Tage später musste er das Team Richtung San Antonio verlassen.

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Basketball: Kuriose Spielerwechsel in der NBA

Fehlende Kommunikation mit dem Spieler

"Ich hätte mir bloß gewünscht, vorher mit jemandem sprechen zu können", sagte Blake Griffin nach seinem Wechsel zu den Detroit Pistons. Von dem Trade hatte er nach eigenen Angaben auf Twitter erfahren. Der Power Forward war in seiner Zeit bei den Los Angeles Clippers fünfmal Allstar geworden. Im Juli 2017 hatte Griffin für fünf weitere Jahre unterschrieben, obwohl sein Co-Star Chris Paul nach Houston gewechselt war. Ein halbes Jahr später gaben die Clippers ihn ab.

Den türkischen Center Enes Kanter erreichte die Neuigkeit von seinem Trade auf kuriosem Weg. Während einer wohltätigen Veranstaltung in Oklahoma City sendete er einen Livestream mit seinem Smartphone. Im Chat des Streams liefen plötzlich Kommentare ein, die ihn in New York City willkommen hießen. Zum Saisonbeginn lief Kanter für die New York Knicks auf.

Enes Kanter
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Enes Kanter

Der Wechsel von DeMar DeRozan, der gemeinsam mit Kyle Lowry ein Star-Duo bei den Toronto Raptors bildete, erzeugte eine Kontroverse. Nach neun Saisons hatte er die meisten Punkte in der Raptors-Geschichte erzielt. Das Management ergriff im vergangenen Sommer aber die Chance und tauschte DeRozan gegen Kawhi Leonard von den San Antonio Spurs. Lowry, der eng mit DeRozan befreundet ist, sagte, er habe sich "verraten" gefühlt.

Auch DeRozan nahm den Wechsel nicht gut auf. Im Sommer sei ihm noch versichert worden, dass die Raptors mit ihm planten. Einige NBA-Kollegen äußerten ebenfalls ihr Unverständnis über die Aktion der Raptors. Toronto-Manager Masai Ujiri entschuldigte sich später für die Fehlkommunikation.

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insgesamt 12 Beiträge
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kmgeo 07.02.2019
1. Wem gehört die Liga?
Alles umsonst gewesen. weisse alte Männer versetzen schwarze junge Männer nach gutsherrenart
50&up 07.02.2019
2. Sklaverei ...
kann man das nicht nennen weil die Spieler ja bezahlt werden aber irgendwie ist derartiges Gebaren der 'Ligaführung' asozial anmutend.
lattenkracher11 07.02.2019
3. Fies, aber
Natürlich ist so ein Verhalten fies, vor allem weil die Spieler ahnungslos sind. Ich verstehe auch nicht, warum ein Trade während eines Spiels über die Bühne gehen muss, da hätte man doch den Respekt haben können und noch 2 Stunden warten. Man könnte es aber auch so sehen, dass die Liga ihr Arbeitgeber ist und sie in eine andere Filiale versetzt. Und durch die Verträge ist ihnen fett Kohle garantiert, Harrison Barnes verdient nächste Saison 20 oder sogar 25 Mio $ , welcher Fußballprofi kann das behaupten?
aufreger1970 07.02.2019
4. Mein Mitleid hält sich in Grenzen!
Diese Praktiken und und Regeln in der NBA sind doch jedem, der dort spielen möchte und auch spielt, bekannt! Und beim Wechsel gilt der ursprüngliche Vertrag weiter, ohne finanzielle Einbussen! Wenn ich mir die Bezahlung in Millionenhöhe anschaue, dann kann sich auch jeder Spieler im neuen Ort noch neu einkleiden und muss nicht nur aus dem Koffer leben. Neben der sehr guten Bezahlung werden sie dann auch noch von den Vereinen und den Beratern so gut gepampert, dass keiner von ihnen sich selbst auf Wohnungssuche begeben muss! Sollen wir zum Vergleich einen "normalen" Angestellten in den USA oder Deutschland dagegenstellen? Ich denke nicht, dass dies nötig ist!
gammoncrack 07.02.2019
5. Es gibt einen interessanten Film, in dem
man ungefähr nachvollziehen kann, wie das in den USA abläuft. In dem Film geht es zwar über Baseball, aber letztlich sind die Verfahrensweisen wohl gleich, Der Film heißt: Die Kunst zu gewinnen – Moneyball Filme sind zwar immer Geschmacksache, dieser hat mir persönlich sehr gefallen.
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