NBA-Legende Robert Horry Der Crunchtime-Killer

Robert Horry war nie ein Superstar, seine Karrierezahlen sind Durchschnitt. Trotzdem ist der siebenmalige Champion zur NBA-Legende geworden. Das Basketballmagazin "FIVE" portraitiert den erfolgreichsten Rollenspieler, den die Playoffs je erlebt haben.

Horry mit Ball im Trikot der Lakers: "Er nimmt wichtige Würfe, er trifft wichtige Würfe"
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Horry mit Ball im Trikot der Lakers: "Er nimmt wichtige Würfe, er trifft wichtige Würfe"

Von Sven Simon


In seinen 16 Jahren in der NBA erzielte er genau sieben Punkte im Schnitt, dazu lieferte er knapp fünf Rebounds und etwas mehr als zwei Assists. Er wurde kein einziges Mal ins All-Star-Game berufen, und abgesehen von der Nominierung ins Rookie-Team 1993 gab es keine Auszeichnungen für ihn. Robert Horry war das, was man einen durchschnittlichen Basketballer nennen würde - zumindest beim Blick auf seine Karrierezahlen. Und dennoch ist er eine NBA-Legende.

Dass der einstige Power Forward zu den ganz Großen in der Historie der besten Basketball-Liga der Welt zählt, liegt daran, dass er als Spieler wieder und wieder bewies, dass es nicht auf die Menge der Körbe ankommt, sondern auf den Zeitpunkt, zu dem man sie erzielt.

"Einen Spieler wie Robert werden wir so schnell nicht wieder zu sehen bekommen, vielleicht auch nie wieder", sagte Tim Duncan, Superstar der San Antonio Spurs, im Sommer 2008 beim Abschied seines damaligen Teamkollegens Horry. "Ein Rollenspieler, der zum Leistungsträger wird, wenn es ums Ganze geht - einen besseren Mitspieler kann man sich nicht wünschen", so Duncan.

Genau deshalb ist der Blick auf Horrys Karrierestatistiken auch der falsche Ansatzpunkt, um seine Leistungen zu bewerten. Denn vor allem im zweiten Teil seiner Profizeit redete während der Saison kaum jemand über ihn. Aber wenn die Playoffs anstanden, war der Name Horry regelmäßig in aller Munde.

Meistertitel mit drei verschiedenen Clubs

Als der Power Forward seine Karriere beendet, kann er sieben Meisterschaftsringe vorweisen. Er ist gemeinsam mit Ron Harper und Dennis Rodman der einzige NBA-Profi, der mit zwei Clubs den Titel mindestens ein Mal verteidigen konnte, und holte neben John Salley (Meister mit Detroit, Chicago und Los Angeles) als einziger Spieler mit drei verschiedenen Clubs die Meisterschaft.

Um Horrys sieben Titel in die richtigen Relationen zu setzen: Mehr holten in der Geschichte der NBA nur sechs Spieler - und die stammen ausnahmslos aus der Celtics-Dynastie Mitte des vergangenen Jahrhunderts. Seit drei Dekaden, seit John Havlicek 1978 zurücktrat, gab es in der NBA keinen Titelsammler mehr wie Horry. Kein Michael Jordan (sechs Meisterschaften), kein "Magic" Johnson (fünf), kein Shaquille O'Neal, Kobe Bryant oder Tim Duncan (alle vier) können in Sachen NBA-Titel mit Horry mithalten.

Zwar stand er nur selten in der Startformation, war aber doch meistens auf dem Feld, wenn die Entscheidung anstand. Und auch wenn er niemals das Alphamännchen eines Champions war, so hatte er doch oft genug entscheidenden Anteil am Erfolg.

Mehr Playoff-Spiele als jeder andere NBA-Profi

"Er nimmt wichtige Würfe, er trifft wichtige Würfe", sagte einst Duncan über Horry, der mit 244 Playoffspielen mehr Partien in der Postseason absolviert hat, als jeder andere Profi in der Geschichte der NBA. Dabei kann am Anfang von Horrys Karriere bei den Houston Rockets noch niemand nicht ahnen, welche Großtaten der elfte Pick der Draft von 1992 abliefern wird.

Horry prägt der Februar 1994, als die Rockets versuchen, ihn abzuschieben. Zusammen mit Matt Bullard soll er für Sean Elliott nach Detroit verschifft werden. Aber weil Elliott aufgrund seiner Nierenprobleme die ärztliche Untersuchung nicht besteht, muss Horry den Weg zurück nach Texas antreten. "Erst erzählt dir der Club, dass du die Zukunft des Teams bist, dann wendet er sich von dir ab, und dann muss er dich zurücknehmen", sagt Horry damals. "Was soll ich davon halten?"

Sein Trainer Rudy Tomjanovich erklärt, er habe Horry abgeben wollen, weil er unzufrieden mit ihm war. Sein Forward spielte ihm zu selbstlos, warf zu wenig und erleichterte den Gegnern so das Doppeln von Rockets-Center Hakeem Olajuwon. "Er hat sich so darauf konzentriert, seine Mitspieler glücklich zu machen, dass er sich selbst aus dem Spiel genommen hat", so der Rockets-Coach.

Zwei Monate nach dem geplatzten Wechsel zeigt sich, dass Horry der beste Trade ist, den die Rockets nie gemacht haben. Beim vierten Sieg im fünften Conference-Finale gegen die Utah Jazz dreht er auf. Seine 22 Punkte im Spiel sowie ein Block und ein Dunk in den letzten zwei Minuten hieven die Rockets ins Finale und ermöglichen Horrys ersten Titel.

Horry stärkt seinen Ruf als Crunchtime-Killer

In den Folgejahren wird sein Ruf als Crunchtime-Killer mit jedem Jahr weiter gestärkt. 1995 trifft er im ersten Conference-Finale bei den Spurs 6,5 Sekunden vor dem Ende zum 94:93-Auswärtssieg der Rockets. Anschließend versenkt er im dritten Finale gegen Orlando 14 Sekunden vor dem Ende mit Ablauf der Schussuhr einen Dreier zum 106:103-Sieg.

Auf dem Weg ins Finale räumen die Rockets damals mit den Spurs, den Jazz und den Suns die drei Teams mit der besten Bilanz aus dem Weg. An diese zweite Meisterschaft von 1995 denke er auch am liebsten zurück, sagt Horry. "Damals waren wir zwar amtierender Meister, aber wegen der schlechten Saison gab uns niemand eine Chance."

Lesen Sie morgen im zweiten Teil der Geschichte: Wie Robert Horry mit den Lakers und Spurs weitere Titel sammelt, warum er ausgerechnet in den Playoffs immer zu Hochform aufläuft und weshalb die Fans uneinig sind, ob er in die Hall-of-Fame aufgenommen werden sollte.



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Schnuffito, 03.05.2010
1. Immer stand er richtig....
Um sieben Titel zu holen, brauchst du Glück, immer beim richtigen Team zu sein, aber ein wenig stimmt es auch, dass er die richtigen Teams auch ein Stückchen weitergebracht hat. Er traf wichtige Würfe, machte nie Probleme, und solche Leute braucht halt jedes Meisterschaftsteam auch. Neben zwei, drei dominanten Spielern.
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