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Basketballstar Nowitzki: Der König hat seine Krone

Foto: Larry W. Smith/ dpa

NBA-Meister Nowitzki Für immer Dirk

Er brauchte 13 Jahre und 744 Siege, um im Basketball-Olymp anzukommen - Dirk Nowitzki ist durch den Titelgewinn zu den ganz Großen der NBA aufgestiegen. Der Deutsche wird in den USA vergöttert. Sein Erfolgsgeheimnis: Sein Team war ihm immer wichtiger als er sich selbst.

Er hatte sie dorthin gebracht. So weit, wie ein Einzelner eine Mannschaft nur tragen kann. Durch die erste und zweite Runde, durch das Halbfinale bis zu einer 3:2-Führung in den NBA-Finals. Im sechsten Spiel der Serie hätte Dirk Nowitzki trotzdem noch zum tragischen Helden werden können; zum Versager, als der er einst betitelt worden war. Doch die, die der 32-Jährige mitgenommen hatte auf seiner Reise zum Basketball-Olymp, retteten ihn - ehe er selbst noch einmal groß aufspielte. Und mit den Dallas Mavericks den Titel holte.

Besser hätte das Ende der Finalserie nicht zu dem Team aus Texas und zu Nowitzki passen können, denn "das war das ganze Jahr über unsere Stärke. Wenn einer mal nicht ein so gutes Spiel hatte, ist der andere reingekommen für ihn, hat ausgeholfen und Selbstvertrauen gegeben", sagte Nowitzki. "Einer" im Team - so sieht sich der Deutsche selbst. Einer von 15 Profis im Kader. Nowitzki ist bescheiden, seine Teamkollegen, ob bei den Mavericks oder in der Nationalmannschaft, lässt er seinen eigentlichen Status nicht spüren: Er ist der beste Spieler, den Europa jemals hervorgebracht hat. Magic Johnson adelte ihn als "einen der besten Basketballer aller Zeiten". Nowitzki weiß all das, aber will es nicht.

Alles, war für ihn zählte und zählt, war der Erfolg des Teams. Es waren nie die individuellen Auszeichnungen, die ihn anspornten, auch wenn er 2006/2007 zum wertvollsten Spieler der Saison (MVP) gewählt wurde. Umso schmerzhafter war die Niederlage in der Finalserie 2006 gegen die Miami Heat. Oder das 62:78 im Endspiel der Europameisterschaft gegen Griechenland 2005. Oder die bitteren Playoff-Pleiten der vergangenen vier Jahre. In den USA, wo nur der ultimative Erfolg etwas wert ist, wurde Nowitzki zu diesem Deutschen, der nicht gewinnen kann.

"Dirk ist mein Kumpel"

Seine ganze Karriere, von den ersten Trainingsstunden im Frühjahr 1989 in Würzburg bis zum MVP-Award in der besten Liga der Welt, wurde von den Amerikanern abgestempelt: "Überaus talentiert, aber kein Gewinner", lautete das Zeugnis. Und mit jedem Misserfolg, mit jeder Playoff-Niederlage, schwanden auch in Deutschland die Hoffnungen, dass Nowitzki doch noch den Titel holen würde, dabei wurde der Erfolg wohl niemandem so gegönnt wie Nowitzki.

Für die deutsche Basketballgemeinde war er schließlich immer "einer von ihnen"; der Dirk eben. Trotz seiner 2,13 Meter, der über 8000 Kilometer Entfernung von Deutschland nach Dallas, der mindestens 140 Millionen US-Dollar, die Nowitzki in seiner Karriere bislang verdient hat, und obwohl ihn nur ganz wenige wirklich kennengelernt haben. Ähnlich geht es den Fans in Dallas. Dort verkaufen ein paar Anhänger im Internet ein T-Shirt: "Dirk is my homeboy" - Dirk ist mein Kumpel - steht darauf.

In den vergangenen acht Wochen änderte sich das Bild auch im Rest der USA, obwohl es nach dem vierten Spiel gegen die Portland Trail Blazers in der ersten Runde so aussah, als ob dem Drama ein weiterer Teil hinzugefügt werden würde. Doch die Befürchtungen bewahrheiteten sich nicht, Dallas legte einen furiosen Lauf hin, holte schließlich den Titel. Acht Wochen, in denen Nowitzki nur noch auf Dirk verkürzt wurde. In den USA ist es die vielleicht größte Auszeichnung, die man erhalten kann. Verliehen von der Öffentlichkeit, unbewusst. Es passiert einfach, wenn der große Erfolg kommt. Die größten Helden heißen Michael (Jordan), Kobe (Bryant), Magic (Johnson) oder Larry (Bird). Und jetzt auch Dirk.

Dabei machte der 32-Jährige wenig anders. Der größte Unterschied zu den Vorjahren war der unbedingte Wille und das Wissen, dass ihm die Zeit langsam ausgeht. Nein, diesmal würde er nicht scheitern, sagte Nowitzkis Körpersprache und er setzte sich durch.

Belohnung für die Treue

Es ist kaum auszudenken, was wäre, wenn dieser Dirk US-Amerikaner und nicht Deutscher wäre. Oder wenn er nicht so bodenständig wäre, sondern eher wie Shaquille O'Neal. Extrovertiert, immer mit einem lockeren Spruch auf den Lippen. Er wäre der vielleicht größte Star, den die USA momentan zu bieten hätten. Doch Nowitzki ist all dies nicht, er steht nicht gerne im Fokus. Er ist ein ehrlicher Arbeiter - ein Klischee, das tatsächlich zutrifft und seine größte Stärke ist. Nur so wurde er schon jetzt zur Legende. Nur so gibt Nowitzki seinen Teamkollegen das Gefühl, dass sie ebenso wichtig für den Erfolg wie er selbst sind.

Und so ist diese Meisterschaft ein Triumph der Gemeinschaft, die durch Nowitzki geprägt ist und die all seine Qualitäten widerspiegelt. Vor allem seinen Siegeswillen und das Bedürfnis als Mannschaft erfolgreich zu sein. In der kommenden Saison - so sie denn wegen des drohenden Spielerstreiks stattfindet - werden Nowitzki und die Mavericks deshalb genauso weiter machen wie bisher. Der Deutsche hat noch einige gute Jahre vor sich, wird die Mavericks weiter in die Playoffs führen. Und dann im Sommer 2014, wenn sein Vertrag ausläuft, wohl zurücktreten.

Ob es bis dahin zu weiteren Titeln reicht, ist fraglich. Fast alle Leistungsträger haben den Zenit ihrer Karrieren längst überschritten. Und die Verteidigung des Titels ist schwieriger als ihn erstmalig zu erringen. Das große Ziel hat Nowitzki aber erreicht. Und er hat es in Dallas erreicht. Im Gegensatz zu vielen anderen vor ihm, ist er seinem Club treu geblieben, hatte vor der Saison bei den Mavericks verlängert. "Es wäre irgendwie nicht richtig gewesen, einfach wegzurennen. Das hat sich nicht richtig angefühlt", sagte Nowitzki damals. Und es hätte auch nicht zu Nowitzki gepasst.

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