NBA-Finale James weiß es besser

Die Miami Heat haben im Finale der NBA-Playoffs gegen San Antonio ausgeglichen, obwohl ihr Star LeBron James kaum traf. Der 28-Jährige wird immer wieder an Basketball-Legende Michael Jordan und dessen Trefferquote gemessen. Dabei sieht sich James vielmehr als Teamplayer.

Miami-Star James: Spektakulärer Block gegen San Antonios Splitter
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Miami-Star James: Spektakulärer Block gegen San Antonios Splitter

Aus Miami berichtet


Als LeBron James gelandet war, brach es aus ihm heraus. Er brüllte. Er spannte die mächtige Oberkörpermuskulatur an. Gerade hatte er mit einem spektakulären Block an Gegenspieler Tiago Splitter für das Highlight der zweiten Partie der NBA Finals 2013 gesorgt. Jetzt musste der Druck raus.

Da war es auch egal, dass seine Kollegen bereits in Richtung Korb der San Antonio Spurs unterwegs waren, während James noch weit entfernt in der eigenen Zone stand. Miami führte 86:67. Das Spiel war 8:19 Minuten vor Schluss entschieden. Das Endergebnis von 103:84 interessierte nur noch Statistiker.

Zwölf Punkte hatte der wertvollste Spieler der NBA zum Zeitpunkt seines Gefühlsausbruchs gesammelt, nur fünf seiner 15 Würfe getroffen. Phasenweise wirkte der vierfache NBA-MVP frustriert. "Ehrlich gesagt, hatte ich im Angriff Probleme", gab er später zu. "Meine Mitspieler haben uns im Spiel gehalten. So konnte ich warten und darauf warten, dass meine Chancen kommen."

In der 88:92-Auftaktniederlage der NBA-Finals 2013 hatte James einen Triple-Double aufgelegt - 18 Punkte, 18 Rebounds plus zehn Assists - und sah sich trotzdem herber Kritik ausgesetzt. Der Superstar sei nicht aggressiv genug im Angriff gewesen, so der Tenor in den US-Medien. Er habe nicht genug gepunktet, die Verantwortung an seine weniger prominenten Mitstreiter abgeschoben. James habe sich versteckt. Mal wieder.

Miamis Zwischenspurt entschied die Partie

Nicht auszudenken, was auf den Superstar eingeprasselt wäre, hätte Miami nicht diesen 33:5-Zwischenspurt hingelegt, dessen Ausrufezeichen James mit seinem Block über Ringniveau selbst setzte. James 17 Punkte, acht Rebounds, sieben Assists, drei Steals und drei Blocks wären - diese Statistiken hatte in einer Final-Partie noch nie jemand so aufgelegt - bei einer Niederlage nicht als sportlich mildernde Umstände durchgegangen. Ein 0:2-Rückstand wäre angesichts der kommenden drei Spiele in San Antonio so etwas wie die Vorentscheidung gewesen.

Bei LeBron James werden, seit er 2003 direkt aus der Highschool in die NBA kam und erst recht, als er 2010 von Cleveland nach Miami wechselte, andere Maßstäbe angelegt: die von Michael Jordan. Der sechsfache NBA-Champion Jordan gilt gemeinhin als bester Basketballer aller Zeiten. Elfmal führte er die beste Liga bei den Punkten an. Seine Heldentaten am Ende von knappen Partien, seine Fähigkeit selbst auf höchstem Level zu überragen, machen ihn bis heute einzigartig.

Mit ihm wird James seit jeher verglichen, dabei spielen sie noch nicht einmal dieselbe Position. Jordan entschied Spiele mit seinen Punkten. Genau so muss jemand spielen, der der beste Basketballer der Welt sein soll. Sagen alle. Nur halt nicht LeBron James.

James sieht sich mehr als Vorbereiter

Der kam 2010 nach Miami, um eben nicht mehr den Alleinunterhalter zu geben, wie in seinen ersten sieben NBA-Jahren in Cleveland. Er wollte Meisterschaften gewinnen, tat sich deshalb mit Dwyane Wade und Chris Bosh zusammen - so unpopulär das auch war.

LeBron James sah sich bei den Heat von Beginn an als Vorbereiter, als der Akteur, der mit seinen herausragenden Fähigkeiten für seine Mitspieler Chancen schafft. Er wollte vielmehr ein Spielmacher à la Magic Johnson sein statt ein Scorer vom Schlage Jordans.

"Ich gebe nicht wirklich etwas darauf, was die Leute von mir wollen", erklärte der 28-Jährige nach Spiel zwei. "Ich werde auch weiterhin zu unseren Schützen passen, wenn sie frei sind. Ich vertraue darauf, dass sie ihre Würfe treffen. So wie sie das heute getan haben. Ray, Mike, Rio haben alle wichtige Körbe für uns gemacht." Zusammen trafen Ray Allen, Mike Miller und Mario Chalmers acht von zwölf ihrer Dreier - fünf dieser Treffer bereitete James direkt vor.

Dass ausgerechnet der beste Basketballer seiner Generation so öffentlich das Team und nicht sich selbst in den Mittelpunkt rückt, daran werden sich viele Fans und Medienvertreter allerdings wohl nie gewöhnen. Es ist paradox. Ausgerechnet in einem Sport, in dem Teamwork über alles geht, soll der beste Spieler die eigenen Statistiken vornan stellen. Verlieren die Heat, wird er zu wenig geleistet haben. Dann wird er immer wieder Vorwürfe hören, er sei im Angriff nicht aggressiv genug gewesen.

Gregg Popovich, Coach der San Antonio Spurs, kann über solche Vorwürfe nur lachen. Er weiß, dass James eine Partie durch seine Vielseitigkeit nachhaltiger beeinflussen kann als nur durch seine Punkte. "LeBron James weiß mehr über Basketball als ihr alle zusammen", gab er den Medien auf die Frage, ob James denn nicht aggressiver hätte auftreten müssen, bereits nach Spiel eins mit auf dem Weg. "Er sollte nicht auf euch hören."



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goinz 10.06.2013
1. quatsch
Den Artikel kann nur jemand schreiben, der nie ein basketballspiel in den 80er und 90er Jahren gesehen hat. Als ob Michael Jordan nur ein Scorer war! Wenn sich der Autor nur einmal kurz die entsprechenden Statistiken angesehen hätte wäre ihm aufgefallen, dass Jordan regelmäßig mehr als 7 Assists und Rebounds, 30 Punkte, 3 Steals und 1 Block pro Spiel in den Playoffs verbuchte, und das bei Feldwurfquoten von ~50%. James fehlt manchmal einfach der Impakt im Spiel. Sobald Jordan auf dem Feld war musste die gegnerische Mannschaft massiv umplanen, da Jordan immer und überall gefährlich war. James hingegen hält sich oft vornehm zurück. Das wäre Jordan nie passiert.
mister_a 10.06.2013
2. kein quatsch
Wer lesen kann ist klar im vorteil: Die Differenz die zwischen James und Jordan ausgemacht wird bezieht sich auf das Closen der Spiele. Der Ansatz, den James dabei verfolgt ist ein gemeinschaftlicherer als der von Jordan damals. Wenn das Play passt, dann passt James auch den Ball für einen möglichen Game-winner zu einem Mitspieler. Jordan hat das früher immer komplett selbst in die Hand genommen. Vom Besten Spieler der Welt sind die Medien in diesen Momenten einfach den Typ Jordan gewohnt und daß James dieser Typ nicht ist und auch nicht sein möchte, bzw. kann - davon handelt der Artikel unter anderem. Weder wird behauptet daß Jordan nur ein Scorer war noch wird hier in besser/schlechter zwischen den beiden gewichtet.
lobcity 10.06.2013
3.
Aufgestanden, Ergebnis gesehen und der Tag war im A.... ;) Schöner Artikel. Schade, dass gewisse Stellen von meinem Vorredner bewusst überinterpretiert wurden, um sich echauffieren zu können und sein Möchtegern-Fachwissen zum Besten zu geben. War wohl gerade kein Arbeitskollege zum 'Frustablassen' da ;) Hoffentlich erholen sich Tony und Co. von diesem Ergebnis
spon-facebook-1243108521 10.06.2013
4. Alles nur Hate
"James fehlt manchmal einfach der Impakt im Spiel" Ist dir schonmal aufgefallen das fast die ganze NBA wegen LeBron James auf Smallball umgestellt hat? LeBron ist einfach ein anderer Spielertyp als MJ. Wie schon Mister A erwähnt hat, hat niemand behauptet MJ ist ein reiner Scorer. Ich kann ja verstehen das man "The Decision" von LeBron beschissen findet, aber ist nun mal passiert. Er hat sich verändert und der Hate auf seine Person sollte nicht auf seine krassen Basketballerischen Fähigkeiten abfallen.
KeineKartoffel 10.06.2013
5.
Man merkt wohl, dass Sie seit den 90igern kein Basketball mehr verfolgen, denn der Autor dieses Artikels hat 10 mal mehr Fachkompetenz als Sie es im Basketball Bereich je haben werden. Und ja Michael Jordan hat 10 Triple Doubles in Folge aufgelegt, aber das was bevor er zum absoluten Superstar wurde und in den Playoffs nicht an den Pistons vorbeigekommen ist. Jordan hat nach absoluten Belieben gescort, aber den selben gesamt Impact wie James hatte er nicht. Denn so ein guter Playmaker war er nun wirklich nicht. Denn wenn einige James Stat-padding vorwerfen, dann war das bei Jordan alle Mal der Fall.
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