Miamis Schatten-Superstar Dwyane Wade reloaded

Viele hatten sie schon abgeschrieben - doch die Miami Heat sind zurück im Kampf um die NBA-Krone. Zu verdanken haben sie dies vor allem Dwyane Wade, dem oftmals unterschätzten "Schattenmann" von Superstar LeBron James.

Heat-Star Wade: Im Schatten von LeBron James
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Heat-Star Wade: Im Schatten von LeBron James

Aus San Antonio berichtet Marcel Friederich


"Das war heute Dwyane Wade wie 2006", sagte LeBron James, und damit war volle Anerkennung gemeint. 2006 - das war das Jahr, als die Miami Heat ihre erste NBA-Meisterschaft feierten. Als James noch in Cleveland spielte und Wade der gefeierte Star des Teams gewesen war. In den damaligen Finals gegen die Dallas Mavericks um Dirk Nowitzki erzielte Wade sagenhafte 34,6 Punkte pro Spiel. Völlig verdient wurde er zum wertvollsten Spieler ("MVP") der Finalserie ausgezeichnet. Die ganze Basketball-Welt liebte damals Dwyane Wade.

An diese Zeit fühlte sich James beim vierten Finalspiel gegen die San Antonio Spurs (109:93) zurückerinnert. Wade war der überragende Mann auf dem Parkett, defensiv wie offensiv. Mit einer großen Portion Aggressivität erzwang er zahlreiche Ballverluste der Spurs. So zum Beispiel Mitte des letzten Viertels, als er sich mit seinen Fingern den Ball stibitzte. Im direkten Gegenzug raste er über das gesamte Spielfeld, umkurvte dabei zwei Gegenspieler und stopfte den Ball zum 90:81 spektakulär durch den Ring. So wie 2006. Dwyane Wade reloaded.

"Ich habe gespielt wie 2006?", fragte Wade nach dem Schlusspfiff, als er auf die Aussage von James angesprochen wurde. "Das sollen andere beurteilen. Allerdings muss ich festhalten: Es war ein großartiges Gefühl, endlich wieder so einen Abend erleben zu dürfen", sagte Wade mit einem strahlenden Lächeln. Am Ende kam er auf 32 Punkte, sechs Rebounds und sechs Steals. Gemeinsam mit James (33 Punkte, elf Rebounds) war er Miamis Matchwinner.

Von Knieproblemen geplagt

In den Tagen zuvor war Wade jedoch kaum zum Lachen aufgelegt. Besser gesagt: Er hatte ziemlich miese Laune. Aufgrund von chronischen Knieproblemen, die er durch die gesamte Saison schleppt, spielte er bislang auffallend schwache Playoffs. In den ersten drei Finalpartien gelangen ihm lediglich 14,3 Punkte im Schnitt. Ein Armutszeugnis für einen Spieler seiner Klasse.

Wie sehr ihn die Knieprobleme behindern, weiß niemand. Als man ihn vor dem dritten Finalspiel auf seine Gesundheit ansprach, zeigte sich Wade genervt, antwortete knapp und sagte mit Galgenhumor: "Wie bitte? Knieprobleme? Nein, ich habe keine Schmerzen, mir könnte es kaum besser gehen."

Man mag dem 31-Jährigen zugute halten, dass er nicht jammern möchte. Allerdings boten seine (Nicht-)Aussagen der letzten Wochen Spielraum für Spekulationen. Wie schwerwiegend ist Wade wirklich verletzt? Droht ihm womöglich ein baldiges Karriereende? Schließlich hatte er wegen seinen Knieproblemen schon die Olympischen Spiele 2012 verpasst.

Status als gefeierter Starspieler verloren

"Doch mit dieser Leistung heute", sagte Teamkollege James, "hat Dwyane eine eindrucksvolle Antwort geliefert. Er ist ein großartiger Wettkämpfer, der in den wichtigsten Situationen seine beste Leistung abruft. Dwyane ist und bleibt ein Superstar."

Ein Superstar ist Wade zweifelsohne. Allerdings steht er bei den Heat im Schatten von James, dem viermaligen "MVP" der Liga. Im Sommer 2010 wechselte James von Cleveland nach Miami - für Wade war dies Fluch und Segen zugleich. Einerseits vergrößerte sich durch die Ankunft von James die Chance auf Erfolg, 2012 gewannen sie denn auch gemeinsam den Titel. Andererseits verlor Wade den Status als gefeierter Superstar des Teams. Von der Öffentlichkeit wurde er immer häufiger unterschätzt und übersehen. Dass er Miami trotzdem treu blieb und sich ohne Murren James unterordnete, ist auch Zeugnis einer starken Persönlichkeit.

"Wenn ich den Drang hätte, permanent im Rampenlicht zu stehen, müsste ich nicht mehr in Miami spielen", sagt Wade. "Doch ich weiß genau, was LeBron individuell leisten kann. Es ist für mich eine Ehre, gemeinsam mit ihm zu spielen. Zusammen im Team sind wir kaum zu stoppen."

Im vierten Finalspiel erzielten Wade und James gemeinsam 65 Punkte. Hinzu kamen 20 Zähler von Chris Bosh, der Miamis Superstar-Trio komplettiert. Insgesamt also bärenstarke 85 Zähler für die "Big Three" der Heat.

In den vorherigen Finalspielen hatten alle drei deutlich unter ihrem Niveau gespielt. "Wir wussten genau: Wenn wir diese Finals gewinnen wollen, müssen wir drei uns unbedingt steigern. Das haben wir erfolgreich umgesetzt. So muss es jetzt weitergehen", sagte Wade nach dem 2:2-Ausgleich in der Finalserie. Um die Meisterschaft zu gewinnen, sind vier Siege erforderlich. Dank Dwyane Wade ist Miami wieder voll im Rennen.



insgesamt 2 Beiträge
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Kanadische Bestie 14.06.2013
1. Qeen James & Co.
Ja, das war schon überragend gestern Abend, aber die Miami Spieler werden kaum durchhalten. Denen fehlt as an Kontinuität und Bescheidenheit.
Saminho 14.06.2013
2. Naja...
...wenn Miami das nächste Spiel gewinnt (in San Antonio) dann sehe ich schwarz für die spurs. zwei Siege am Stück in Miami sind nun wirklich nicht leicht. erst recht nicht in einem möglichen game seven. hofden wir dass sie es wie Dallas machen. Heimsieg in Spiel fünf und dann den in Spiel sechs in Miami die Meisterschaft feiern. #spurs#timmy#parker#itsrainingthrees
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