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25. Januar 2000, 15:44 Uhr

NBA

Michael Jordan trainiert wieder

Weil er die Leistungen der ihm seit ein paar Tagen mitgehörenden Washington Wizards nicht mehr zum Aushalten fand, entschloss sich die Basketball-Legende zur Teilnahme am Training des Teams. Eine unvergessliche Lektion für die Profis.

Washington - Michael Jordan kam als Erster und trug ein Trainingsshirt mit "seiner" Nummer 23, als er sich gleich Wizzards-Point Guard Rod Strickland vorknöpfte. "Du bist mal wieder zu spät", schimpfte MJ und legte anschließend eine Trainingssession hin, als ob er nie aufgehört hätte zu spielen.

Mit einem unzweideutigen "Jetzt nicht - Presse raus!" wies er der von seinem Einsatz ebenfalls überraschten Medienmeute die Tür und ließ die Journalisten erst kurz vor Ende der Übungseinheit wieder zurück in die Trainingshalle. Die ersten Worte, die sie dem verschwitzten Jordan daraufhin zu entlocken wussten, lauteten: "Jungs, ich könnte jetzt ein Bier vertragen."

Michael Jordan: Frischgeduscht stand er der Presse Rede und Antwort
AP

Michael Jordan: Frischgeduscht stand er der Presse Rede und Antwort

Von den Spielern erfuhren die Journalisten danach allerhand über die offenbar immer noch herausragenden Qualitäten ihres Miteigentümers auf dem Court. "Er bewegt sich immer noch wie früher", staunte Forward Tracy Murray, der die Ehre hatte, während einiger Übungen gegen "His Airness" antreten zu dürfen. Den Aussagen der Profis zu Folge zeigte der beste Basketballer aller Zeiten reihenweise Mörder-Dunks, gab klarste Trainingsanweisungen und führte erhabensten Trash-Talk.

Von letzterem zeigte sich insbesondere der 22-jährige Wizzards-Rookie Laron Profit beeindruckt: "Ich bin wirklich kein schüchterner Typ: Er redete. Ich redete. Er legte noch einen drauf. Ich versuchte zu kontern - aber er hatte noch einen Spruch mehr auf Lager. Dann machte ich mich vom Acker, Mann."

Warum er das Training der Wizzards auf diese Art und Weise übernommen habe, wurde Michael Jordan gefragt. "Die Leute draußen haben geringe Erwartungen an unsere Mannschaft. In meiner Karriere habe ich mich schon in einigen schwierigen Situationen befunden. Aber das Gute daran ist: Es gibt nur einen Ausweg - den nach oben. Wir können einfach nicht noch schlechter werden."

Ob die offenbar auch philosophische Lehrstunde den Spielern des Tabellenletzten in der Atlantic Division etwas genutzt hat, wird sich bereits am Dienstagabend im heimischen MCI Center zeigen, wenn die Wizzards die New York Knicks empfangen.

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