NBA-Play-Offs Die Hornissen stechen zurück

Hoffnung in Charlotte: In einem engen Spiel gleichen die Hornets die Serie gegen die Philadelphia 76ers aus. Schlechte Stimmung in Seattle: Die Sonics liegen 0:2 gegen Utah zurück und sind so gut wie draußen.

Von Tobias Pox


Charlotte - Die Charlotte Hornets haben ihren Kopf noch einmal aus der Schlinge gezogen. Nachdem sie ihr erstes Heimspiel gegen Philadelphia mit 82:92 verloren hatten, konnten die Hornets eine erneute Niederlage im Charlotte Coliseum abwenden und die Best-of-five-Serie gegen die 76ers zum 1:1 ausgleichen. Allerdings war es ein harter Weg bis zum 108:98-Sieg, der erst nach der Verlängerung zustande kam.

Erwischte einen fürchterlichen Tag: Allen Iverson von den 76ers
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Erwischte einen fürchterlichen Tag: Allen Iverson von den 76ers

Bis vier Minuten vor Schluss sah es so aus, als sollte Philadelphia ein zweites Mal in Charlotte triumphieren und mit einer beruhigenden 2:0-Führung in der Serie nach Hause zurückkehren können. 89:84 lagen die Sixers zu diesem Zeitpunkt vorn, doch die Hornets stemmten sich mit aller Macht gegen das drohende Schicksal und erkämpften sich in der regulären Spielzeit noch ein 91:91.

In der Verlängerung dann waren die Hausherren nicht mehr zu halten, besonders Derrick Coleman nicht. Der Forward, dem oft Trägheit und Lustlosigkeit attestiert wird, drehte mächtig auf und erzielte acht seiner insgesamt 29 Punkte in der Overtime. Nach Spielende bekam er ein dickes Lob von seinem Coach Paul Silas: "DC hat einfach das Kommando übernommen und uns nach Hause gebracht."

Doch nicht nur Coleman erwischte einen guten Tag, sondern die gesamte Gilde der großen Männer in den Reihen der Hornets. Auch Elden Campbell (20 Punkte, 14 Rebounds) und Anthony Mason (14 Punkte) verstanden es, sich und ihren Körper effektiv in Szene zu setzen. Somit konnte Charlotte endlich mal von seinem Größenvorteil auf der Center- und Forwardposition profitieren.

Bei den Gästen aus Philadelphia erwischte Allen Iverson nach seiner glorreichen Vorstellung am Freitag dieses Mal einen rabenschwarzen Tag. Seinem Play-off-Rekord von 40 Punkten im ersten Spiel folgte am Montag mit 13 Zählern eine persönliche Tiefstleistung. Erstmals in seiner Postseason-Karriere war der quirlige Guard somit nicht Topscorer seines Teams. Diesen Part übernahm Toni Kukoc. Der kroatische Flügelspieler, dessen Spitzname zu besten (Bulls-)Zeiten "The Croatian Sensation" war, holte seine "linke Klebe" raus und markierte 20 Punkte.

Zwar waren die 76ers nach ihrer Niederlage laut Coach Larry Brown etwas "down", dennoch kann das Team zuversichtlich nach Philadelphia heimkehren. Gewinnen die Sixers am Freitag und Montag ihre beide Heimspiele gegen Charlotte, ziehen sie in die zweite Meisterschaftsrunde ein.

Dort werden sich mit ziemlicher Sicherheit auch die Utah Jazz wiederfinden, die nach einem eindeutigen 101:87-Erfolg über Seattle die Serie gegen die Sonics nunmehr mit 2:0 anführen. Seit den Houston Rockets im Jahr 1995 ist es keinem Team mehr gelungen, einen solchen Rückstand wettzumachen.

Im ersten Spiel hatte Karl Malone mit 50 Punkten noch eine Soloshow hingelegt. Im zweiten suchte er wieder mehr die Nähe zu seinem kongenialen Partner John Stockton. Insgesamt kam das Duo auf 44 Punkte (Stockton 21, Malone 23).

Bei Seattle bestätigte sich erneut die Befürchtung, dass es nur ein Akteur des Teams mit dem Kontrahenten aus Utah aufnehmen kann: Gary Payton, der mit 20 Punkten wiederum Topscorer seines Teams war. Zwar spielten Rookie Shammond Williams (15 Punkte) und der erst im zweiten NBA-Jahr befindliche Rashard Lewis (19 Punkte) überraschend groß auf, aber so etablierte und Play-off-erfahrene Spieler wie Vin Baker und Horace Grant, der keinen einzigen Korb erzielte, blieben weit hinter den Erwartungen zurück.



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