NBA-Prognose Denver stürzt ab, New York startet durch

Die Favoritenrollen in der NBA sind klar verteilt - doch welche Mannschaften könnten für Überraschungen sorgen? Welches Team steht vor dem Durchbruch, wer vor dem Absturz? SPIEGEL ONLINE wagt eine Prognose der Tops und Flops in der Saison 2010/2011.

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Amar'e Stoudemire trägt nicht nur einen der ungewöhnlicheren Vornamen in der NBA. Der Power Forward ist auch als spezieller, manche sagen: schwieriger Charakter bekannt. Doch was der 2,08-Meter-Mann auf dem Basketballfeld zu leisten vermag, lässt manch menschlichen Makel zumindest vorübergehend vergessen. Und sorgt bei den Fans der New York Knicks für feuchte Hände.

Das Team aus dem "Big Apple" galt im Sommer 2010 als einer der heißesten Kandidaten für eine Verpflichtung von LeBron James. Diesen zog es nach Miami - und in New York kann man mit Stoudemire als Trostpreis gut leben.

Für Coach Mike D'Antoni ist der Zonenspieler ein alter Bekannter: Gemeinsam sorgten beide bereits bei den Phoenix Suns für beste Unterhaltung mit temporeichem, spektakulärem Basketball. Ähnliches erwarten die Zuschauer in New York vom jungen Knicks-Team. Die Defensive spielte dabei oft eine untergeordnete Rolle. Aber eine Steigerung im Vergleich zu den schwachen New-York-Teams der vergangenen Jahre - und ein Platz in den Playoffs - ist in jedem Fall zu erwarten.

Gut 4000 Kilometer entfernt im nordkalifornischen Oakland träumen die Golden State Warriors ebenfalls von besseren Zeiten. Helfen könnte ihnen dabei ein ehemaliger Publikumsliebling der Knicks. In New York hatte Forward David Lee starke Statistiken geliefert - nun ruhen die Hoffnungen der Warriors auf dem 206-Zentimeter-Athleten.

Alles neu bei Golden State

Das Team trennte sich in der Sommerpause von Trainer Don Nelson und einem großen Teil des letztjährigen Kaders - der wichtigste Personalwechsel jedoch fand auf höchster Ebene statt. Der bisherige Besitzer Chris Cohan, bekannt für seinen chaotischen Führungsstil, verkaufte den Club nach langen Verhandlungen. Mit einem jungen Kader um Aufbau-Talent Stephen Curry und Forward Lee gelten die Warriors als einer der West-Clubs, die schon in dieser Saison für eine Überraschung sorgen könnten.

"Wir schaffen die 360-Grad-Wende"

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Schon fast garantiert ist eine Verbesserung im Vergleich zum Vorjahr beim "anderen" Team aus Los Angeles. Die Clippers hoffen auf Power Forward Blake Griffin. Der Top-Draft-Pick 2009 hatte die gesamte vergangene Spielzeit mit einem lädierten Knie verpasst - 2010 soll der spektakuläre Athlet die Clippers in die Playoffs führen

Damit dies gelingt, steht mit Vinnie del Negro ein neuer Trainer an der Seitenlinie, der sich als ehemaliger Aufbauspieler besonders um den sensiblen Anführer Baron Davis kümmern muss. Der junge Coach hatte zuletzt mit Chicago Erfolge gefeiert. Wenn er die junge Truppe zu einer Einheit verbindet, ist ein Platz unter den ersten Acht möglich.

Denver steht vor dem tiefen Fall

In den Playoffs könnten die "Clips" den Platz der Denver Nuggets einnehmen. Wohl kaum ein Team hat größeres Absturzpotential als die Truppe aus den Rocky Mountains. Das Hauptproblem ist dabei Star Carmelo Anthony. Seitdem sich LeBron James, Dwyane Wade und Chris Bosh in Miami zu einem Trio zusammenschlossen und die Heat zu einem der heißesten Titelfavoriten machten, forciert auch Anthony einen Wechsel. Zum Saisonauftakt in der Nacht auf Mittwoch lief der 26-Jährige für die Nuggets auf, doch es bleiben Fragen: Erfüllt Anthony seinen bis Sommer 2011 laufenden Vertrag? Oder wird ein Trade mit seinem Wunschziel New York eingefädelt?

Denvers Sorge um Martin und Smith

Mit seinen Wechselabsichten dürfte der Small Forward das Ende aller Meisterschaftsträume Denvers besiegelt haben. Neben Anthony haben die Nuggets noch weitere Probleme. Coach George Karl unterzog sich im Frühjahr einer Chemotherapie. Der 59-Jährige hat seine Krebserkrankung zwar überstanden, ob er den Belastungen einer NBA-Saison gewachsen ist, bleibt fraglich. Ein Rücktritt des Trainers scheint jederzeit möglich. Dazu kommen die Unruheherde Kenyon Martin und J.R. Smith, die eigentlich nur von Karl zu kontrollieren sind. Beide Leistungsträger sind in Denver unzufrieden, die Stimmung im Team droht zu kippen.

Im Gegensatz zu den Nuggets bleiben die Orlando Magic ein Titelkandidat. Für die Meisterschaft kann es jedoch nur reichen, wenn Forward Vince Carter seine schwachen Playoff-Leistungen aus dem Mai vergessen macht. Eigentlich sollte der 33-Jährige, der im Sommer 2009 nach Florida kam, das entscheidende Teil im Meisterschaftspuzzle der Magic sein. Doch Carter bewies in engen Situationen oft schwache Nerven.

Für seine Führungsqualitäten war er ohne noch nie bekannt, dafür für eine gewisse Arroganz und die Tendenz, die Schuld für Misserfolge bei anderen zu suchen. Obwohl der Shooting Guard Besserung gelobt, wird er wieder hinter den Erwartungen zurückbleiben.

Auch die Fans von Carters Cousin Tracy McGrady könnten enttäuscht werden. Bei den Detroit Pistons will der 31-Jährige nach zwei schwachen Jahren wieder an alte Leistungen anknüpfen. "Ich habe noch einiges im Tank", sagte McGrady vor der Saison. Doch sein Körper scheint dem Hochleistungssport nicht mehr gewachsen zu sein. Zu einem chronischen Rückenleiden und einem lädierten linken Knie kommen immer wieder kleinere Blessuren. Auch in dieser Saison wird McGrady kaum mehr an seine einstige Topform - 2002 und 2003 NBA-Topscorer und MVP-Kandidat - herankommen.

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elbdampfer 15.10.2010
1.
Zitat von sysopDie Miami Heat gelten dank den Verpflichtungen LeBron James und Chris Bosh als größter Konkurrent von Meister Los Angeles Lakers. Können Kobe Bryant und Co. den Titel verteidigen? Oder kann ein Außenseiter für eine Überraschung sorgen? Und was ist für Dirk Nowitzki und die Dallas Mavericks möglich?
Ich denke ja. Basketball ist ein Mannschaftssport. Und während die Lakers mit einem eingespielten Team antreten, müssen die Stars in Miami sicher erstmal zueinander finden. Und verletzen darf sich bei denen auch keiner, denn bis auf wenige Ausnahmen sitzt auf der Heat-Bank nur Mittelmaß. Am ehesten die Chicago Bulls. Würde aber nicht darauf wetten... Same procedure as every year. Die Playoffs sind drin - das war´s dann aber auch.
datensklave 25.10.2010
2.
Da kann ich elbdampfer nur zustimmen. Bis auf weiteres sind die Lakers als amtierender Meister das Team, an dem sich die anderen messen lassen müssen, und dabei haben sie in der Saisonpause klammheimlich auch noch mal verstärkt. Das ist beides keine Garantie für eine Titelverteidigung, aber ich würde niemanden höher favorisieren. Die Heat haben auf Grund der individuellen Talente im Kader sicher gute Chancen, da ein Wörtchen mit zu reden, aber wirklich beurteilen können wird man das erst in ein paar Wochen. Auf Erfahrungswerte der Vorsaison kann man ja bei der komplett neu zusammen gestellten Truppe nicht zurückgreifen. Und Überraschung-Teams sehe ich eher im Westen. Der Kampf um die Playoff-Plätze wird hart in der Eastern Conference und sicher wird da der eine oder andere dabei sein, den ich nicht auf der Rechnung habe, aber ein anderes Team in den Conference Finals als die Heat, Celtics und Magic kann ich mir zumindest jetzt nicht vorstellen. Auch bei den Chancen der Mavericks gibt es von mir keinen widerspruch: maximal zweite Playoff-Runde, wie immer.
Don_Corleone, 25.10.2010
3.
Das könnte die Saison der Chicago Bulls werden. Miami halte ich zumindest für überschätzt - wie gesagt zählt nicht der einzelne Spieler (LeBron ist zwar sehr gut, aber nicht so übermenschlich, das er eine mittelmässige Team-Leistung durch die Playoffs mitziehen könnte) Gespannt bin ich auch auf Boston (mein eigentlicher Favorit für die letzte Saison und hätte ja fast geklappt), Phoenix Suns (die sind noch für einige Überraschungen gut - ausserdem chronisch unterschätzt! ) und ansonsten werden natürlich die Lakers wieder einiges abräumen. Dürfte jedenfalls nicht so eine einsetige Saison werden, wie viele sogenannte Experten angesichts der formalen Überlegenheit der Heats befürchten.
tomkey 27.10.2010
4. die üblichen verdächtigen ..
.. werden auch diese saison bestimmen. der heat wird unter besonderer beobachtung stehen, wobei ich glaube, dass sie weit kommen werden, aber letzten endes nicht den neuen champion stellen. ich hoffe auf ein paar überraschungen.. vielleicht durch die nuggets und die mavs, dass die endlich mal weiter in den finals kommen.
elbdampfer 01.11.2010
5.
Zitat von Don_CorleoneDas könnte die Saison der Chicago Bulls werden. Miami halte ich zumindest für überschätzt - wie gesagt zählt nicht der einzelne Spieler (LeBron ist zwar sehr gut, aber nicht so übermenschlich, das er eine mittelmässige Team-Leistung durch die Playoffs mitziehen könnte) Gespannt bin ich auch auf Boston (mein eigentlicher Favorit für die letzte Saison und hätte ja fast geklappt), Phoenix Suns (die sind noch für einige Überraschungen gut - ausserdem chronisch unterschätzt! ) und ansonsten werden natürlich die Lakers wieder einiges abräumen. Dürfte jedenfalls nicht so eine einsetige Saison werden, wie viele sogenannte Experten angesichts der formalen Überlegenheit der Heats befürchten.
Bin ja ein großer Fan von Steve Nash - aber dieses Jahr sind die Suns kaum zu unterschätzen. Stoudemire und Barbosa abgegeben - und wen eigentlich bekommen? Ach ja, Hedo Turkoglu - grins -
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