NBA-Rookie Mosgow Der Riese mit der Balalaika

Timofej Mosgow ist groß, schwer und spielt gerne Saxofon und Balalaika. Der russische Zugang des NBA-Clubs New York Knicks hat auch sportliches Potential, urteilt das Basketballmagazin "FIVE". Doch eines fehlt ihm - ein verlässlicher Wurf.

Knicks-Profi Mosgow (r.): Ein typischer Brett-Center
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Knicks-Profi Mosgow (r.): Ein typischer Brett-Center

Von Hauke Büssing


"Ähm, wer?", fragten die meisten Knicks-Fans, als Club-Präsident Donnie Walsh die Verpflichtung eines 2,16 Meter großen Russen bekanntgab. Nicht einmal ein prominenter Landsmann, New-Jersey-Nets-Besitzer Michail Prochorow, hatte Timofej Mosgow aus St. Petersburg auf dem Schirm. "Wir haben nie in Erwägung gezogen, dass Timofej bereits in diesem Jahr in die USA kommen möchte. Ich freue mich aber, dass nun ein zweiter Russe in der NBA spielt", sagte Multimilliardär Prochorow. Bis dato war Andrej Kirilenko von den Utah Jazz der Einzige.

Als der 24-jährige Mosgow am 21. September 2010 zum Trainingscamp der Knicks anreiste, staunten die Reporter nicht schlecht. Mosgow hatte nicht nur seine Trainingsklamotten im Gepäck, sondern auch ein Keyboard, ein Saxofon und eine Balalaika. Während des Interviews ließ er sich sogar dazu hinreißen, das russische Instrument auszupacken und ein paar Takte zu spielen.

Viele Journalisten konnten sich bei dem Anblick des riesigen, auf der Stelle tanzenden Russen mit der winzigen Balalaika in seinen Pranken das Lachen nicht verkneifen - kein Wunder: Der Import ist immerhin 125 Kilogramm schwer und sehr kräftig gebaut. Und so spielt er auch. Nicht nur Balalaika, sondern auch Basketball.

Mosgow ist ein typischer Brett-Center. Wie der Lette Andris Biedrins (Golden State Warriors) oder der Pole Marcin Gortat (Phoenix Suns) ist er allerdings sehr schnell und explosiv für seine Größe. Mit dem Körper eines Wrestlers und sehr viel Athletik ausgestattet, hat der Neu-New-Yorker im vergangenen Jahr vielversprechende Ansätze in der ersten russischen Liga sowie der Nationalmannschaft gezeigt.

Weil Mosgow meist wuchtig und direkt am Ring abschließt, liegt seine Trefferquote aus dem Feld bei knapp über 50 Prozent - seine Freiwurfquote aber leider auch. Denn: Dem Kraftpaket fehlt ein verlässlicher Wurf. Dies und sein unausgereiftes Spielverständnis sorgen dafür, dass der Rookie bisher im Durchschnitt auf lediglich rund zweieinhalb Punkte und Rebounds pro Spiel kommt.

Mosgow ist jedoch ohne Frage ein Center mit viel Potential. Die Knicks-Fans werden sich in den nächsten Monaten mit dem russischen Hobbymusiker in Geduld üben müssen. Er wird Zeit brauchen, um sich an NBA-Basketball zu gewöhnen. Doch vielleicht ist der Russe danach in der Lage, den Knicks zum ersten Mal seit langem die schmerzlich vermisste Zonenpräsenz zu geben.

Der letzte Center, der bei den Knicks dauerhaft Top-Leistungen brachte, war Patrick Ewing. Das ist ein Jahrzehnt her.



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Piler 27.12.2010
1. Kyrylo Fesenko
Zitat von sysopTimofey Mozgov*ist groß, schwer und spielt gerne Saxophon und Balalaika. Der russische Zugang des NBA-Clubs*New York Knicks hat auch*sportliches Potential,*urteilt*das Basketballmagazin "FIVE". Doch eines fehlt ihm - ein verlässlicher Wurf. http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,736155,00.html
In diesem Zusammenhang hätten sie vor allem noch auf den gleichaltrigen und gleich großen Ukrainer Kyrylo Fesenko von den Utah Jazz verweisen sollen: http://espn.go.com/nba/players/profile?playerId=3205 Der ist sogar 140 kg schwer und hat schon 3 NBA Jahre hinter sich. Timofey Mozgov: http://espn.go.com/nba/players/profile?playerId=4298
bewchacca 27.12.2010
2. .
Vor wenigen Monaten galt Mozgov noch als DIE Draft-Entdeckung der Knicks, begann die Saison sogar in der Startformation. Sprung ins Jetzt: Mittlerweile gewinnen die Knicks Spiele und tatsächlich wieder die Herzen der Basketball-Fans. Mozgov wird nur noch eingewechselt, wenn die Partie entschieden ist. Die Zahl seiner Punkte ist so hoch wie die Zahl seiner begangenen Fouls. Er trifft 36% aus dem Feld. Im Dezember wurde der Russe bisher nur in 6 von 11 Spielen eingesetzt, für jeweils 5 Minuten. Wo ist der Artikel über Landry Fields?
Steppenwoolf, 27.12.2010
3. Merkwürdig
Zitat von sysopTimofey Mozgov*ist groß, schwer und spielt gerne Saxophon und Balalaika. Der russische Zugang des NBA-Clubs*New York Knicks hat auch*sportliches Potential,*urteilt*das Basketballmagazin "FIVE". Doch eines fehlt ihm - ein verlässlicher Wurf. http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,736155,00.html
Ich bin doch immer wieder erstaunt, welch' ein Echo in den deutschen Medien und - insbesondere bei SPON - eine Veränderung bei Sportarten findet, die in Deutschland eher als Randsportarten zu bezeichnen sind. Sonst wird doch keine Gelegenheit ausgelassen, über amerikanische Ereignisse herzuziehen. Muss eine Art Hassliebe sein ...
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