NBA-Finalserie Green ist die Hoffnung

Die Superstars Tim Duncan, Manu Ginobili und Tony Parker straucheln? Kein Problem für die San Antonio Spurs - dann sorgt eben die zweite Reihe für die Führung in den NBA-Finals. Gegen Miami überzeugte vor allem einer, der eigentlich schon aussortiert war.

AP/dpa

Aus San Antonio berichtet Marcel Friederich


Das Gleichgewicht hatte Danny Green längst verloren. Zunächst strauchelte der 25-Jährige, ehe er endgültig in die Knie ging und über die Seitenauslinie fiel. Trotzdem schaffte er es irgendwie noch rechtzeitig, den Ball von jenseits der Dreierlinie in Richtung Korb zu werfen. Der Ball fand tatsächlich den Weg ins Netz. Ein spektakulärer "Zirkuswurf", der nur mit sehr viel Selbstvertrauen gelingen kann. So schraubte Green die Spurs-Führung auf 62:49 in die Höhe. Die Vorentscheidung zum Sieg.

"Ich hätte niemals geglaubt, dass mir heute so eine Leistung gelingt. Das war ein wunderbarer Abend", sagte Green direkt nach dem Abpfiff des dritten Finalspiels, in dem seine Spurs 113:77 über die Miami Heat triumphierten. Der eindrucksvolle Beitrag Greens: 27 Punkte, darunter sieben Treffer von der Dreipunktlinie.

"Unser Coach Gregg Popovich hat mir den Ratschlag gegeben: 'Lass den Ball fliegen, wenn du frei stehst'. Das habe ich befolgt", berichtete der Flügelspieler mit funkelnden Augen. Green, der Topscorer und Matchwinner der Partie. Nicht seine Spurs-Kollegen Tony Parker oder Tim Duncan. Nicht Miamis Stars LeBron James oder Dwyane Wade. Sondern ein junger Mann aus dem Bundesstaat New York, den eigentlich schon alle abgeschrieben hatten.

Zwischendurch in die D-League abgeschoben

Der Einstieg in die Profiwelt hatte sich für Green mehr als holprig gestaltet. Von 2005 bis 2009 spielte er für die University of North Carolina, jene Hochschule, für die auch Michael Jordan aufgelaufen war. Nach seinem College-Abschluss wurde er lediglich an 46. Stelle von den Cleveland Cavaliers gedraftet. Und spielte dort an der Seite von LeBron James, dem Green nun in den NBA-Finals gegenüber steht.

Allerdings bestritt Green nur 20 Partien für Cleveland, ehe er in die unterklassige D-League abgeschoben wurde. Dasselbe Schicksal wiederholte sich in der Folgesaison 2010/2011. Der Youngster wechselte zu den San Antonio Spurs, absolvierte jedoch nur acht Partien. Dann musste er wieder runter in die D-League. "Ich bin durch die harte Schule gegangen", sagt Green heute. Der Lockout im Sommer 2011 führte ihn nach Slowenien, ehe er zu den Spurs zurückkehrte. Und sich doch noch durchsetzen konnte.

"Man muss es sich unbedingt vor Augen halten, wo Danny herkommt, und wo er heute steht. Das ist eine großartige Geschichte", sagt Teamkollege und Veteran Duncan über Greens Werdegang. Nicht einmal zwei Jahre, nachdem ihm das NBA-Niveau abgesprochen wurde, ist er nun mit 18,6 Punkten im Schnitt der beste Spurs-Scorer in den Finals. Von 23 versuchten Dreiern hat er 16 ins Ziel gebracht. Eine mehr als unglaubliche Quote von fast 70 Prozent.

LeBron James im Griff gehabt

Neben seinem Offensivpotential gehört Green zu den besten Verteidigern der Texaner. So vertraute ihm Coach Popovich die Sonderaufgabe an, abwechselnd mit Teamkollege Kawhi Leonard LeBron James zu bewachen. Mit Erfolg: Dank ihrer Schnelligkeit schafften es Green und Leonard, dass James nur selten zum Korb ziehen konnte, was ansonsten dessen große Stärke ist. Dafür wurde er zu schwierigen Würfen aus der Distanz gezwungen. So erzielte James bislang nur 16,6 Punkte pro Finalspiel. Zu wenig für einen, der kürzlich zum vierten Mal als wertvollster NBA-Spieler ("MVP") ausgezeichnet wurde. Green und Leonard hatten ihn bisher gut im Griff.

Sinnbildlich eine Aktion kurz vor der Halbzeitpause im dritten Spiel. Nur noch wenige Sekunden waren zu spielen, San Antonio führte knapp 47:44. James stürmte in Richtung Spurs-Korb, wurde jedoch von Green spektakulär geblockt. Danach ein Pass von Duncan über das gesamte Spielfeld auf Gary Neal, der den Ball mit dem Pausenpfiff von der Dreipunktlinie versenkte. 50:44 für die Spurs, die das Momentum mit in die Halbzeit nahmen.

"Unser Club schafft es seit Jahren, unbekannte junge Spieler unter Vertrag zu nehmen, die eine Menge Entwicklungspotential besitzen", sagt Oldie Duncan. "Und Coach Pop gelingt es immer wieder, das Maximum aus diesen Spielern herauszuholen. Danny ist das beste Beispiel, genauso Gary Neal oder Cory Joseph."

Obwohl Duncan (37), Ginobili (35) und Parker (31) so langsam zum alten Eisen gehören: Dank der erfolgreichen Talente-Rekrutierung stehen die Spurs vor einer vielversprechenden Zukunft. Mit Danny Green als neuem Gesicht der Franchise - und womöglich auch als Meistermacher 2013.



insgesamt 2 Beiträge
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Seite 1
lobcity 12.06.2013
1.
Wie Duncan, der alte Frauenheld, da Platz auf einer Dame im Publikum nahm :D Tolles Spiel.
driverseat 12.06.2013
2.
Find den Text zwar ganz nett, allerdings ist der komplette erste Absatz für die Tonne! Zirkuswurf? Vorentscheidung bei 18 Minuten Restspielzeit? mmmhhhh....
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