Fotostrecke

Blake Griffin: Die Hoffnung der Clippers

Foto: Mark J. Terrill/ AP

NBA-Sensation Die Zukunft heißt Blake Griffin

Die Los Angeles Clippers gelten als der ewige Verlierer, kein NBA-Club hat einen schlechteren Ruf. Das könnte sich dank Blake Griffin bald ändern. Schon jetzt ist der 21-Jährige der spektakulärste Spieler der Liga. Als Rookie bringt er Leistungen auf Allstar-Niveau.

Für die Fans des Los Angeles Clippers ist jedes Heimspiel eine Tortur. Sie müssen auf die 16 Meisterschafts-Banner der Lakers blicken, die unter der Hallendecke des Staples Centers hängen. Das tut weh. Entsprechend groß sind Neid und Sehnsucht.

Los Angeles gehört den Lakers, den Clippers gehört der Spott. Im US-Sport gilt der Club, der sich mit den Lakers die Heimspielstätte teilt, als Inbegriff des Verlierers.

Doch nun gibt es Hoffnung. Die Hoffnung hat einen Namen: Blake Griffin. "Es gibt kaum ein besseres Gefühl als etwas, was ganz unten ist, an die Spitze zu führen", sagt der 21-Jährige, "ich will Teil von etwas Größerem sein."

Da hat Griffin noch einiges zu tun. In Los Angeles werden die Clippers nur als "das andere Team" bezeichnet. Oder als "Stiefkind des Staples Centers".

Vor allem wegen Kobe Bryants Künsten kommen die Zuschauer. Der 32-Jährige ist der größte Star in Los Angeles. Das Publikum will ihn Basketball spielen sehen, ihn gewinnen sehen. Nun kommen Sie auch wegen Griffin.

Ein Kolumnist des US-amerikanischen Sportsenders ESPN schrieb unlängst: "Lieber die Blake-Show als die Lake-Show." Erst 33 Spiele hat Griffin in seiner ersten NBA-Saison absolviert, schon jetzt ist er die größte Clippers-Hoffnung, seit der Club 1984 von San Diego nach Los Angeles zog.

Griffin ist schnell, explosiv und will unbedingt gewinnen

Der Power Forward soll der Loser-Franchise zu Ruhm verhelfen. Mit einer Mischung aus brachialer Gewalt und Eleganz, aus außergewöhnlichem Talent und harter Arbeit. Zurzeit gibt es keinen NBA-Spieler, der spektakulärer als Griffin ist.

Mit jedem Dunk sorgt er bei den Zuschauern für mehr Staunen und bei den Gegnern für mehr Demütigung. "Mit einer Bewegung kann er dir den Atem rauben", sagte Lamar Odom von den Lakers der "New York Times".

Griffin ist schneller und explosiver als man es von einem Spieler seiner Statur (2,08 Meter groß und 114 Kilogramm schwer) erwarten würde. Gregg Popovich, Coach des viermaligen Meisters San Antonio Spurs, nennt Griffin einen "Gladiator".

Was Griffin vom Gros der Basketballer unterscheidet, ist sein Wille. Auch deshalb wählten ihn die Clippers 2009 an erster Stelle der Draft aus. Eine Knieverletzung in der Vorbereitung kostete Griffin jedoch die darauffolgende Spielzeit.

Als er wieder hätte spielen können, war die Saison schon gelaufen. Griffin hatte zuvor erneut eine desaströse Clippers-Truppe gesehen, die nur 26 Siege in 82 Spielen erringen konnte. "Ich werde mich nie mit Niederlagen abfinden", sagte Griffin, "ich werde besser mit ihnen umgehen, aber ich werde sie nie akzeptieren."

Griffin wurde zum Anführer - ohne ein einziges Spiel absolviert zu haben

Deshalb arbeitete er in der Sommerpause unermüdlich. "Niemand will für ein Team spielen, über das schlecht geredet wird. Ich will nicht hören müssen, dass wir niemals die Playoffs erreichen werden. Wir müssen uns Respekt verdienen. Und dafür zu arbeiten ist der beste Weg", sagte er dem Magazin "Sports Illustrated".

Mit seiner Einstellung und seinem Willen wurde Griffin zum Anführer der Clippers, ohne ein einziges Spiel absolviert zu haben. Ende August waren bereits 13 Profis Griffins Beispiel gefolgt und bereiteten sich im Trainingszentrum des Clubs auf die aktuelle Saison vor. "Das hat es hier vorher nicht gegeben", staunte Sportdirektor Neil Olshey.

Die einjährige Wettkampfpause ist Griffin nicht anzumerken. Seine Leistungen in dieser Saison haben bereits historische Ausmaße erreicht. Im Schnitt kommt er auf rund 21 Punkte und zwölf Rebounds. "20-12" gelang in den vergangenen zehn Spielzeiten gerade einmal fünf Profis.

Darunter waren Superstars wie Shaquille O'Neal, Tim Duncan, Kevin Garnett und Dwight Howard. Seit 1989 gab es nur fünf Rookies, die mindestens 20 Punkte und zehn Rebounds pro Spiel erreichten: O'Neal, Duncan, Alonzo Mourning, David Robinson und Elton Brand. Ein elitärer Kreis.

Bei der Wandlung vom Verlierer zum Gewinner kommen die Clippers nur langsam voran. Nach 33 Saisonspielen kann das Team nur zehn Siege vorweisen. Zuletzt zeigten sich die Clippers verbessert, fünf der vergangenen sieben Partien wurden gewonnen.

Griffins größte Unterstützung ist Eric Gordon, der nach dem Gewinn des WM-Titels mit der US-Nationalmannschaft deutlich mehr Selbstvertrauen hat. Knapp 24 Punkte und fünf Assists schafft der 22-jährige Shooting Guard im Schnitt. Im Gegensatz zu Griffin ist Gordon jedoch kein Anführer.

Deshalb werden auch dem Rookie bessere Chancen auf eine Nominierung für das Allstar-Game eingeräumt. Griffin könnte der erste Neu-Profi seit Yao Ming 2003 sein, der für das prestigeträchtige Duell ausgewählt wird. Das Allstar-Game 2011 wird am 20. Februar ausgetragen - in Los Angeles.

Dann wird noch Kobe Bryant die größere Aufmerksamkeit zuteil werden, er empfängt die Liga-Elite in seiner Halle. Doch auch der Guard weiß, dass die Zukunft Griffin gehört.

"Er ist fantastisch", lobt der Lakers-Star, "und er wird noch besser." Dann werden die Zuschauer vermutlich wegen Blake Griffin ins Staples Center kommen.

Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.