NBA-Star Casspi Der König von Israel

Omri Casspi ist der erste israelische NBA-Spieler - und die große Rookie-Überraschung der Saison. Dafür wird der "Swingman" der Sacramento Kings in jeder Halle von seinen Landsmännern frenetisch gefeiert, in seiner Heimat abgöttisch verehrt, wie das Basketballmagazin "FIVE" beschreibt.

NBA-Star Casspi: Ein verdammter Rockstar
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NBA-Star Casspi: Ein verdammter Rockstar

Von Oliver Tenfelde


Es ist eine warme Februarnacht in Tel Aviv. Obwohl es mitten in der Woche und schon spät ist, tummeln sich immer noch junge Leute auf den Straßen oder in den vielen Nachtclubs, wo die angesagtesten DJs die Menge animieren. Der umkämpfte Gaza-Streifen ist zwar nur rund 70 Kilometer entfernt, für die Probleme des Landes interessiert sich hier in Tel Aviv allerdings niemand. Schon gar nicht heute Nacht.

Die "Tel Avivis", wie die Einwohner genannt werden, bezeichnen ihre Stadt gerne als "das kleine New York". Auch wenn dieser Vergleich für Außenstehende offensichtlich übertrieben scheint, ist die amerikanische Großstadt in dieser Nacht näher als vermutet. Denn in zahlreichen Fensterscheiben zuckt das typische Licht von Fernsehapparaten, auf denen tausende von Augenpaaren die Liveübertragung des Kanals "Sport 5" verfolgen.

Zur gleichen Zeit und 9146 Kilometer weiter westlich im Madison Square Garden: Es ist "Jewish Heritage Night" in New York. Die Knicks nutzen die Gelegenheit, um die jüdischen Einwohner des "Big Apple" zu ehren und ein bisschen Marketing zu betreiben. Am heutigen Abend gibt es ein Ticket samt Knicks-Shirt mit hebräischen Schriftzeichen und Hot Dog für schlappe 36 Dollar. Unbezahlbar ist allerdings an diesem Abend für israelische Basketballfans: einmal den Wunderjungen Omri Casspi live erleben.

Bei der Spielervorstellung der Knicks sind die Fans wie immer mäßig enthusiastisch. Doch als der "Starting Small Forward" der Sacramento Kings eher beiläufig vom Hallensprecher vorgestellt wird, hält es keinen der zahlreichen israelisch-jüdischen Fans mehr auf den Sitzen. Und das ist erst der Anfang.

"Er ist ein verdammter Rockstar für die"

Lautstarkes Gejohle bei Casspis erstem Ballkontakt, ein schallendes "Ooh" nach einem krachenden Dunk der Nummer 18 in Spielminute fünf und schließlich tosender Applaus, als sich Casspi den entscheidenden Rebound zum Sieg nach Verlängerung seiner Kings abgreift. Es ist sein zehnter Abpraller in diesem Spiel, begleitet von 18 Punkten und 45 Minuten Spielzeit, in denen jede Aktion von der Fangemeinde euphorisch bejubelt wird.

"Wenn das so weitergeht, werde ich zum Ende der Saison wohl 41 Jewish-Heritage-Nächte erlebt haben", kommentiert Teamkollege Jon Brockman später die Geschehnisse im Garden. "Bei jedem unserer Auswärtsspiele sind israelische Flaggen im Publikum, und die Leute rasten völlig aus, wenn sie Omri sehen. Er ist ein verdammter Rockstar für die!"

Tatsächlich hatten die Kings bereits vor ähnlicher Kulisse in Toronto, Washington und Philadelphia gespielt. "The One and Omri"-Plakate, hebräische Gesänge und Schriftzeichen in jedem Winkel der gegnerischen Hallen. Das Wort "Heimvorteil" existiert im Wortschatz der Kings-Gegner nicht mehr. Casspi ist zum König von Israel geworden.

Casspis Pick erzeugt nie dagewesenes Mediencho in Israel

"Das hier heute war etwas ganz Besonderes", sagte er sichtlich bewegt nach dem Spiel in New York. Damit meinte der 21-Jährige allerdings nicht nur seine solide Leistung oder das frenetische Publikum aus der Stadt mit der größten jüdischen Gemeinde außerhalb Israels. Vor acht Jahren hatte Casspi nämlich schon einmal einen Auftritt in New York. Allerdings in einem Urlaubsvideo seiner Eltern. Damals versprach er Mutter und Vater mit verlegener Miene hoch und heilig vor dem Madison Square Garden, dass er eines Tages hier Basketball spielen werde.

Die Zweifel waren anfangs jedoch groß, als David Stern den 23. Pick der Draft 2009 bekanntgab. In Israel erzeugte die Entscheidung der Kings zwar ein nie dagewesenes Medienecho, so übertrug das Fernsehen die Szenen der Draft-Nacht direkt aus dem Wohnzimmer von Casspis Eltern in dem kleinen Ort Yavne landesweit; Nordkalifornien erreichten diese Bilder jedoch nicht.

Casspi kann alles, aber nichts richtig gut

Gut informierten Kings-Fans war vielleicht bekannt, dass Casspi dreimal mit Maccabi Tel Aviv die israelische Meisterschaft holte. Vielleicht auch, dass er 2005 die Euroleague gewann und 2008 zum besten Sechsten Mann in der ersten israelischen Liga gekürt wurde. Doch gleichzeitig wird auch dem einen oder anderen Fan bewusst gewesen sein, dass Casspi alles andere als eine Führungsrolle in dem Traditionsverein aus Tel Aviv bekleidete. 12,8 Punkte sowie 4,8 Rebounds in 25 Minuten Spielzeit sind toll für einen so jungen Spieler. Doch wie würden sich diese Zahlen in NBA-Statistiken umrechnen lassen?

Nicht mal Scouts und Trainer wussten damals, was in der israelischen Wundertüte wirklich steckt. Der "Swingman" ist für seine Größe von 2,06 Metern agil und athletisch, aber spindeldürr. Er hat zwar einen schnellen ersten Schritt, aber nur durchschnittliche Fähigkeiten am Ball. Casspis Dreierquote aus europäischer Entfernung ist solide, aber sein Wurfmechanismus gleicht teilweise einer Pritschbewegung beim Volleyball. Eigentlich kann dieser Casspi alles, aber irgendwie auch nichts richtig gut. Dennoch wurde er auf Anhieb Stammspieler bei den Kings.

Lesen Sie morgen im zweiten Teil der Geschichte, wie sich Casspi mit seinem Trainer anlegte, warum er plötzlich einen Leistungseinbruch verkraften musste und weshalb der Israeli in seiner Heimat so verehrt wird.



insgesamt 2 Beiträge
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MaximilianSchmitz 17.05.2010
1. Überflüssige Bits und Bytes
Ein unnützer Bericht.
Marlin, 18.05.2010
2.
Zitat von MaximilianSchmitzEin unnützer Bericht.
Genau wie der obige Beitrag. Ansonsten, interessanter Bericht. Ist aber auch logisch, dass aus einem Land mit nur 7,5 Millionen Menschen, nur wenige internationale Sportstars werden. Noch dazu in Massensportarten wie Fußball oder Basketball. Insofern viel Glück weiterhin. Und schmächtig sieht er überhaupt nicht aus. :D
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