NBA-Star Durant "Mein Herz ist immer noch in Seattle"

Zum zweiten Mal in Folge Topscorer der NBA: Kevin Durant ist einer der jungen Superstars der nordamerikanischen Basketball-Profiliga. Im Interview mit dem Basketball-Magazin "FIVE" spricht er über seine alte Heimat, Niederlagen und seine Rolle als Anführer der Oklahoma City Thunder.

Thunder-Forward Durant: "Wir finden es ganz schön, unter dem Radar zu fliegen"
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Thunder-Forward Durant: "Wir finden es ganz schön, unter dem Radar zu fliegen"


Frage: Herr Durant, in dieser Saison ist eine Menge passiert. Unglaublich viele Stars wechselten das Team. Sie haben heimlich, still und leise in Oklahoma City verlängert. Warum?

Durant: Als ich klein war, sind wir oft umgezogen. Immer wieder verschiedene Häuser, Nachbarschaften und Schulen. Vielleicht will ich deshalb jetzt dort bleiben, wo ich bin. Ich bin ein eher beständiger Typ. Und wir haben ja auch einen großartigen Club, großartige Fans. Ich habe tolle Mitspieler, auch Oklahoma City ist unglaublich und passt sehr gut zu meiner Persönlichkeit.

Frage: Einmal mussten Sie in Ihrer NBA-Karriere aber schon umziehen - und zwar nach Ihrem Rookie-Jahr direkt mit dem ganzen Club von Seattle nach Oklahoma City.

Durant: Es war hart für mich, Seattle zu verlassen. Ich habe dort mein erstes Haus gekauft, meine Familie ist dorthin gezogen, und dann ging es nach einem Jahr wieder weg. Aber Basketball ist halt auch ein Geschäft. Als uns gesagt wurde, dass wir gehen, war das halt so. Ich liebe Oklahoma City, aber mein Herz ist immer noch irgendwie in Seattle. Die Fans dort verdienen auf jeden Fall ein Team. Wir waren damals nicht gut, und trotzdem war die Halle voll, die Fans feuerten uns an.

Frage: Als Rookie in Seattle gewannen Sie mit den Sonics 20 Spiele, im Jahr danach in Oklahoma waren es 23, und das Team hat zwölf der ersten 13 Partien verloren. Wie zuversichtlich waren Sie damals, dass sich diese Mannschaft in absehbarer Zeit zu einem Playoff-Team mausern würde?

Durant: Ich glaubte damals, dass es eine ganze Weile dauern würde, bis wir den Status, den wir jetzt innehaben, erreichen können. Das Management hatte eine Vorstellung, wie dieses Team erfolgreich sein würde. Gleichzeitig haben allerdings auch wir Spieler jeden Tag unsere Arbeit gemacht. Auch als wir 17 Spiele in Folge verloren. Und wir wurden besser. Wir spielten Defense, weil das ein junges Team als Erstes lernen muss. Wir wuchsen mit den Aufgaben. Egal, ob es die erste oder letzte Partie der Saison war, wir gingen mit demselben Eifer zur Sache, mit derselben Energie.

Frage: Trotzdem gab es die angesprochenen Niederlagenserien. Wie sind Sie damals damit umgegangen ?

Durant: Du musst positiv denken. Alle anderen sind ja schon dabei, das Team schlechtzureden. Du darfst den Kopf nicht hängen lassen. Und die eine Sache, die mich vor allem durch die schweren Zeiten brachte, war das Training. Ich arbeitete noch härter. Jeden Tag zusätzliches Videostudium, noch mehr Schusstraining. Auch damals war ich ja schon so eine Art Anführer. Und als solcher darfst du bei deinem Team nie den Eindruck erwecken, dass du dich mit dem Verlieren abfindest.

Frage: Und heute stehen bei den Thunder mit Russell Westbrook und Ihnen zwei All Stars im Kader.

Durant: Und wir verstehen täglich besser, wie wir am besten zusammenspielen. Wir passen - was unsere Talente angeht - unheimlich gut zusammen. Wann immer ich aufs Parkett gehe, macht Russell mein Leben einfacher. Der ganze Hype, der in dieser Spielzeit um ihn veranstaltet wurde, ist komplett gerechtfertigt.

Frage: Trotzdem war Ihre Mannschaft lange ein wenig in Vergessenheit geraten. 2009/2010 galten die Thunder noch als die Mannschaft, die mit ihren jungen Stars die Liga übernehmen würde. Davon wurde in dieser Saison wenig gesprochen.

Durant: Viele Leute hatten uns nicht unbedingt abgeschrieben, aber zumindest nicht mehr auf der Rechnung. Wir sind halt nicht mehr dieses neue, frische Team. Das waren wir in der vergangenen Saison. Vielleicht sind wir auch ein wenig langweilig, weil wir eben jeden Tag hingehen und unsere Arbeit machen, ohne Eskapaden, Sprüche oder Skandale. Wir finden es eigentlich ganz schön, unter dem Radar zu fliegen. Unsere Bilanz zeigt ja, dass wir eine Menge Partien gewonnen haben, darum geht es am Ende.

Frage: Sie sind selbst erst 22 Jahre alt, aber Ihr Team ist eines der jüngsten der NBA. Fühlen Sie sich schon als Veteran?

Durant: Das tue ich wirklich. Ich bin seit drei Jahren einer der Mannschaftskapitäne und eben wirklich einer der älteren Spieler in unserem Team. Außerdem habe ich in meiner Zeit in der Liga eine Menge erlebt. Allein mein Rookie-Jahr 2007/2008 - es kommt mir heute so vor, als wäre das schon zehn Jahre her.

Frage: Wie wichtig war Ihre Rolle beim Team USA während der Weltmeisterschaft in der Türkei 2010?

Durant: Sehr wichtig. Dort habe ich auch wieder ein Stück weit dazugelernt, was es braucht, um Basketballspiele zu gewinnen. Was du opfern und wie viel Arbeit du investieren musst, wenn du erfolgreich sein willst. Und zwar jeden Tag, nicht nur an dem einen oder anderen Punkt in der Saison. Ich habe jeden Tag von Veteranen wie Chauncey Billups und Lamar Odom gelernt. Und zu sehen, wie die jüngeren Spieler Tag für Tag im Training Vollgas gaben, hat mich inspiriert.

Das Interview führte André Voigt

insgesamt 3 Beiträge
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game86 04.05.2011
1. K-d
Der Junge wird in der ewigen Punkteliste der NBA als Nr.2 oder Nr.3 in die Geschichte eingehen. Mehr braucht man glaub ich nich zu sagen. Dazu noch bescheiden und symphatisch!
handworx 04.05.2011
2. ..
warum eigentlich wird dieser liga soviel raum in sid eingeräumt? Entspricht dies dem tatsächlichen interesse oder soll dieses aus welchen gründen auch immer geweckt werden?
senf-mit-sauce 04.05.2011
3.
Zitat von game86Der Junge wird in der ewigen Punkteliste der NBA als Nr.2 oder Nr.3 in die Geschichte eingehen. Mehr braucht man glaub ich nich zu sagen. Dazu noch bescheiden und symphatisch!
Und das ist wirklich herausragend und wichtig aus meiner Sicht nach den charakterlichen Nullnummern James und Wade, die vor Durant die jungen Stars waren.
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