NBA-Star Kevin Durant "Ich bin der Anführer, das Vorbild"

Kevin Durant punktet in der NBA nach Belieben und entwickelt sich zu einem der kommenden Stars der Liga. Im zweiten Teil des Interviews mit dem Basketballmagazin "FIVE" spricht der Forward über die lockere Atmosphäre bei den Oklahoma City Thunder und über einsame Stunden vor dem DVD-Player.

Thunder-Star Durant (l.): "Ich bin ein Workaholic und stolz darauf"
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Thunder-Star Durant (l.): "Ich bin ein Workaholic und stolz darauf"


Lesen Sie im ersten Teil des "FIVE"-Interviews mit Kevin Durant: Wen der Forward zum wertvollsten Spieler der Liga wählen würde - und warum ihm die gegnerischen Fans Ernährungstipps zubrüllen.

Frage: Kevin Durant, es ist oft zu lesen, dass bei den Oklahoma City Thunder eher die lockere Atmosphäre eines Collegeteams herrscht als die einer Profimannschaft.

Durant: Auf jeden Fall. Das ist Ausdruck der großartigen Chemie in unserer Mannschaft. Meisterschafts-Teams zeichnen sich durch einen starken Zusammenhalt aus. Bei uns ist natürlich von Vorteil, dass wir fast alle schon vorher mal an der Uni oder in der Highschool gegeneinander gespielt haben, wir uns also schon von früher ein wenig kennen.

Frage: Welchen Effekt hat das?

Durant: Wir sind fast alle noch ziemlich jung, haben die gleichen Interessen und Respekt vor den Fähigkeiten des anderen. Deshalb hat es bei uns recht schnell, schon in der vergangenen Saison, "klick" gemacht. Das hilft uns auf dem Feld. Die Vertrautheit wird immer größer.

Frage: Die Thunder mögen zwar eine Mannschaft sein, die sich gut versteht und viel Talent in sich vereint; Sie selbst aber sind der All Star, der Leader. Das ist viel Verantwortung, oder?

Durant: Ja, ich bin der Anführer, das Vorbild. Ich muss mit meiner Arbeit als gutes Beispiel vorangehen, dem die anderen folgen, damit dieses Team erfolgreich ist. Es ist meine allererste Aufgabe, alles zu tun, damit mein Team Basketballspiele gewinnen kann.

Frage: Vor diesem Hintergrund: Sie spielen jetzt auf dem Level eines All Stars und waren zum ersten Mal einer. Ist das von nun an der Standard, den Sie von sich selbst erwarten? Ist alles unter diesem Niveau inakzeptabel?

Durant: Auf jeden Fall. Das sind natürlich hohe Erwartungen, aber dieses Level will ich halten. Dafür arbeite ich. Ich will auch nicht mit einer Nominierung als All Star zufrieden sein. Ich bin ein Workaholic und stolz darauf.

Frage: War das schon immer so?

Durant: Ja. Ich kann nicht beziffern, wie viele Stunden ich als Kind und Teenager auf dem Feld gestanden oder trainiert habe. Ich hatte nie viele Freunde außerhalb meiner Teams. Natürlich gab es während meiner Jugend auch mal schwere Zeiten, aber ich habe immer an mich geglaubt. Und ich bin froh, dass ich meinen Weg gegangen bin. Allein was in diesem Jahr bisher passiert ist: Die Nominierung zum All Star, die Berufung in den erweiterten Kader der US-Nationalmannschaft für die Weltmeisterschaft in der Türkei, dann vielleicht noch die Playoffs mit den Thunder - im Moment werden viele Träume wahr.

Frage: Wie haben Sie Ihren Sommer gestaltet? Woran haben Sie besonders gearbeitet?

Durant: Das klingt jetzt komisch, aber ich habe an allem gearbeitet: dem Ballhandling, an meinem Distanzwurf, dem Spiel am Zonenrand. Ich habe tonnenweise Videos studiert, um ein besserer Passgeber und Verteidiger zu werden. Mein Ziel war es, mein gesamtes Spiel zu verbessern, nicht nur einen bestimmten Teil.

Frage: Gibt es trotzdem einen bestimmten Aspekt, den Sie herausheben würden, wenn Sie den erneuten Anstieg Ihres Punkteschnitts erklären sollten?

Durant: Am meisten hilft mir, dass ich auf dem Feld einfach intelligenter spiele als in der Vergangenheit. Ich kenne meine Stellen auf dem Parkett, von denen ich am besten treffe. Da hat mir das Videostudium sehr geholfen, weil ich heute besser verstehe, wo meine Stärken liegen und wie ich am besten zu diesen Stellen komme.

Frage: Sie sprechen zum wiederholten Mal das Videostudium an. Schauen Sie die DVDs allein auf dem Laptop, oder analysieren Sie Ihr Spiel mit den Trainern?

Durant: Schon mit meinen Coaches. Sie zeigen mir Sachen auf dem Feld, die ich anders hätte machen sollen, aber auch die Dinge, die ich gut gemacht habe und öfter so machen soll. Spiele auf DVD zu studieren ist aber nichts, was nur ich mache. Jeder NBA-Spieler auf hohem Niveau tut das, weil es dir eben sehr dabei hilft, ein besserer Basketballer zu werden.

Frage: Haben Sie als Highschooler und College-Spieler auch das Spiel der NBA-Stars studiert?

Durant: Oh ja, ich habe immer versucht, mir kleine Details bei vielen der Stars abzuschauen und sie in mein Spiel zu integrieren: Kevin Garnett, Tim Duncan, LeBron James, Kobe Bryant. Aber Tracy McGrady war der Spieler, den ich mir sehr genau angeschaut habe. Jeden Tag sah ich mir seine Spiele auf Video an. Aber das ist heute eigentlich auch noch zu einem gewissen Grad so, und ich studiere nebenbei auch immer mal die Legenden wie Larry Bird oder George Gervin.

Frage: Magic Johnson, eine andere Legende, antwortete auf die Frage, welcher junge Spieler die alten Werte der NBA heutzutage am besten repräsentiert, dass Sie dieser Spieler seien.

Durant: Wenn er so was über mich sagt, dann ehrt mich das ganz besonders. Gleichzeitig ist es noch mehr Verantwortung, weil ich natürlich möchte, dass er recht behält.

Frage: Sie sind mit den Oklahoma City Thunder auf Playoff-Kurs. Wie kommt es, dass ein so junges Team trotz der Unerfahrenheit wahrscheinlich an der Postseason teilnimmt?

Durant: Vergangenes Jahr haben wir gelernt, dass du in keinem Spiel aufgeben darfst. Jede Partie ist wichtig. Diese Saison geben wir in jeder Begegnung Gas. Wir sind im Rennen um einen der Playoffplätze, da darfst du dir keinen Durchhänger leisten. Unser Fokus war bisher sehr gut, wir wurden deshalb von Spiel zu Spiel immer besser. Das muss allerdings auch bis zum Sommer so bleiben.

Die Fragen stellte André Voigt



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Don_Corleone, 13.04.2010
1. Des Pudels Kern
Der gute Herr Durant sollte sich aber spätestens bei den Playoffs nicht zu locker machen und so wie gestern gegen Portland Punkte verschenken, weil er den Dunk optisch spektakulär reinzimmern will und dann verhaut. Aber naja, er ist ja nicht der erste, der beteuert, jedes Spiel ernst zu nehmen, dann aber doch den Schlendrian bei unwichtigeren Begegnungen durchscheinen lässt (siehe K. Bryant) Kann man den Jungs bei den übervollen Terminplänen auch nicht verübeln, niemand kann wirklich immer 100% geben.
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