NBA-Tarifstreit Blamage in 22 Akten

Eine Ewigkeit verhandeln NBA und Spielergewerkschaft schon, einig sind sie sich immer noch nicht. Im Tarifstreit stehen die nächsten Spielabsagen bevor. Am Ende werden Liga und Profis Verlierer sein, die Gewinner sind andere.

NBA-Boss Stern: Schwerer Imageschaden
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NBA-Boss Stern: Schwerer Imageschaden

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Hamburg - Die NBA und ihre Profis blamieren sich. Seit 132 Tagen ringen beide Parteien um einen neuen Tarifvertrag. Der komplette November mit seinen 221 Basketball-Spielen wurde abgesagt. Eine Folge des sogenannten Lockouts, der Aussperrung der Profis durch die Clubbesitzer. Nun wurden die Gespräche zwischen Liga und Spielergewerkschaft erneut vertagt. Ob es nach den Verhandlungen am Donnerstag überhaupt eine Saison geben wird, ist sehr fraglich.

"Ich würde weder in Optimismus noch in Pessimismus verfallen", sagte NBA-Commissioner David Stern und ergänzte: "Wir sind weder gescheitert, noch haben wir Erfolg gehabt." So oder so ähnlich äußern sich die Beteiligten seit Wochen. Der NBA-Experte der "New York Times", Howard Beck, rechnete vor, dass Liga und Spieler in 22 Verhandlungsrunden fast 150 Stunden lang diskutiert haben. Einigungen soll es laut Medienberichten nur in wenigen Punkten geben. Im zentralen Bereich, der Aufteilung der Einnahmen, gibt es große Meinungsunterschiede. Bislang bekamen die Spieler 57 Prozent, die Clubbosse wollen nun aber die Hälfte.

Beck und seine Kollegen üben sich in Zynismus. "Wir haben die Elf-Stunden-Marke beim Ultimatumathon erreicht", schrieb der Times-Journalist am Donnerstag bei Twitter. "Ist überhaupt noch jemand wach?" Wie ihnen geht es auch immer mehr Fans. Welche Seite welchen Vorschlag und welche Zugeständnisse macht, interessiert die Anhänger schon lange nicht mehr.

In der NBA streiten sich Milliardäre mit Millionären über die Aufteilung der Einnahmen (in der Saison 2010/2011 rund vier Milliarden US-Dollar). Das ist für die Fans nicht nachvollziehbar, der Imageverlust für Liga und Spieler ist jetzt schon groß. Wenn sich die Parteien auch am Donnerstag nicht einig werden - zumindest in Kernfragen - droht der Ausfall aller Spiele bis Ende Dezember. Knapp 230 Partien, darunter die traditionsreichen Begegnungen an den Weihnachtsfeiertagen.

Die NHL könnte vom Lockout der Basketballer profitieren

Und mit ihnen der Verlust etlicher Fans. Welche Folgen ein Lockout haben kann, erlebte die NBA 1998/1999, als die Saison erst im Februar startete. Ähnliches wiederfuhr der Eishockey-Profiliga NHL. Nachdem wegen eines Lockouts die komplette Saison 2004/2005 ausfiel, brauchte die Liga rund vier Jahre, um sich von dem Imageschaden zu erholen. Zwar galt die NHL immer als die am wenigsten beliebte der vier großen Sportligen NFL (Football), MLB (Baseball) und NBA, doch sie konnte sich stets auf ihre überaus treuen Fans verlassen. Doch nach dem Lockout kehrte selbst diese Anhängerschaft nur langsam zurück. Ein Jahr aus der Öffentlichkeit zu verschwinden, kann sich keine Sportliga leisten.

Jetzt könnte die NHL vom Lockout der Basketballer profitieren. Die Saisons der beiden Ligen verlaufen nahezu parallel, die Freizeit werden sich die NBA-Fans vertreiben wollen. Als Alternative gibt es momentan nur die NFL, die ihre Spiele größtenteils sonntags und montags austrägt. Dazu kommen noch die College-Footballer, die ihre wichtigen Partien ebenfalls für die Wochenenden terminiert haben. Die NHL spielt dagegen wie die NBA an jedem Wochentag.

Einen besonders großen Aufmerksamkeitsschub durch enttäuschte Anhänger verspricht sich der College-Basketball. Denn in der am Freitag startenden Saison kämpfen so viele vielversprechende Talente wie lange nicht mehr um den Titel. Der Hype ist riesig: Etliche Teams haben kommende NBA-Superstars in ihren Reihen. Die spielerische Qualität ist ohnehin hoch, dazu kommt der Faktor des besonderen Flairs des Universitäts-Sports: Die exzellente Stimmung, die an europäische Fußballspiele erinnert, und die Hingabe der Studenten, die alles für einen Sieg ihrer Universität geben - von gelangweilten, millionenschweren Profis keine Spur.



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themistokles 11.11.2011
1. Verhältnisse
Zitat von sysopEine Ewigkeit verhandeln*NBA und Spielergewerkschaft schon, einig sind sie sich immer noch nicht. Im Tarifstreit*stehen die nächsten Spielabsagen bevor. Am Ende werden Liga*und Profis Verlierer sein, die Gewinner sind andere. http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,797064,00.html
Naja, unabhängig davon wie hoch die absoluten Summen sind: Nicht alle Spieler der NBA zählen zu den Top-Verdienern und bei diesen geht es teilweise um Einkommensverluste von beinahe 40 %! Ich möchte man den "normalen Arbeitnehmer" sehen, der diese Einschnitte ohne Proteste hinnehmen würde. Sicherlich nagen diese auch mit der Neuregelung nicht unbedingt am Hungertuch, allerdings ist auch nicht einzusehen, warum die Hauptakteure, die letzendlich die Show auch auf das Parkett bringen, auf einmal die Hauptleidtragenden der ganzen Finanzmisere in der NBA seien sollen. Hier sind vielmehr Stern und die Besitzer der Clubs (die auch nicht gerade unvermögens sind, siehe Cuban) gefragt! Auf einem anderen Blatt stehen die absoluten Höhen der Gehälter. Hier ist bei manchen Spielergehältern die Verhältnismäßigkeit scheinbar außer Kraft gesetzt.
Nonvaio01 11.11.2011
2. .....
Zitat von themistoklesNaja, unabhängig davon wie hoch die absoluten Summen sind: Nicht alle Spieler der NBA zählen zu den Top-Verdienern und bei diesen geht es teilweise um Einkommensverluste von beinahe 40 %! Ich möchte man den "normalen Arbeitnehmer" sehen, der diese Einschnitte ohne Proteste hinnehmen würde. Sicherlich nagen diese auch mit der Neuregelung nicht unbedingt am Hungertuch, allerdings ist auch nicht einzusehen, warum die Hauptakteure, die letzendlich die Show auch auf das Parkett bringen, auf einmal die Hauptleidtragenden der ganzen Finanzmisere in der NBA seien sollen. Hier sind vielmehr Stern und die Besitzer der Clubs (die auch nicht gerade unvermögens sind, siehe Cuban) gefragt! Auf einem anderen Blatt stehen die absoluten Höhen der Gehälter. Hier ist bei manchen Spielergehältern die Verhältnismäßigkeit scheinbar außer Kraft gesetzt.
Sehe ich auch so. Ohne die spieler wuerde es gar geine NBA geben, vondaher sollten die auch das meiste Geld bekommen. Was die obergrenze angeht, ist es OK, denn anders als in D werden alle markenrechte (Werbeeinnahmen) der spieler an die NBA abgetreten. Real Madrid macht das auch so, so wird der hohe Lohn der spieler gezahlt. In D, hat jeder spieler sein Gehalt und was er aus Werbiung verdient kann er behalten, dafuer ist das Gehalt weniger als bei Real Madrid und consorten.
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