NBA-Vorschau Osten LeBrons Superteam und Bostons letzte Chance

Die Heat als Favorit: Miamis neues Supertrio um LeBron James verschiebt die Machtverhältnisse in der Eastern Conference. Doch auch die alternden Boston Celtics wittern ihre wohl letzte Chance auf den Titel. Oder gelingt den Orlando Magic die Überraschung?

AFP

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Ein einziger Satz kann eine große Wirkung haben. 1995 verkündete NBA-Legende Michael Jordan sein Comeback mit dem lapidaren Einzeiler "Ich bin zurück". Die Sportwelt stand Kopf und freute sich über Jordans Rückkehr. Auch im Sommer 2010 sorgte ein einziger Satz eines NBA-Profis für Wirbel. "Ich bringe meine Talente nach South Beach." Mit diesen Worten verkündete LeBron James seinen Wechsel zu den Miami Heat. Die Reaktionen jedoch waren alles andere als positiv.

Wenn am Dienstag die NBA-Saison beginnt, wird wohl kein Team so kritisch beäugt wie die Truppe aus Südflorida. Dabei war es die Art und Weise des Abgangs, mit der James bei seinem ehemaligen Club Cleveland Cavaliers und dem Großteil der NBA-Fans für Unmut sorgte. In einer einstündigen Sondersendung des Sportsenders "ESPN" gab der 25-Jährige bekannt, dass er sich den Heat anschließen wird. Während in Florida die Freude riesig war, verbrannten wütende Fans der Cavaliers James' Trikot.

Der Wechsel hat nicht nur für Schlagzeilen gesorgt, sondern auch die Machtverhältnisse in der Eastern Conference dramatisch verschoben. Während Cleveland keine Chance mehr auf den Titel hat, wandelt sich Miami zum Meisterschaftsfavoriten Nummer eins. Immerhin wechselte neben James auch Chris Bosh zu den Heat, die nun mit den beiden Forwards und Dwyane Wade drei der statistisch fünf besten Spieler der vergangenen Saison haben.

Unterstützung erhält das Trio vor allem durch Forward Udonis Haslem und den Distanzexperten Mike Miller, der allerdings vorerst verletzt ausfällt. Den weiteren Spielern fehlt es an Qualität, ob die Mannschaft zudem sofort perfekt harmonieren kann, bezweifelt selbst James. "Boston, Orlando und die Lakers sind vor uns", so der 25-Jährige.

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Zum Saisonauftakt geht es gleich gegen Vizemeister Boston Celtics, für die es die letzte Chance auf die Meisterschaft sein könnte. Die drei größten Stars - Kevin Garnett, Paul Pierce und Ray Allen - sind bereits deutlich über 30 Jahre alt und lassen langsam nach. Schlüssel zum Erfolg ist Point Guard Rajon Rondo. In den abgelaufenen Playoffs spielte der 24-Jährige bis zur Finalserie überragend. Dort stellten sich Los Angeles Lakers jedoch auf ihn ein und nutze seine Schwächen von der Dreier- und Freiwurflinie aus. Trotzdem unterlag der Meister von 2008 gegen Los Angeles erst im entscheidenden siebten Spiel. Von Rondo wird eine deutliche Steigerung in der kommenden Saison erwartet.

Schwer wiegt der Ausfall von Center Kendrick Perkins, der wegen einer Knieverletzung nicht vor Februar zurückerwartet wird. Dafür verstärkten sich die Celtics mit Shaquille O'Neal und Jermaine O'Neal. Die Routiniers sollen Perkins' Ausfall kompensieren, könnten aber auch bei einem möglichen Aufeinandertreffen mit den Orlando Magic sehr wichtig sein.

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Denn für das zweite Team aus Florida steht Dwight Howard in der Mitte. Defensiv dominiert der Center durch seine Athletik, in der Offensive verfügte Howard bislang über zu wenige Waffen. Im Sommer trainierte der 24-Jährige deshalb mit Hakeem Olajuwon, einem der besten Center der NBA-Geschichte. Die Magic hielten trotz des enttäuschenden Ausscheidens in der zweiten Playoff-Runde den Großteil ihrer Mannschaft zusammen. Eine deutliche Leistungssteigerung für die Meisterschaft benötigt Trainer Stan Van Gundy von Orlandos Topverdienern Rashard Lewis und Vince Carter, die bei der Playoff-Niederlage gegen Boston deutlich unter ihren Möglichkeiten blieben.

Steigern müssen sich auch die Atlanta Hawks und Chicago Bulls, denn trotz schwacher Konkurrenz haben sie gegen die Topmannschaften der Eastern Conference bestenfalls Außenseiterchancen. Bei den Hawks stimmte in den Playoffs im Mai nichts mehr. Fast ohne Gegenwehr fertigte Orlando die Hawks ab - mit rund 25 Punkten Differenz pro Partie verlor das Team aus Atlanta. Deshalb musste Coach Mike Woodson gehen, Assistent Larry Drew übernahm. Der Kader blieb hingegen nahezu unverändert.

Joe Johnson wurde mit einem Sechsjahresvertrag und der maximal möglichen Summe von 120 Millionen US-Dollar gehalten - ohne Zwang, denn noch hatte keine andere Mannschaft dem 29-Jährigen ein Angebot unterbreitet. Ob Drew, der noch nie zuvor Chefcoach eines NBA-Teams war, mit den hohen Erwartungen umgehen kann, bleibt abzuwarten.

Die Bulls galten in der vergangenen Saison als Überraschungsmannschaft, im drittgrößten Medienmarkt der USA sind die Erwartungen auch vor der kommenden Spielzeit wieder immens. Zwar folgten weder James noch Bosh den Lockrufen der Bulls, doch von den Utah Jazz kam Carlos Boozer, der einen Vertrag über fünf Jahre und rund 80 Millionen Dollar unterzeichnete. Der Power Forward brach sich jedoch während der Vorbereitung die rechte Hand. Wichtigster Spieler ist Point Guard Derrick Rose, der 2010 zum ersten Mal Allstar wurde. Neben Rose und Boozer verfügen die Bulls noch über zwei weitere Leistungsträger: Center Joakim Noah und Small Forward Luol Deng. Auf der zweiten Guard-Position und der Bank fehlt es Chicago jedoch an Qualität, um ganz oben angreifen zu können.

Lesen Sie im zweiten Teil der NBA-Vorschau: Welche Teams sind die größten Konkurrenten von Meister Los Angeles Lakers im Westen? Und wie steht es um die Titelchancen von Dirk Nowitzki?

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elbdampfer 15.10.2010
1.
Zitat von sysopDie Miami Heat gelten dank den Verpflichtungen LeBron James und Chris Bosh als größter Konkurrent von Meister Los Angeles Lakers. Können Kobe Bryant und Co. den Titel verteidigen? Oder kann ein Außenseiter für eine Überraschung sorgen? Und was ist für Dirk Nowitzki und die Dallas Mavericks möglich?
Ich denke ja. Basketball ist ein Mannschaftssport. Und während die Lakers mit einem eingespielten Team antreten, müssen die Stars in Miami sicher erstmal zueinander finden. Und verletzen darf sich bei denen auch keiner, denn bis auf wenige Ausnahmen sitzt auf der Heat-Bank nur Mittelmaß. Am ehesten die Chicago Bulls. Würde aber nicht darauf wetten... Same procedure as every year. Die Playoffs sind drin - das war´s dann aber auch.
datensklave 25.10.2010
2.
Da kann ich elbdampfer nur zustimmen. Bis auf weiteres sind die Lakers als amtierender Meister das Team, an dem sich die anderen messen lassen müssen, und dabei haben sie in der Saisonpause klammheimlich auch noch mal verstärkt. Das ist beides keine Garantie für eine Titelverteidigung, aber ich würde niemanden höher favorisieren. Die Heat haben auf Grund der individuellen Talente im Kader sicher gute Chancen, da ein Wörtchen mit zu reden, aber wirklich beurteilen können wird man das erst in ein paar Wochen. Auf Erfahrungswerte der Vorsaison kann man ja bei der komplett neu zusammen gestellten Truppe nicht zurückgreifen. Und Überraschung-Teams sehe ich eher im Westen. Der Kampf um die Playoff-Plätze wird hart in der Eastern Conference und sicher wird da der eine oder andere dabei sein, den ich nicht auf der Rechnung habe, aber ein anderes Team in den Conference Finals als die Heat, Celtics und Magic kann ich mir zumindest jetzt nicht vorstellen. Auch bei den Chancen der Mavericks gibt es von mir keinen widerspruch: maximal zweite Playoff-Runde, wie immer.
Don_Corleone, 25.10.2010
3.
Das könnte die Saison der Chicago Bulls werden. Miami halte ich zumindest für überschätzt - wie gesagt zählt nicht der einzelne Spieler (LeBron ist zwar sehr gut, aber nicht so übermenschlich, das er eine mittelmässige Team-Leistung durch die Playoffs mitziehen könnte) Gespannt bin ich auch auf Boston (mein eigentlicher Favorit für die letzte Saison und hätte ja fast geklappt), Phoenix Suns (die sind noch für einige Überraschungen gut - ausserdem chronisch unterschätzt! ) und ansonsten werden natürlich die Lakers wieder einiges abräumen. Dürfte jedenfalls nicht so eine einsetige Saison werden, wie viele sogenannte Experten angesichts der formalen Überlegenheit der Heats befürchten.
tomkey 27.10.2010
4. die üblichen verdächtigen ..
.. werden auch diese saison bestimmen. der heat wird unter besonderer beobachtung stehen, wobei ich glaube, dass sie weit kommen werden, aber letzten endes nicht den neuen champion stellen. ich hoffe auf ein paar überraschungen.. vielleicht durch die nuggets und die mavs, dass die endlich mal weiter in den finals kommen.
elbdampfer 01.11.2010
5.
Zitat von Don_CorleoneDas könnte die Saison der Chicago Bulls werden. Miami halte ich zumindest für überschätzt - wie gesagt zählt nicht der einzelne Spieler (LeBron ist zwar sehr gut, aber nicht so übermenschlich, das er eine mittelmässige Team-Leistung durch die Playoffs mitziehen könnte) Gespannt bin ich auch auf Boston (mein eigentlicher Favorit für die letzte Saison und hätte ja fast geklappt), Phoenix Suns (die sind noch für einige Überraschungen gut - ausserdem chronisch unterschätzt! ) und ansonsten werden natürlich die Lakers wieder einiges abräumen. Dürfte jedenfalls nicht so eine einsetige Saison werden, wie viele sogenannte Experten angesichts der formalen Überlegenheit der Heats befürchten.
Bin ja ein großer Fan von Steve Nash - aber dieses Jahr sind die Suns kaum zu unterschätzen. Stoudemire und Barbosa abgegeben - und wen eigentlich bekommen? Ach ja, Hedo Turkoglu - grins -
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