NBA-Vorschau Westen Kobes Knie und Phils Finale

Die Western Conference jagt den Meister - und der seinen dritten Titel in Folge: Die Lakers gehen auch 2010/2011 als Favorit in die NBA-Saison. Aber die jungen Teams aus Portland und Oklahoma City lauern. Oder kann Dirk Nowitzki mit seinen Dallas Mavericks glänzen?

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Wackelt da was? Kein Körperteil im US-Sport steht derzeit unter intensiverer Beobachtung als das rechte Knie von Lakers-Guard Kobe Bryant. Am 26. Oktober startet die neue NBA-Saison und Los Angeles geht als Favorit in die Hatz um die Meisterschaft. Die Titelchancen steigen und fallen jedoch mit Bryants Fitness. Ende Juli hatte sich der wertvollste Spieler der letzten Finalserie am Knie operieren lassen, zum dritten Mal in seiner Karriere.

Entsprechend nervös reagieren die Medien in der Pazifik-Metropole, jede Gefühlsregung des 31-Jährigen wird diskutiert. Läuft er in einem Testspiel einmal ohne Schutzmanschette auf, und sei es nur für wenige Minuten, ist das so manch Lakers-zentrischer Internetseite eine Nachricht wert. Sitzt der beste Punktesammler des Teams ein Vorbereitungsspiel aus, rumort es in den Foren.

Doch der Star mahnt zur Geduld: "Ich bin mir sicher, dass die Fans mich lieber im Juni auf dem Platz sehen würden", sagte Bryant nach einer Testpartie gegen Utah, in der die Zuschauer vergeblich einen längeren Einsatz des Top-Stars gefordert hatten. Von Ende Mai bis Anfang Juni wird in der NBA die Endspielserie ausgetragen und auch Lakers-Trainer Phil Jackson würde dann wohl niemanden lieber auf dem Platz sehen als einen verletzungsfreien Bryant. Nicht zuletzt, da der Coach seinen Abschied für das Ende der Saison angekündigt hat. Entsprechend sparsam dosiert er die Spielzeit seines Leistungsträgers in der Vorbereitung.

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Auch nach dem Startschuss in die neue Saison könnten es sich die Lakers leisten, Bryant zunächst einmal zu schonen. Denn für das "Projekt Three-Peat", also die Jagd nach dem dritten Titel in Folge, hat sich der Meister verstärkt. Mit Steve Blake steht ein mehr als fähiger Ersatz für den alternden Aufbau-Spieler Derek Fisher bereit. Auch Verteidigungs-Experte Ron Artest bekam mit Matt Barnes einen potentiellen Stellvertreter.

Das Ziel ist klar: Mit einer gut besetzten Reservebank sollen die Top-Spieler in der regulären Saison entlastet werden und möglichst fit in die Playoffs gehen. Dabei kommt der Hollywood-Truppe entgegen, dass sich die Konkurrenz im Westen in Sachen Verstärkung eher zurückgehalten hat.

Ärgster Verfolger des Meisters könnte das junge Team aus Oklahoma City werden. Die Mannschaft um Small Forward Kevin Durant, in der vergangenen Saison mit 21 Jahren der jüngste Top-Scorer der Liga-Geschichte, hatte den Lakers schon in den Playoffs 2010 einen gehörigen Schrecken eingejagt. Sechs Spiele dauerte die Serie im April, es brauchte einen Kraftakt von Bryant und Co., um den frechen Emporkömmling auszuschalten. In der Sommerpause haben die Thunder auf spektakuläre Einkäufe verzichtet.

Wichtigste Personalie war die Vertragsverlängerung mit Durant, der dem Team für weitere fünf Jahre treu bleiben will. Insgesamt setzt Manager Sam Presti auf Kontinuität in seiner jungen Mannschaft. Bleibt diese, so wie im vergangenen Jahr, von Verletzungen weitgehend verschont, könnte sich eine solche Taktik noch weiter auszahlen.

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In Portland hoffen die Trail Blazers ebenfalls auf einen gesunden Kader, wenn auch unter anderen Vorzeichen als Durant und Co. In der zurückliegenden Saison von einer fast schon absurden Verletzungsserie geplagt, standen beim Team aus Oregon teils kaum noch fünf gesunde Spieler im Kader. Haben die Blazers in der kommenden Saison mehr Glück - und kann sich auch der bisher dauerverletzte Top-Draft-Pick Greg Oden einmal längere Zeit auf dem Parkett halten - ist das Team für mehr als 50 Siege gut. Dazu ist die Mannschaft gespickt mit auslaufenden Verträgen, eine weitere Verstärkung im Laufe der Saison scheint also wahrscheinlich. Bei einem weniger dramatischen Verlauf als in der abgelaufenen Spielzeit streiten sich Blazers und Thunder um den zweiten Platz im Westen.

Und Dirk Nowitzki und die Dallas Mavericks? Auch der Deutsche bleibt seinem Verein treu und verzichtet dabei auf eine Menge Geld. Statt den maximal möglichen 96 Millionen Dollar lässt sich Nowitzki seine Dienste in den nächsten vier Jahren mit "nur" 80 Millionen Dollar vergüten. Damit eröffnet er seinem Club finanziellen Spielraum und die Chance, weiter an einem wettbewerbsfähigen Kader zu feilen. Als größte Verstärkung kam Center Tyson Chandler aus Charlotte. Der 216-Zentimeter-Riese bringt vor allem defensive Fachkenntnis nach Texas.

Mit allen fünf potentiellen Startern jenseits der 30 Jahre schicken die Mavericks eines der ältesten Teams der Liga ins Rennen. Ob hier die enorme Erfahrung oder die Anfälligkeit für Verletzung und Ermüdung die Oberhand gewinnt, bleibt abzuwarten. Erfüllt Dallas die Erwartungen in der ersten Saisonhälfte nicht, dürfte Besitzer Mark Cuban auch spektakuläre Spielerwechsel nicht scheuen.

Auch der Texas-Rivale aus San Antonio setzt mit Tim Duncan, Manu Ginobili und Tony Parker auf einen alternden Mannschaftskern. Die bittere 0:4-Pleite gegen Phoenix im Conference-Halbfinale war ein Alarmsignal für die Clubführung des Meisters von 2007. Das Team hat reagiert und um das Top-Trio junge Spieler versammelt, die vor allem die Härten der regulären Saison von den Leistungsträgern nehmen können.

Zu einem weiteren Angriff auf den Titel kann es für San Antonio aber nur reichen, wenn die drei Stars gesund bleiben und sich der altersbedingte Leistungsabbau in Grenzen hält. Beides scheint nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre kaum wahrscheinlich.

Welche Mannschaft setzt sich im Osten durch? Schafft das neue Top-Team um LeBron James in Miami im ersten Jahr den Sprung an die Spitze? Oder haben die alternden Boston noch genug Reserven? Zur Vorschau der Eastern Conference gelangen Sie hier.

insgesamt 38 Beiträge
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elbdampfer 15.10.2010
1.
Zitat von sysopDie Miami Heat gelten dank den Verpflichtungen LeBron James und Chris Bosh als größter Konkurrent von Meister Los Angeles Lakers. Können Kobe Bryant und Co. den Titel verteidigen? Oder kann ein Außenseiter für eine Überraschung sorgen? Und was ist für Dirk Nowitzki und die Dallas Mavericks möglich?
Ich denke ja. Basketball ist ein Mannschaftssport. Und während die Lakers mit einem eingespielten Team antreten, müssen die Stars in Miami sicher erstmal zueinander finden. Und verletzen darf sich bei denen auch keiner, denn bis auf wenige Ausnahmen sitzt auf der Heat-Bank nur Mittelmaß. Am ehesten die Chicago Bulls. Würde aber nicht darauf wetten... Same procedure as every year. Die Playoffs sind drin - das war´s dann aber auch.
datensklave 25.10.2010
2.
Da kann ich elbdampfer nur zustimmen. Bis auf weiteres sind die Lakers als amtierender Meister das Team, an dem sich die anderen messen lassen müssen, und dabei haben sie in der Saisonpause klammheimlich auch noch mal verstärkt. Das ist beides keine Garantie für eine Titelverteidigung, aber ich würde niemanden höher favorisieren. Die Heat haben auf Grund der individuellen Talente im Kader sicher gute Chancen, da ein Wörtchen mit zu reden, aber wirklich beurteilen können wird man das erst in ein paar Wochen. Auf Erfahrungswerte der Vorsaison kann man ja bei der komplett neu zusammen gestellten Truppe nicht zurückgreifen. Und Überraschung-Teams sehe ich eher im Westen. Der Kampf um die Playoff-Plätze wird hart in der Eastern Conference und sicher wird da der eine oder andere dabei sein, den ich nicht auf der Rechnung habe, aber ein anderes Team in den Conference Finals als die Heat, Celtics und Magic kann ich mir zumindest jetzt nicht vorstellen. Auch bei den Chancen der Mavericks gibt es von mir keinen widerspruch: maximal zweite Playoff-Runde, wie immer.
Don_Corleone, 25.10.2010
3.
Das könnte die Saison der Chicago Bulls werden. Miami halte ich zumindest für überschätzt - wie gesagt zählt nicht der einzelne Spieler (LeBron ist zwar sehr gut, aber nicht so übermenschlich, das er eine mittelmässige Team-Leistung durch die Playoffs mitziehen könnte) Gespannt bin ich auch auf Boston (mein eigentlicher Favorit für die letzte Saison und hätte ja fast geklappt), Phoenix Suns (die sind noch für einige Überraschungen gut - ausserdem chronisch unterschätzt! ) und ansonsten werden natürlich die Lakers wieder einiges abräumen. Dürfte jedenfalls nicht so eine einsetige Saison werden, wie viele sogenannte Experten angesichts der formalen Überlegenheit der Heats befürchten.
tomkey 27.10.2010
4. die üblichen verdächtigen ..
.. werden auch diese saison bestimmen. der heat wird unter besonderer beobachtung stehen, wobei ich glaube, dass sie weit kommen werden, aber letzten endes nicht den neuen champion stellen. ich hoffe auf ein paar überraschungen.. vielleicht durch die nuggets und die mavs, dass die endlich mal weiter in den finals kommen.
elbdampfer 01.11.2010
5.
Zitat von Don_CorleoneDas könnte die Saison der Chicago Bulls werden. Miami halte ich zumindest für überschätzt - wie gesagt zählt nicht der einzelne Spieler (LeBron ist zwar sehr gut, aber nicht so übermenschlich, das er eine mittelmässige Team-Leistung durch die Playoffs mitziehen könnte) Gespannt bin ich auch auf Boston (mein eigentlicher Favorit für die letzte Saison und hätte ja fast geklappt), Phoenix Suns (die sind noch für einige Überraschungen gut - ausserdem chronisch unterschätzt! ) und ansonsten werden natürlich die Lakers wieder einiges abräumen. Dürfte jedenfalls nicht so eine einsetige Saison werden, wie viele sogenannte Experten angesichts der formalen Überlegenheit der Heats befürchten.
Bin ja ein großer Fan von Steve Nash - aber dieses Jahr sind die Suns kaum zu unterschätzen. Stoudemire und Barbosa abgegeben - und wen eigentlich bekommen? Ach ja, Hedo Turkoglu - grins -
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