NBA-Finalist Golden State Warriors Die Re-Revolution

Die Golden State Warriors haben in den vergangenen Jahren den Basketball revolutioniert, zum fünften Mal in Folge stehen sie im NBA-Finale. Gegner Toronto muss nun eines der letzten Rätsel der Liga lösen.

Stephen Curry (l.) und Draymond Green
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Stephen Curry (l.) und Draymond Green

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Die Golden State Warriors können Geschichte schreiben. Als viertes Team in der NBA-Historie haben sie die Chance auf einen "Threepeat". In den vergangenen 50 Jahren gelang dies nur zwei anderen Teams. Das erste Spiel der diesjährigen Endspielserie gegen die defensivstarken Toronto Raptors mit Kawhi Leonard verloren die Warriors jedoch 109:118 (49:59) - trotz 34 Punkten von Superstar Stephen Curry, der nun mehr denn je im Mittelpunkt steht.

Curry ist zurzeit - verhältnismäßig - auf sich allein gestellt. Normalerweise sind die Warriors ein Star-Ensemble, das insgesamt 29 All-Star-Nominierungen vorweist. Verletzungen bereiten dem zweifachen Titelverteidiger dieses Jahr jedoch Sorgen: Erst im Januar hatte der neu verpflichtete Center DeMarcus Cousins nach einem Achillessehnenriss sein Comeback gegeben. Von einem Muskelfaserriss im Oberschenkel erholte er sich zwar rechtzeitig für die Finals, in seinem ersten Spiel seit sechs Wochen wirkte Cousins aber wie ein Fremdkörper und konnte nur wenig beisteuern.

Derzeit verletzt: Kevin Durant (r.)
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Derzeit verletzt: Kevin Durant (r.)

Deutlich gravierender ist der Ausfall von Kevin Durant, mit 34,2 Punkten pro Partie der beste Scorer der K.-o.-Runde. Durant befindet sich auf dem Höhepunkt seines Könnens, während der Playoffs wurde der 30-Jährige mehrfach als bester Spieler der Welt bezeichnet. Dann zerrte er sich in der zweiten Runde gegen die Houston Rockets die Wade. Ob er in den Finals noch zum Zug kommen wird, steht auf der Kippe.

Genauso fraglich ist Durants Zukunft bei Golden State: Nach der Saison läuft sein Vertrag aus und jedes Team mit ausreichend Gehaltsspielraum wird wohl anklopfen. Für die Warriors könnte es der letzte Anlauf mit diesem historisch starken Kader sein.

Nur noch eins fehlt

Nach zehn Jahren in der NBA macht Currys Resümee Eindruck: Innerhalb von vier Jahren hat er drei Titel gewonnen und wurde zweimal zum wertvollsten Spieler der regulären Saison gewählt. Mit seiner Spielweise revolutionierte der Point Guard den Sport, Curry stelle reihenweise Rekorde bei Dreipunktewürfen auf. Laut der Statistiken ist er der beste Distanzschütze in der Geschichte. Wer ihn spielen sieht, erkennt seine Klasse aber auch so.

Ein besonders prestigeträchtiger Erfolg fehlt Curry aber noch: der des wertvollsten Spielers der Finalserie (Finals MVP). Ein halbes Jahrzehnt lang ging die Auszeichnung stets an LeBron James oder an denjenigen, der ihn in den Finals decken musste (Kawhi Leonard 2014 und Andre Iguodala 2015). Nachdem er sich im Sommer 2016 den Warriors angeschlossen hatte, gewann Durant den Award in den vergangenen beiden Saisons.

Für Curry selbst steht die Auszeichnung "weit unten auf der Liste" der Dinge, um die es in diesen Finals geht: "Ich weiß, dass ich auf einem sehr hohen Niveau spielen muss. Ob das nun einen Finals MVP bedeutet oder nicht, wird sich ergeben", sagte Curry vor dem ersten Spiel.

Eine kleine Zeitreise

Vor einigen Jahren noch hatte Golden State keine namhaften Zugänge wie Durant oder Cousins vorzuweisen. Der Mannschaftskern, bestehend aus Curry, Klay Thompson und Draymond Green, wurde zwischen 2009 und 2012 per Draft verpflichtet. Während Thompson und Curry wegen ihrer Distanzwürfe von Fans und TV-Kommentatoren "Splash Bros" getauft wurden, bildet Green heimlich die stärkere Synergie mit Curry.

Das Pick-and-Roll der beiden gehört zu den letzten ungelösten Rätseln der NBA. Dabei hat Curry den Ball, während Green sich Currys Gegenspieler in den Weg stellt, wodurch dieser Curry im Idealfall nicht mehr folgen kann. Greens Qualitäten als Spielmacher machen ihn zum perfekten Partner für diesen Spielzug.

Im Halbfinale gegen die Portland Trail Blazers mussten die Warriors bereits ohne Durant und Cousins auskommen - und spielten plötzlich wieder, als wäre es 2015. Damals lief der Angriff über Curry und Green, während Thompson und die anderen Mitspieler als Anspielstationen ständig in Bewegung waren und somit Räume für Curry schufen. Insbesondere Green blühte im Spielfluss der "alten" Warriors-Offensive auf.

Ob Golden State gegen die Raptors in den Finals zurückkommen kann, hängt wohl am stärksten von Durants Wade ab. Im Angriff, und auch in der Verteidigung, fügt er dem Team eine weitere Facette hinzu, die jeden Gegner vor große Probleme stellt. Bis dahin gilt es für die Warriors, sich möglichst auf die alten Tugenden zu besinnen.

Redaktion: Wir hatten im ersten Absatz ein falsches Endergebnis genannt. Diesen Fehler haben wir korrigiert.



insgesamt 3 Beiträge
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rocketsquirrel 31.05.2019
1. Naja...
...es ist fraglich ob Pascal Siakam von den Raptors noch einmal eine derart starke Partie spielt, letztlich haben seine 14 von 17 Würfen inklusive zwei Dreier den Unterschied gemacht. Ich finde übrigens dass die Dubs ohne KD ein besseres Spiel machen. Auch wenn sich Steph Curry in den letzten Wochen deutlich mannschaftsdienlicher (oder besser für KD zugearbeitet) gespielt hat und zeitgleich mehr mit Handles und Layups glänzte als mit Dreiern, hat KD durch seine- zugegebenermaßen bärenstarke - Performance das Team insgesamt eher geschwächt. Die Dubs brauchen keinen Superstar, dass Team ist der Star.
bigmitt 31.05.2019
2. Green ist für ....
....mich der Schlüsselspieler. Macht die Drecksarbeit und ist endlich wieder durchtrainiert, nachdem er sich im Winter etwas hat gehen lassen. Durch den gestrigen Sieg der Raptors kann es tatsächlich sein das die Finals mal wieder über 7 Spiele gehen.
phiasko76 01.06.2019
3. Ich denke auch,
dass es sehr gut eine Serie über 7 Spiele werden kann. Es ist schon bemerkenswert, wie sehr sich Toronto mit Kawhi verändert hat. Der Junge hat das Team auf ein völlig neues Niveau gehoben, va mental sind die ja jetzt bärenstark. Auch Gasol wird seinen Teil dazu beitragen, dass Ruhe und Abgeklärtheit auch in engen Partien herrscht. Drücke den Raptors wirklich die Daumen, dass sie den Titel holen..
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