Neu-Nationalspieler Kaman Zwischen Hoffnung und Gefahr

Die Einbürgerung des NBA-Profis Chris Kaman polarisiert: Mit der Teilnahme des Centers am Olympia-Qualifikationsturnier setze das deutsche Nationalteam seine Glaubwürdigkeit aufs Spiel, sagt Sascha Klettke. Er ist eine Verstärkung auf Jahre hinaus, erwidert Frieder Pfeiffer.


Vom NBA-Team Los Angeles Clippers in der NBA ins deutsche Nationalteam: Für Chris Kaman war dieser Gedanke im vergangenen Jahr noch sehr weit weg. Doch weil seine Großeltern, die während des Zweiten Weltkriegs in die USA einwanderten, aus Norddeutschland kamen, fand sich eine Verbindung - und ganz schnell ein Weg zur Zusammenkunft.

Center Kaman (r.): Gewinn oder Glaubwürdigkeitsverlust?
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Center Kaman (r.): Gewinn oder Glaubwürdigkeitsverlust?

In dieser Woche bekam der 26-jährige Center einen deutschen Pass aufgrund eines "herausragenden öffentlichen Interesses". In der nächsten Woche bereits soll er das deutsche Nationalteam verstärken und mithelfen, dass sich die Auswahl beim vorolympischen Turnier in Athen (14. bis 20. Juli) für die Spiele in Peking qualifiziert.

Zugewinn oder zweifelhafte Verstärkung? Der neue Nationalspieler weckt in der SPIEGEL-ONLINE-Redaktion unterschiedliche Reaktionen.

Wieso die Nationalmannschaft ihre Glaubwürdigkeit aufs Spiel setzt
Von Sascha Klettke

Wieso Kaman ein Glücksfall für das DBB-Team ist
Von Frieder Pfeiffer

insgesamt 11 Beiträge
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Seite 1
don_tango 04.07.2008
1. Gut
Ich finds okay wenn er für Deutschland spielt. Wie schon geschrieben, ist es in anderen Sportarten doch auch gang und gebe. Außerdem kann es für die jungen Nachwuchsspieler nur förderlich sein, wenn so ein Profi sie mitreisst. Die Zeiten ändern sich.
gs755 04.07.2008
2. Entlastung für Nowitzki
Bei allen Qualitäten von Nowitzki war die Qualifikation für Olympia bisher ja sowieso ungewiss. Beim Quali-Turnier gibt es durchaus 4-5 gute Konkurrenten für die 3 Tickets. In letzter Zeit war die Unterstützung für Dirk aus dem Rest des eigenen Teams einfach zu gering. Er kann zwar unheimlich viel, aber nicht, wenn er ständig in Doppeldeckung genommen wird, die anderen deutschen Spieler die entstehenden Freiräume jedoch nicht konsequent nutzen. Mit Kaman hat man nun einen weiteren gefährlichen Spieler im Angriff, der auch in der Defense eine große Entlastung für Dirk sein wird. Damit wird Nowitzki sicherlich wieder zu mehr "leichten" Punkten kommen. So wird die Qualifikation ein ganzes Stück wahrscheinlicher. Damit würden dann auch die Talente profitieren, die dann mitdürften anstatt das olympische Turnier vom TV aus miterleben zu müssen.
Alex_Titleist 04.07.2008
3. --
Ich bin mir nicht sicher, ob die Teilnahme an Olympia, so die Qualifikation dann geschafft ist, den "Jungen Talenten" dann soviel bringt, als wenn sie die Qualifikation ohne Kaman hätten spielen müssen. Die Verantwortlichkeiten und Anforderungen sind doch nun nicht mehr so hoch. Darüber hinaus ist der Basketball auf professioneller Ebene in Deutschland an sich, und vor allem auch was das mediale Erscheinungsbild betrifft, eher schwach auf der Brust. Welches Ausmass hätte wohl eine Berichterstattung über einen vor der Fussball-EM eingebürgerten Fussballspieler aus Brasilien angenommen?
gs755 04.07.2008
4. Kaman killt deutsche Talentförderung im Alleingang? Wohl kaum.
Einfach wird es jetzt noch immer nicht. Mannschaften wie Griechenland, Kroatien und Kanada sind noch immer Hürden, die genommen werden müssen. Kaman und Nowitzki alleine werden es gegen diese abgezockten Mannschaften nicht alleine schaffen können. Der Rest der Mannschaft ist noch immer gefragt. Kaman ist sicherlich den deutschen Centern um einiges voraus. Er ist vom Format aber sicher noch nicht mit einem Nowitzki zu vergleichen. Ich bezweifle trotzdem, dass es in den nächsten Jahren nochmal eine so große Chance für eine Olympiateilnahme geben wird. Wenn nicht jetzt, dann vielleicht in 20 Jahren... Für die Türkei und Polen haben übrigens ehemalige Brasilianer bei der Fußball-EM gespielt, die ihre neue "Heimatsprache" wohl kaum mehr beherrschten als Kaman. Die Presse in diesen Ländern ist wohl kaum zurückhaltender als die deutsche. Trotzdem ist dort nicht die Welt aus den Fugen geraten. Diese Diskussion ist wohl mal wieder eine typisch deutsche. Wenn man sich um die deutschen Talente Sorgen macht, dann wohl kaum wegen einem eingebürgerten Spieler. Da ist wohl eher die Jugendarbeit der Vereine gefragt. Im Schwimmen, Turnen, Handball oder in der Leichtathletik gab es außerdem schon entsprechende Präzedenzfälle im deutschen Sport und da hat nun wirklich kein Hahn danach gekräht.
Child 05.07.2008
5. Von wegen Platz wegnehmen ...
Ist doch Unsinn - "den jungen Talenten den Platz wegnehmen". Bauermann könnte ganz einfach den Herrn Femerling zuhause lassen. Wenn man ehrlich ist, dann hat der schon bei den letzten beiden großen Turniern dem Team nur noch Probleme bereitet und keine Leistung gebracht.
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