New Jersey Nets Ein Kidd als Erlöser

Neue Hoffnung in New Jersey: Anfang des neuen Jahrtausends hauchte Point Guard Jason Kidd den Nets frisches Leben ein. Im dritten Teil der Serie über die Nets-Clubhistorie zeigt das "FIVE"-Magazin, wie das Team im NBA-Finale erst an den Lakers scheiterte - und nun auf russische Millionen hofft.

Aufbauspieler Kidd (r.): Hoffnungsträger der Nets
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Aufbauspieler Kidd (r.): Hoffnungsträger der Nets

Von Jens Möller


Dies ist der dritte Teil der "FIVE"-Clubgeschichte der New Jersey Nets. Zum ersten Teil gelangen Sie hier, Teil zwei finden Sie hier.

Während der Verkauf von Julius "Dr. J" Erving die schlechteste Entscheidung in der Geschichte der Nets war, ist die Verpflichtung von Jason Kidd vor der Saison 2001/2002 der größte Geniestreich. New Jersey holt den Spielmacher im Tausch für Stephon Marbury von den Phoenix Suns. Mit Kidd - und Rookie Richard Jefferson - verdoppeln die Nets ihre Siege im Vergleich zum Vorjahr (Bilanz: 52:32) und gewinnen zum ersten Mal in ihrer Geschichte die Atlantic Division.

Im fünften Spiel der ersten Runde liefert sich das Team eine echte Schlacht mit den Indiana Pacers und zieht nach drei Verlängerungen ins Conference-Halbfinale ein. Nach Siegen über die Charlotte Hornets und die Boston Celtics stehen die Nets im ersten Endspiel um einen Titel seit 1976 (damals noch als New York Nets). Aber Shaquille O'Neal, Kobe Bryant und die Los Angeles Lakers erweisen sich als übermächtig, die Serie geht ohne Nets-Sieg zu Ende.

In der Folgesaison 2002/2003 ergänzt Center Dikembe Mutombo die starke Starting Five um Kidd, Jefferson, Kerry Kittles und Kenyon Martin. Die Nets erreichen das NBA-Finale, wo sie aber erneut den Kürzeren ziehen, dieses Mal gegen Tim Duncan und die San Antonio Spurs (2:4).

Mit Kidd als Regisseur erlebt die Franchise die konstanteste Erfolgszeit ihrer Geschichte mit sechs Playoff-Teilnahmen in Folge. Aber obwohl Forward Vince Carter die Mannschaft 2004 verstärkt, können die Nets nicht an die Anfangserfolge anknüpfen. Im Frühjahr 2007 gewinnt das Team zehn der letzten 13 Partien und spurtet erst auf den letzten Metern in die Playoffs.

Legendäres fünftes Spiel gegen Cleveland

Das fünfte Spiel im Conference-Halbfinale gegen LeBron James und die Cleveland Cavaliers geht in die Geschichtsbücher ein, weil die Nets nur sechs Punkte im letzten Viertel erzielen, aber trotzdem gewinnen (83:72). Die Cavs entscheiden letztlich die Serie für sich. Es bleibt der bis dato letzte Post-Season-Auftritt für New Jersey.

In der Folge geht auch die Ehe zwischen Kidd und den Nets in die Brüche. Der Star setzt in der Saison 2007/2008 wegen ominöser Verletzungen aus, während sein Team von Niederlage zu Niederlage taumelt. Jahrelang war Kidd in New Jersey unantastbar. Trotzdem geben die Nets ihn schließlich an die Dallas Mavericks ab und bekommen im Gegenzug Nachwuchshoffnung Devin Harris. Während die Nets wieder im NBA-Niemandsland verschwinden, bricht das einstige Dreigestirn auseinander. Richard Jefferson wird im Sommer 2008 nach Milwaukee abgeschoben, in der abgelaufenen Offseason geht Vince Carter zu den Orlando Magic.

Die aktuellen Hoffnungsträger heißen Harris, Brook Lopez, Yi Jianlian und Courtney Lee - eine junge Truppe, die noch einige Zeit brauchen wird, bis sie um die Playoffs mitspielen kann. In der vergangenen Saison zeigte die Mannschaft immerhin schon phasenweise gute Ansätze - vor allem Neu-All-Star Devin Harris. Die aktuelle Spielzeit eröffnete das Team allerdings einen rekordverdächtigen Fehlstart.

Hoffnung auf Brooklyn und Millionen aus Russland

Ein noch wichtigerer Bestandteil in den Plänen der Nets ist der Umzug in den New Yorker Stadtteil Brooklyn. Die Franchise soll endlich wieder in den "Big Apple" zurückkehren, nachdem sich zu den Fans in New Jersey nie ein inniges Verhältnis entwickelt hat. Das Umzugsdatum musste aber immer wieder verschoben werden, weil sich der Bau der neuen 800 Millionen US-Dollar teuren Arena - die Teil eines riesigen Immobilienkomplexes werden soll - verzögert.

Erst klagten Anwohner aus Brooklyn gegen das Bauprojekt, dann brachte die weltweite Finanzkrise den Nets-Besitzer Bruce Ratner in finanzielle Nöte. Die Brooklyn-Pläne soll nun der russische Milliardär Mikhail Prokhorov retten, der einem Kauf von 80 Prozent der Anteile an der Franchise für 200 Millionen US-Dollar zugestimmt hat. Wenn die NBA der Übernahme zustimmt, wäre Prokhorov der erste Mehrheitsbesitzer einer NBA-Franchise, der nicht aus Nordamerika kommt.

Wird der Milliardär - wie eine russische Version von Mavericks-Mogul Mark Cuban - Unsummen für sein neues Spielzeug ausgeben, oder will Prokhorov durch den Umzug nach Brooklyn nur Geld verdienen? Diese Frage macht in New Jersey die Runde. Der Bau der neuen Arena hat noch immer nicht begonnen, mindestens zwei Jahre werden die Nets noch in New Jersey spielen müssen.

Immerhin: Einen klitzekleinen Erfolg haben die Nets in der Offseason schon errungen. Der Deal mit dem russischen Milliardär sorgte für so viel medialen Trubel, dass die Nets die New York Knicks in den Schlagzeilen ausnahmsweise einmal weit hinter sich ließen.



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