SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

07. November 2017, 09:51 Uhr

Testlauf für neue Regeln

So will sich das Tennis neu erfinden

Von Philipp Joubert

Kürzere Sätze, mehr Action: Beim Turnier in Mailand versucht sich der Verband daran, den Tennissport zu modernisieren. Die wichtigsten Änderungen im Überblick.

Der letzte Höhepunkt der Saison steht kurz bevor: Ab kommenden Sonntag stehen sich in London bei den ATP Finals die acht weltbesten Tennisspieler gegenüber. Weniger Beachtung wird das bereits am Dienstag startende Turnier in Mailand finden, die NextGen ATP Finals. Dabei ist das, was der Verband dort ausprobiert, nicht nur sehr interessant. Es könnte den Tennissport grundlegend verändern.

Unter der Marke NextGen sollen die acht vielversprechendsten Talente bis 22 Jahre vermarktet werden, die nächste Generation eben. Auch Alexander Zverev wäre dabei gewesen, wenn er sich nicht für die Finals in London qualifiziert hätte. Interessanter als der sportliche Ausgang des Next-Gen-Turniers ist aber der Umstand, dass die ATP ihre Veranstaltung vor allem als Versuchsplatz für neue Regeln nutzt. Vor allem aus Sicht der Vermarkter ein überfälliges Unterfangen: Dass diese sich nach schnelleren Formaten und mehr Spektakel sehnen, ist seit Jahren bekannt.

Neue Saiten- und Schlägertechnologien sowie die immer bessere Athletik der Spieler haben aus zu vielen Matches vor allem Durchhaltewettbewerbe gemacht. Das belastet nicht nur die Protagonisten, sondern lässt die Verantwortlichen um die Aufmerksamkeit der Zuschauer fürchten. Vor allem Jugendliche, so sehen es viele Veranstalter, haben keine Lust mehr auf mehrstündige Duelle.

So gibt es in Mailand eine Reihe von kleineren Neuerungen, darunter festgelegte Startzeiten der einzelnen Spiele. Bisher werden bei Turnieren meist die ersten Partien auf einem Platz terminiert, die nachfolgenden Matches beginnen anschließend nach einer kurzen Pause. Außerdem wird in Mailand das Coaching von der Tribüne erlaubt, und die Linienrichter werden komplett durch die Hawkeye-Technologie ersetzt.

Die wichtigsten Tests aber gehen tiefer in die Strukturen:

In Mailand könnten die Änderungen für manchen zu viel auf einmal sein. Doch das Ausprobieren von alternativen Formaten und Spielmethoden ist eine Chance für den Sport, wie sich schon beim Laver Cup gezeigt hat. Zumindest kann es das Tennis ordentlich durchlüften.

Eine naheliegende Veränderung fehlt dagegen aktuell im ATP-Programm: Die Modifizierung der Bodenbeläge. Mittlerweile ähneln sich die Courts stark, selbst die Unterschiede zwischen schnellen wie Rasen in Wimbledon und langsamen wie Sand in Paris sind geringer geworden. Dieser Entwicklung entgegenzuwirken, wäre nicht ganz so kompliziert, könnte dem Tennis aber seine Vielfalt zurückgeben.

URL:

Verwandte Artikel:


© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung