NFL-Spieler Antonio Brown Probleme von Kopf bis Fuß

Drei Teams in einem Kalenderjahr: Antonio Browns Debüt beim NFL-Champion New England Patriots steht bevor - und das nach einer Serie von Skandalen, deren vorläufiger Höhepunkt eine Vergewaltigungsklage ist.

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Im Dezember 2018 war noch alles gut. Antonio Brown spielte bei den Pittsburgh Steelers, sein Team gehörte zu den Titelanwärtern und er mit damals 30 Jahren bereits zu den besten Wide Receivern der NFL-Geschichte. Jetzt, am kommenden Sonntag, steht Browns Debüt für die New England Patriots mit Tom Brady an, sein drittes Team in diesem Kalenderjahr. Im März war Brown per Trade zu den Oakland Raiders gewechselt, von denen er jedoch vergangenen Sonntag auf eigenen Wunsch hin entlassen wurde. Sechs Stunden später hatte er einen Vertrag beim Titelverteidiger.

Seit dem vorletzten Spiel der Vorsaison ist Chaos in Browns Karriere ausgebrochen, zu großem Teil selbst verursacht - möglicherweise aus Kalkül. Football-Experten in den USA befinden sich in Rage, werfen dem Receiver unprofessionelles Verhalten vor. "ESPN"-Journalist Stephen A. Smith sagte, Browns Familie solle "sich schämen", der frühere Steelers-Quarterback sagte, er würde "niemals zu ihm werfen".

Vor neun Monaten galt Brown noch als Ausnahmetalent - extrovertiert, aber nicht destruktiv oder gar bösartig. Jahrelang hatte der 1,78 Meter große Profi Argumente für sich als bester Passempfänger der Liga geliefert. Nun ist sein Ruf zerstört. Was ist passiert?

Zunächst war Brown in Oakland willkommen, dann machte er sich bei den Fans schnell unbeliebt
Thearon W. Henderson / AFP

Zunächst war Brown in Oakland willkommen, dann machte er sich bei den Fans schnell unbeliebt

Am letzten Spieltag vergangener Saison benötigte Pittsburgh im Kampf um die Playoffs noch einen Sieg gegen die Cincinnati Bengals. Wegen eines Streits mit Quarterback Ben Roethlisberger kam Brown nicht zum Training und im Spiel nicht zum Einsatz. Die Steelers verloren, sechs Wochen später forderte Brown einen Trade und wurde daraufhin nach Oakland geschickt.

Der Auftakt der Oakland-Ära war ein denkwürdiger: Als Anfang August die Saisonvorbereitung bevorstand, zeigte Brown seine Füße bei Instagram. Bei einer Kryotherapie (Kältebehandlung) hatte der 31-Jährige nicht die entsprechenden Schuhe getragen und sich deshalb Frostbeulen zugezogen. Das Trainingslager verpasste er größtenteils, wofür die Raiders Bußgelder verhängten.

Knapp eine Woche nach dem Instagram-Post reichte Brown eine Beschwerde bei der NFL ein, weil er aufgrund neuer Richtlinien nicht mehr seinen alten Helm tragen darf. Sollte er zu einem neuen Helm gezwungen werden, würde er seine Karriere beenden. Während des Prozesses verpasste er weitere Trainingseinheiten. Letztlich scheiterte er mit seiner Klage.

Nach einem weiteren Instagram-Post eskalierte die Lage zwischen Spieler und Team. Brown hatte einen Brief des Raiders-Managers Mike Mayock fotografiert, der ihn über 54.000 US-Dollar Strafe wegen unentschuldigten Fehlens benachrichtigte. Tags darauf kam es zum persönlichen Treffen, währenddessen Brown laut Medienberichten von mehreren Mitspielern zurückgehalten werden musste. Die nächsten 72 Stunden wurden interessant.

"Sie haben mich befreit, Oma!"

Zunächst entschuldigte sich Brown beim Team, und Cheftrainer Jon Gruden sagte, er würde beim Saisonauftakt spielen. Wenig später forderte der Star-Receiver dann plötzlich die Vertragsauflösung, weil ihm aufgrund seiner versäumten Pflichten Gehalt gestrichen worden war. Begleitet wurde dies durch ein YouTube-Video, für das Brown offenbar ein Telefonat mit seinem Trainer Gruden mitgeschnitten hatte, was in Kalifornien illegal ist.

Die Raiders, offenbar froh über die Gelegenheit, ließen ihn gehen - und Brown feierte: "Sie haben mich befreit, Oma!" brüllte er, als er die Neuigkeit erfuhr. Noch am gleichen Tag stand eine Einigung mit den Patriots fest: eine Saison für rund 15 Millionen US-Dollar inklusive einer Option für das Folgejahr.

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Brown ist der große Gewinner des Zirkus', den er selbst veranstaltet hat. Bei den Steelers war er ein Superstar, spielte aber nie um den Titel mit. Die Raiders hätten auch mit ihm nur Außenseiterchancen auf die Playoffs gehabt. Nun spielt er beim mit drei Titeln aus den vergangenen fünf Jahren erfolgreichsten Team der Liga - und bekommt dafür nur etwas weniger Gehalt als zuvor.

Die Schlüsselfigur in Massachusetts wird der Cheftrainer sein: Bill Belichick, 67, ist ein harter Knochen, der seinem Team Fleiß und Disziplin abverlangt. Die Patriots sind von einem Arbeitsethos geprägt, der die Konzentration auf den Sport gewährleistet und vor allem für eines sorgt: Ruhe. Doch gerade als diese für Brown endlich in Reichweite schien, platzte am Dienstag die nächste Bombe.

Vorwurf der Vergewaltigung

Eine Frau namens Britney Taylor, die Brown der Klageschrift zufolge während seiner Zeit an der Central Michigan University kennengelernt haben soll, beschuldigt den Football-Star in den folgenden Punkten: Sexuelle Gewalt, Körperverletzung, Freiheitsberaubung und Verletzung der Privatsphäre.

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Antonio Browns Karriere: Superstar mit Attitüde

Im Juni 2017 arbeitete Taylor demnach als Trainerin für Brown. Damals soll der NFL-Profi Taylor zweimal zu sexuellen Handlungen genötigt haben, woraufhin die Frau ihr Arbeitsverhältnis zu Brown beendete. Am 20. Mai 2018, nachdem Taylor laut Klageschrift die Arbeit für Brown wieder aufgenommen hatte, soll es dann zur Vergewaltigung gekommen sein. Seitdem habe Taylor mit Panikattacken und Suizidversuchen zu kämpfen.

Brown reagierte offensiv: Taylor habe ihm 2017 ein Investment vorgeschlagen, sie habe den damals bestbezahlten Receiver der NFL reinlegen wollen. Alle Anschuldigungen seien falsch, jegliche sexuelle Interaktion sei einvernehmlich gewesen.

Ein Sprecher der Patriots sagte der "New York Times", die zuerst von der Klage berichtet hatte, das Team habe zum Zeitpunkt der Verpflichtung nichts von dem Fall gewusst. Man nehme die Anschuldigungen sehr ernst, wolle aber zunächst die Untersuchungen der NFL abwarten. Die Liga selbst verzichtete darauf, Brown zu suspendieren.

Zumindest vorerst.



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bigmitt 15.09.2019
1. Mir ist zwar bekannt....
...das Stephan A. Amith ein großer Steelers Fan ist, aber das er jemals dort Quarterback war ist wohl falsch. Terry Bradshaw , Steelers QB Legende wurde so erst diese Woche auf ESPN zitiert ( würde Brown keinen Ball zuwerfen) Ich wünsche Brown das er mit seinem Verhalten auf die Schnauze fällt. Er wollte nie für die Raiders spielen, das zeigte seine Getue als er mit seiner Oma "telefonierte um ihr vom Wechsel zu den Pats zu erzählen um dann " frei wie ein Adler "durch seinen Garten gerannt ist. Ein gewisses Diventum ist sicher normal bei Receivern aber um bei Stephan A. Smith zu bleiben. " Selbst Diven sind schockiert wie viel Diva A.B. ist"
achilles2017 15.09.2019
2. Er paßt genau...
zu den Patriots, das zeigt nun einmal mehr deutlich den Charakter der Franchises. Wahrscheinlich wurde das so genau mit Brown abgesprochen. Bei dem großen Talent und Können des Teams haben die es wirklich nicht nötig. Trotzdem wird wieder rumgetrickst um den Titel zu holen, am Rande der Legalität. Der eine oder andere Titel wäre sicherlich nicht geholt worden, würden sie immer korrekt spielen (abhören des gegnerischen Funks oder Falscher Luftdruck der Bälle ). Schade eigentlich, man hätte diesen Spinner nicht noch für so ein unverschämtes Benehmen such noch Belohnen.
Edenjung 15.09.2019
3. Urinating tree hatte recht
Das ist wie bei "days of our steelers" bzw. jetzt "days of our AB". Was für ein Theater. nen richtiges A****loch
gankuhr 16.09.2019
4.
Schon lustig. Damals in 2011 waren Antonio Brown und Mike Wallace die beiden neuen Shootingstars im Steelers Receiver-Karder. Kann mich noch gut dran erinnern, weil ich damals mit dem Thema Football erste Berührungspunkte hatte. Einer musste gegen Ende der Saison 2012 gehen, die Steelers hatten sich gegen den deutlich exzentrischeren und abgehobeneren Wallace und zugunsten des ruhigen, soliden Brown entschieden. Die richtige Entscheidung damals. 8 Jahre später gehört Brown zu den Clowns der Liga. Erfolg lässt wirklich fast jeden durchknallen...
de_ba_be 16.09.2019
5. @achilles
Sie haben offenbar nicht viel Ahnung von Football... denn schaut man Mal ohne die Fanbrille auf die ganzen "Gates" bleibt am Ende nicht wirklich viel hängen oder zumindest nichts, was andere franchises in der NFL nicht auch getan haben (siehe "Spygate"). Die "Deflategate" Nummer ist (wissenschaftlich betrachtet) von vorne bis hinten ein schlechter Witz. Und das es bereits Versuche von NE gab, ihn zu holen, als die Steelers ihn nach Oakland getradet haben, scheint auch an ihnen vorbeigegangen zu sein.
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