Atlantas Quarterback Ryan Der Unvollendete

Matt Ryan gehört in der NFL seit Jahren zu den besten Quarterbacks. Ein großer Titel blieb dem 31-Jährigen bislang aber verwehrt. Nun steht er mit den Atlanta Falcons im Halbfinale - die Chancen stehen gut.

Matt Ryan
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Für politische Journalisten sind es gegenwärtig schwere Zeiten in den USA. Ihre Arbeit wird schneller als jemals zuvor als Fake News abgetan, oder sie bekommen von Präsident Donald Trump persönlich eine verbale Ohrfeige. Sportjournalisten hingegen könnten es derzeit gar nicht besser haben.

In der National Football League stehen mit den New England Patriots, Pittsburgh Steelers und Green Bay Packers drei der erfolgreichsten und populärsten Teams im Halbfinale. So viel Stoff für so viele Storys. Zum Beispiel über die Quarterbacks. Die heißen Tom Brady (39), Ben Roethlisberger (34) und Aaron Rodgers (33), sind Superstars, Super Bowl-Champions und haben längst ihren Platz in der NFL-Geschichte manifestiert.

Und dann gibt es da noch einen. Matt Ryan von den Atlanta Falcons. Ryan ist der vierte Spielmacher der Vorschlussrunde, wirkt jedoch im Vergleich zu den drei Quarterback-Königen maximal wie ein Prinz. Bislang zumindest. Ähnliches trifft auf sein Team zu. Die Vereinsvitrine der Falcons ist nach 51 NFL-Jahren immer noch leer. Auch Matt Ryan hat nach neun Spielzeiten noch keinen bedeutenden Titel vorzuweisen. Das soll sich nicht nur nach Meinung der euphorischen Falcons-Fans jetzt ändern. Das könnte sogar laut anerkannten Experten nun tatsächlich anders werden.

"Ich spiele den besten Football meiner Karriere", sagt Ryan. Die Zahlen dieser Saison bestätigen das. Seine 38 Touchdowns sowie Pässe über einen Raumgewinn von 4944 Yards sind in beiden Kategorien jeweils die zweitbesten Werte aller Quarterbacks. Nur sieben seiner 534 Anspiele landeten in den Armen des Gegners. Der 31-Jährige gilt nicht nur als Kandidat für die Auszeichnung "wertvollster Spieler der Saison", sondern neben Rodgers als heißester Anwärter.

Nur sieben Teams waren besser als Atlanta

Seine Falcons sind im Heimspiel gegen die Green Bay Packers leicht favorisiert - obwohl die Gäste mit einer Siegesserie von acht Partien anreisen. Der Grund für die Zuversicht und den Höhenflug der "Falken" ist die von Ryan angeführte Offensive. Atlanta brachte es in den 16 Vorrundenspielen auf 540 Punkte - in der gesamten NFL-Geschichte waren nur sieben Teams besser. Der Angriff ist äußerst variabel. Zwar ragt Wide Receiver Julio Jones heraus, doch Ryan hat in dieser Saison noch zwölf andere Teamkollegen mit Touchdown-Pässen bedient und somit einen Liga-Rekord aufgestellt.

Seit 2008 spielt dieser Matthew Thomas Ryan in der NFL. Immer für die Falcons, immer als ihr Starting Quarterback. Er ist immer da gewesen, aber trotzdem über all die Jahre nur einer von vielen geblieben. Dabei war sein Einstand wie ein Einschlag. Ryans erster NFL-Pass endete mit einem Touchdown.

Das können weder Brady noch Roethlisberger oder Rodgers vorweisen. Dafür hat das Trio Titel. Brady ist viermal mit New England Meister geworden, war dreimal Super Bowl-MVP. Roethlisberger führte Pittsburgh zu zwei Championships. Rodgers holte mit den Packers 2011 die Meisterschaft und war bei jenem Finalsieg zudem MVP.

Meisterschaft das große Ziel eines jeden Quarterbacks

Ryan hat seit seinem NFL-Debüt 2008 insgesamt 85 Vorrundenspiele gewonnen. Unter allen Quarterbacks rangiert er damit in diesem Zeitraum auf Platz drei. Aber Profis auf seiner Position werden nicht daran gemessen, wie gut sie von Anfang September bis Ende Dezember spielen, sondern ob sie im Januar und Februar noch genauso präzise passen und auch dann die Kontrolle über ein Spiel behalten können, wenn eine Niederlage gleichbedeutend mit dem Saisonaus ist.

Bei Ryan war das nur selten der Fall. Seine Playoff-Bilanz: 2:4. Vor vier Jahren kam er der großen und glitzernden Super-Bowl-Bühne einmal ganz nah, verlor aber im Halbfinale mit den Falcons gegen die San Francisco 49ers daheim 24:28. In dieser Woche wurde Ryan auf einer Pressekonferenz darauf angesprochen, dass er der einzige der vier Halbfinal-Quarterbacks sei, der keinen Meisterring habe. Ryan unterbrach umgehend und schob ein "noch nicht" ein. Für das Ticket nach Texas muss er heute zunächst Rodgers besiegen. Es wäre keine Majestätsbeleidigung, sondern für ihn endlich der Schritt raus aus der Prinzenrolle.

Im Fall einer Niederlage fliegt Ryan trotzdem nach Houston. Der MVP der NFL-Vorrunde wird am 4. Februar dort gekürt - am Vorabend des Super Bowls. Es wäre für Matt Ryan ein großer Erfolg, die Auszeichnung entgegennehmen zu können. Doch es wäre zugleich nur ein kleiner Trost, tags darauf zuschauen zu müssen, wie zwei Quarterback-Könige einmal mehr um Amerikas Football-Krone spielen.

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insgesamt 4 Beiträge
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Micirio 22.01.2017
1. Ich gönne es Ran aber...
A-Rod (Aaron Rodgers) ist ein Magier, ein Tänzer und immer für eine Überraschung gut. der macht aus nix einen Touchdown, hat stets den Überblick und das periphere Sehen gemeistert. Seine spiele sind ein Genuss. Matt Ryan spielt dagegen effizient... was aber zum Großteil an seiner O-Line (Offensive-Line) und seinen (vieken guten) Receivern liegt. Gewinnt Atlanta ist es ein Standard-Gewinn, gewinnt Greenbay ist es Magie! so oder so: das wird ein schöner spannender Football-Abend.
Micirio 22.01.2017
2.
Natürlich gönne ich es "RYAN". "RAN" gönne ich dagegen die offenbar guten Einschaltquoten :-)
BernieistAnders 22.01.2017
3. Diese Offensive ist eine Augenweide
Ryans Zahlen sind ja unglaublich, noch besser als die von Rodgers. Aber das liegt wohl eher daran dass Atlanta eine gut geölte Machine ist und keine Ein-Mann-Show wie bei Green Bay. Rodgers spielt ja momentan auf seinem Zenit, doch wenn man sich anschaut dass seien Receiver verletzt sind und zudem auch die Defensive der Packers große Verletzungssorgen hat, halte ich es fast für unmöglich dass Rodgers es noch einmal schafft weiterzukommen. Ich erwarte ein spektakuläres Spiel mit sehr vielen Punkten. Und am Ende setzt sich Atlanta durch.
Leser161 22.01.2017
4. Rodgers...
Rodgers. Für die Freunde des Fussballs Rodgers ist Andrea Pirlo ohne dessen seltsame Aura. Rodgers feuert diese Saison aus jedem vorhandenen und nicht vorhandenen Rohr. Es gibt Quartbacks die mehr liefern, aber die haben auch mehr Talente um sich rum (Jones, Gronkowksi, Beckham, ...), das ist einfach schön anzuschauen, wie er da so rumtanzt und dann irgendeinen Monsterpass irgendwoher zaubert. Trotzdem wäre es kein Unglück, wenn die Falcons heute gewinnen. Was Ryan gegen die Seahwaks gezeigt war durchaus Rodgers-würdig. Und irgendwer muss ja die die doofen Patriots schlagen und für diesen Job haben die Falcons einfach mehr Gesamtpaket.
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