NFL Mit dem Kopf durch die Wand

Die NFL führt mit der neuen Saison eine Regel ein, die heftig diskutiert wird. Die Gesundheit soll dadurch besser geschützt werden, doch die Spieler sind dagegen.
Von Fabian Held
Boston Scott (M.) wird von Channing Stribling (l.) und Hayes Pullard getacklet

Boston Scott (M.) wird von Channing Stribling (l.) und Hayes Pullard getacklet

Foto: PETER JONELEIT/EPA-EFE/REX/Shutterstock

In der Nacht zu Freitag beginnt die neue NFL-Saison. Im Rampenlicht stehen wieder die Quarterbacks. Nick Foles, amtierender Super-Bowl-Champion mit den Philadelphia Eagles, trifft zum Auftakt auf Matt Ryan und die Atlanta Falcons.

Neben spektakulären Aktionen der Spielmacher freuen sich die Zuschauer auch auf harte Hits und Tackles. Passt der Quarterback zu einem Mitspieler oder übergibt er den Ball an seinen Running Back, müssen die gegnerischen Verteidiger diesen so schnell es geht und mit allen Mitteln zu Boden bringen. Ein brutales Spektakel, das für die Liga zum Problem wird.

Seit immer mehr über die Spätfolgen von Kopfverletzungen bei Football-Spielern bekannt und nachweisbar wird, ist die NFL bemüht, die Spieler besser zu schützen. Schließlich ist CTE, also die Krankheit, die durch die vielen Vollkontakte im Football und den daraus resultierenden Gehirnerschütterungen entsteht, nicht nur ein Martyrium für die Betroffenen. Sie ist auch ein Image-Schade für die Liga und eine Bedrohung für die Zukunft des Sports. Wie lange wollen Fans und Zuschauer dabei zusehen, wie sich traurige Helden auf dem Spielfeld ihren Körper zerstören und danach in Drogen- und Gewaltproblemen versinken?

Ehemalige NFL-Profis mit CTE

Als der American Football um 1870 entstand, war er ein eher langsames Spiel. Im Laufe der Jahrzehnte sind die Athleten durch gezieltes Training und den Einsatz modernster sportwissenschaftlicher Methoden immer schneller und stärker geworden. Dadurch wurden auch die Tackles immer härter.

Um der neuen Physis der Spieler Rechnung zu tragen, müsste sich der Sport grundlegend ändern. Die Angst ist, dass dann die Fans wegbleiben könnten. Football definiert sich neben Athletik, Strategie und Taktik eben auch über Brutalität.

Um die Spieler besser zu schützen, gibt es eine neue Regel, die "Helmet Rule", also Helm-Regel. Vereinfacht formuliert ist es jetzt verboten, absichtlich mit dem Kopf voran in einen Gegenspieler donnern. Das Kalkül: Weniger Gehirnerschütterungen und damit weniger CTE-Fälle. Doch das Tackeln ist ein wesentlicher Bestandteil des American Football, weshalb die Regel den Kern des Sports berührt.

"Diese Regel ist idiotisch"

Die neue Regel "wird Leute ihre Jobs kosten", flucht Mike Zimmer, Cheftrainer der Minnesota Vikings. In kaum einer Liga entscheiden so wenige Spiele über Wohl und Wehe einer Saison. Eine 15-Yards-Strafe für die Verletzung der Helm-Regel im falschen Moment kann darüber entscheiden, ob ein Team in die Playoffs kommt oder nicht.

Verteidiger Richard Sherman

Verteidiger Richard Sherman

Foto: OTTO GREULE JR/ AFP

Auch bei den Spielern regt sich Unmut. "Diese Regel ist idiotisch und sollte direkt abgeschafft werden", findet Richard Sherman, einer der besten Verteidiger der NFL. "Selbst bei einem perfekten Tackle wird der Körper vom Kopf geführt." Andere Spieler befürchten, dass sie auf dem Feld zu sehr über die Regel nachdenken und dadurch schlechter spielen. "Ich weiß nicht, warum es ein Foul ist, wenn es sauber ist. Ich habe keine Ahnung", meint Tyrann Mathieu.

Vier Wochen lang lief die sogenannte Pre Season, in der alle 32 Teams ihre Testspiele absolvieren. Dabei kam es vor allem in den ersten beiden Wochen zu vielen Strafen: 51 Mal wurde in den ersten 33 Partien gegen die neue Regel verstoßen.

"Das Wohlergehen der Spieler steht an erster Stelle"

Entsprechend wütend waren die Reaktionen von Fans und Spielern, vor allem in den sozialen Netzwerken. Die NFL überprüfte die Helm-Regel und hielt an ihr fest. "Da jeder sich noch an die Regel anpassen muss, werden wir Video-Feedback und Beispiele für Fouls zur Verfügung stellen", hieß es in einem nüchternen Statement. Nochmals betonte die Liga: Es geht nur um Tackles, bei denen der Kopf absichtlich vorangenommen wird.

Die vielen Strafen in den ersten Testspielen hatten sicher auch damit zu tun, dass die Schiedsrichter die neue Regel zunächst besonders streng auslegten. In den beiden letzten Pre-Season-Wochen gingen die Strafen deutlich zurück: Laut dem US-amerikanischen Sender ESPN von 1,55 auf 0,625 pro Spiel.

"Die Offiziellen und die Spieler werden sich anpassen", sagt John Mara, Besitzer der New York Giants. "Es gibt immer einen Aufschrei am Anfang. Das Wohlergehen der Spieler steht an erster Stelle." Einigen Spielern scheint ihr Wohlergehen aber auch egal zu sein. Andrew Sendejo von den Vikings trug vor einigen Wochen eine Kappe mit der Aufschrift "Make Football Violent Again".

Anmerkung der Redaktion: Ursprünglich wurde in diesem Text ein mögliches Meisterschaftsfinale zwischen den Eagles und den Falcons beschrieben. Das ist jedoch nicht möglich, da beide Teams in der NFC und damit in derselben Conference spielen. Wir haben den Fehler korrigiert.