Indianapolis Colts vor den NFL-Playoffs Trotz als Antrieb

Ein neuer Coach sollte die Colts wieder erfolgreich machen. Doch der Wunschtrainer sagte in letzter Sekunde ab - und blieb ausgerechnet beim Erzrivalen. Nun spielen beide Teams um den Einzug in den Super Bowl.

Andrew Luck (o.)
AFP

Andrew Luck (o.)

Von Philipp Joubert


Eigentlich hatten sie sich das vor einem Jahr alles ganz anders vorgestellt beim NFL-Team in Indianapolis. Wunschcoach Josh McDaniels, gepriesen für seine innovativen Offensivkonzepte, hatte den Colts für die anstehende Saison fest zugesagt. McDaniels, so war der Plan, würde den dauerverletzten, aber überaus fähigen Quarterback Andrew Luck und sein Team wieder zu alter Größe führen.

Doch am Tag vor seiner Vorstellung machte McDaniels einen Rückzieher und blieb als Offensivcoach bei den New England Patriots - einem langjährigen Rivalen. Statt den Hoffnungsträger zu präsentieren, stellte sich Colts-Manager Chris Ballard nun also Anfang Februar 2018 vor die Fernsehkameras, versuchte die Situation zu erklären und sprach im Herausgehen den sehr bestimmten Satz: "The rivalry is back on" - "Die Rivalität ist zurück".

In der Tat waren die Colts und die Patriots einst große Rivalen. Doch während die Patriots im Februar 2018 gerade zum vierten Mal in sieben Jahren im Superbowl gestanden hatten, waren die Colts in der Vorsaison nur zu vier mageren Siegen gestolpert. Selbst in der NFL, in der jedem Verliererteam binnen Jahresfrist der Aufstieg an die Spitze gelingen kann, schien Ballards Ankündigung etwas vollmundig.

Coach Franck Reich
RICK MUSACCHIO/EPA-EFE/REX

Coach Franck Reich

Wie gut das mit dem Aufleben der alten Rivalität geklappt hat, zeigt sich nun ein Jahr später. Der Colts-Manager traf innerhalb weniger Monate gleich mehrere glückliche Entscheidungen und baute ein Team mit enormem Zukunftspotential. Statt McDaniels verpflichtete er den unscheinbaren, aber bedachten Frank Reich als Coach. Und fast ebenso wichtig: Im Draft sicherte sich Ballard in der ersten Runde das Talent Quenton Nelson.

Schon während seiner Zeit im College verzückte Nelson als Guard die Experten mit einer Mischung aus Wucht und Technik. Es gab in der Liga keinen anrennenden Verteidiger, der nicht vom 150-Kilogramm-Koloss zu Boden gestoßen worden wäre. So bekam Nelson dann auch nur eine Aufgabe ins Stammbuch geschrieben: Andrew Luck beschützen.

Ein Team auf einer Mission

Colts-Quarterback Luck ist nicht nur einer der teuersten Spieler der Liga, sondern ganz sicher auch einer der begabtesten. Doch nach den großen Anfangsjahren in der Liga verletzte sich Luck in den vergangenen Spielzeiten immer wieder. Vor allem auch, weil seine Offensive Line ihn oft unzureichend schützte. Durch Nelson änderte sich das grundlegend. Er wurde der Grundstein, auf dem Manager Ballard mit weiteren guten Verpflichtungen eine Festung um seinen Quarterback baute.

Sehen Sie hier eine Videoanalyse zum Start der NFL-Playoffs:

Getty Images/ AFP; SPIEGEL ONLINE

Es funktionierte nicht auf Anhieb, mit einem Sieg aus sechs Spielen ging der Saisonstart gründlich schief. Doch im Laufe der Saison mauserten sich die Colts zum heißesten Team der Liga. Neun ihrer letzten zehn Matches gewann sie, angeführt von einem herausragenden Quarterback Luck, der wieder zu den besten Spielern der Liga gehört.

Nun geht es in der ersten Playoff-Runde gegen die Houston Texans. Die verfügen nicht nur mit dem hünenhaften JJ Watt über das Abwehrpendant zu Quenton Nelson, auch Quarterback Deshaun Watson spielt eine starke Saison. Doch die Colts sind nicht nur jünger und in der Breite begabter als ihr Divisionsrivale aus Houston - sie sind zudem auf einer Mission.

Schließlich könnte bei zwei Playoff-Siegen ein ganz spezieller Gegner warten: Die New England Patriots, mit Coach Josh McDaniels. Spätestens dann heißt es: Die Rivalität ist zurück.



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