NFL-Skandal Spielergewerkschaft legt Einspruch gegen Rice-Sperre ein

Die Spielergewerkschaft der US-Footballliga NFL fordert einen "fairen Umgang" mit dem gesperrten Running Back Ray Rice. Er hatte seine Frau im Februar bewusstlos geschlagen. Die offiziellen Sponsoren der NFL kritisieren das Verhalten der Liga scharf.

NFL-Fan: Gnade für Rice gewünscht
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NFL-Fan: Gnade für Rice gewünscht


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Hamburg - Die Spielergewerkschaft der nordamerikanischen Football-Profiliga NFL (NFLPA) hat Einspruch gegen die unbefristete Sperre von Ray Rice eingelegt. Der frühere Running Back der Baltimore Ravens war von der Liga für unbestimmte Zeit aus dem Verkehr gezogen worden, nachdem er seine frühere Verlobte und heutige Ehefrau bewusstlos geschlagen hatte.

Die NFLPA begründete den Einspruch damit, "einen fairen Prozessumgang für alle NFL-Spieler" sicherstellen zu wollen, im Fall Rice könnten sie einen Mangel an Fairness und Neutralität erkennen. Davon sei auch die Rolle von Commissioner Roger Goodell und seines Büros betroffen, heißt es in einem offiziellen Statement.

Die Gewerkschaft wünscht sich, dass ein von beiden Seiten ausgewählter Vermittler den Fall anhört, da "der Commissioner und sein Team wichtige Zeugen sind und daher nicht als unparteiische Richter auftreten können". Rice war nach seinem Aussetzer Mitte Februar zunächst für nur zwei Spiele gesperrt worden. Zuletzt war aber ein Video aufgetaucht, das die Tat des 27-Jährigen zweifelsfrei nachwies.

Unterdessen erhöhen auch die Sponsoren den Druck auf die NFL. Die Groß-Brauerei Anheuser-Busch, Lieferant des offiziellen NFL-Biers, kritisierte die Liga in einer offiziellen Mitteilung scharf. "Wir sind enttäuscht und zunehmend besorgt über die letzten Vorfälle. Wir sind nicht zufrieden mit der Art und Weise, wie die Liga diese Fälle bisher geregelt hat, die im direkten Widerspruch zu unserer Firmenkultur und Moral liegen." Auch McDonalds, das Kreditkarten-Unternehmen Visa sowie der Lebensmittelkonzern Campbell Soup Co. äußerten ähnliche Bedenken.

Neben Rice ist Adrian Peterson von den Minnesota Vikings wegen Kindesmisshandlung angeklagt. Er sollte bereits am Sonntag im Auswärtsspiel bei den New Orleans Saints wieder zum Einsatz kommen, daraufhin legte Vikings-Bannersponsor Radisson die Zusammenarbeit mit dem Klub auf Eis gelegt. Nun gaben die Vikings bekannt, Peterson vorerst von allen Teamaktivitäten zu suspendieren, bis sein Fall geklärt ist.

psk/sid

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Seite 1
hobbyleser 17.09.2014
1. Sperren vielleicht nicht...
...aber bei jedem Spiel gehörig auspfeifen wäre doch mal ein Statement. Juristisch dürfte er ohnehin seit Fett wegbekommen und evtl eh ein paar Tage im Knast verbringen.
PeterPan95 17.09.2014
2.
Seit wann ist denn die Liga ein Justizsystem? Jeder solange unschuldig, bis das Gegenteil bewiesen wurde - und das wird von einem Richter in einem Urteil fest gestellt, und nicht von einem Ligaboss. Moral ist das Werkzeug für die moderne Hexenjagd - nicht nur in den USA, auch in D (bspw. Großkreutz' Pinkeleinlage).
Gertrude Böttcher 17.09.2014
3.
Die Sperren finde ich richtig. Man muss den Schlägern klar machen, dass ihr Verhalten nicht toleriert wird. Fakt ist, wer gewalttätig ist, hat schwere psychische Probleme. Häusliche Gewalt wird von Gerichten immer noch zu sehr als Kavaliersdelikt behandelt. Deshalb kann man das durchaus Mal im öffentlichen Raum thematisieren. Und die Footballspieler sind prominent. Find ich gut!.
webstoney 17.09.2014
4.
Zitat von PeterPan95Seit wann ist denn die Liga ein Justizsystem? Jeder solange unschuldig, bis das Gegenteil bewiesen wurde - und das wird von einem Richter in einem Urteil fest gestellt, und nicht von einem Ligaboss. Moral ist das Werkzeug für die moderne Hexenjagd - nicht nur in den USA, auch in D (bspw. Großkreutz' Pinkeleinlage).
Äh, die Liga ist immerhin der Arbeitgeber - bei Sperren nach Fouls wird das auch nicht von einem ordentlichen Richter verhandelt.
mr.andersson 17.09.2014
5.
Zitat von PeterPan95Seit wann ist denn die Liga ein Justizsystem? Jeder solange unschuldig, bis das Gegenteil bewiesen wurde - und das wird von einem Richter in einem Urteil fest gestellt, und nicht von einem Ligaboss. Moral ist das Werkzeug für die moderne Hexenjagd - nicht nur in den USA, auch in D (bspw. Großkreutz' Pinkeleinlage).
Richtig, vor Gericht gilt die Unschuldsvermutung bis zum Beweis des Gegenteils, wenn es sich um Strafrecht handelt. Die Liga ist kein Justizsystem und kann demzufolge anders handeln. Und völlig zurecht ist der Mann gesperrt. Jemand der in dem Verdacht steht (und wenn der Text mit dem Videobeweis stimmt sogar schuldig ist) eine Frau bewusstlos geprügelt zu haben, dann hat in einem öffentlichen Sportereignis mit Vorbildfunktion nichts zu suchen. Die Liga bzw der Verein entscheidet mit welchem Spieler sie welche Verträge macht und wen sie wann wo auflaufen lässt. Da brauchts keinen juritischen Schuldspruch um jemanden zu sperren. Da reicht schon "unsportliches oder imageschädigendes" Verhalten. Wenn der Mann nicht gesperrt wird, werden die Sponsoren zu Recht abspringen, wer möchte schon in den Medien über sich lesen, dass seine Sponsorengehälter das Gehalt eines Mannes mittragen, der Frauen zusammenschlägt. Somit würde eine nichtsperrung neben allen moralischen Fragen auch noch die wirtschaftliche Existenz des Vereins gefährden.
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