Finale der NFL Wer den Super Bowl will, muss sich schick machen

Der Super Bowl ist das größte Sportevent Amerikas. Für Städte, die ihn zu sich lotsen wollen, kann das teuer werden: In Atlanta wurde für 1,6 Milliarden US-Dollar eine neue Arena gebaut. Nicht alle Bürger freuen sich darüber.

Arena in Atlanta
AFP

Arena in Atlanta

Aus Atlanta berichtet


Das Footballstadion in Atlanta ist ein Blickfang. Die Außenfassade ist weder rund noch oval, sondern achteckig. Das außergewöhnliche Design setzt sich bis zum Dach fort, das wie die Linse einer Fotokamera geöffnet werden kann. Im Stadion hängt zudem eine spektakuläre 360-Grad-Videoleinwand.

Heute wird die Welt auf dieses Stadion schauen, die New England Patriots und die Los Angeles Rams stehen sich dort im Super Bowl gegenüber (0.30 Uhr deutscher Zeit, Liveticker SPIEGEL ONLINE, TV: ProSieben und DAZN).

In Atlanta fanden bereits 1994 und 2000 NFL-Endspiele statt, damals im 1992 eröffneten Georgia Dome. Doch dann hakte es plötzlich. 2005 und 2006 gab es zwei weitere Bewerbungen um die Austragungen der Finals, doch den Zuschlag bekam Atlanta erst, als man erkannte, dass man ohne neue Arena keine Chance hat - und reagierte.

Die NFL schwebt wie ein Ufo ein

Das neue Stadion war noch im Bau, da ernannte die NFL Atlanta bereits zum Gastgeber für 2019. "Wir wollen die Städte belohnen, die solche großartigen Stadien errichten", sagte NFL-Chef Roger Goodell.

Innenansicht der Arena in Atlanta
AFP

Innenansicht der Arena in Atlanta

Doch ob die Ausrichtung tatsächlich eine Belohnung für alle Bewohner der Stadt ist, wird mancherorts bezweifelt. Es gibt Kritik - und es geht, wie so oft, ums Geld.

Denn das Budget für die neuen Stadien kommt nicht von der NFL. Die Liga ist zwar mit jährlich 14 Milliarden US-Dollar die umsatzstärkste der Welt, doch eine Kostenbeteiligung für die "großartigen Stadien" gibt es nicht. Die NFL ähnelt in dieser Hinsicht dem IOC, das mit seinen Olympischen Spielen wie ein UFO in eine Stadt einschwebt, eine große Party feiert und die Gastgeberstadt dafür zahlen lässt.

700 Millionen Euro aus Steuermitteln

Die NFL macht das ebenso: So verlangt die Liga beispielsweise für alle 32 Teambesitzer der NFL samt deren Entourage Hotel-Suiten - obwohl nur zwei Mannschaften um den Super Bowl spielen. Den beiden Finalisten müssen Trainingsanlagen kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Insgesamt belaufen sich die Ausgaben der Stadt für Organisation und Sicherheit auf 28 Millionen US-Dollar.

Auch die Kosten für das neue Stadion werden in Atlanta zu einem großen Teil vom Steuerzahler getragen. Mehr als 700 Millionen US-Dollar für die insgesamt rund 1,6 Milliarden US-Dollar teure Arena stammen aus öffentlichen Mitteln. Die restlichen knapp 900 Millionen werden von privaten Investoren bereitgestellt - die ihre Gelder dank Sponsoringeinnahmen zurückbekommen. Die Einnahmen aus dem Ticketverkauf kassiert die NFL - steuerfrei.

In Atlanta gibt es Kritik an der Ausrichtung des Super Bowl. "Dieses Spiel ist die Ausgaben der Stadt nicht wert", lautete eine Überschrift in der lokalen Tageszeitung "Atlanta Journal-Constitution". Steuerzahler würden die "hoch profitable NFL immer und immer wieder subventionieren".

Vereine können Druck ausüben

Stadion in der Dämmerung
AP

Stadion in der Dämmerung

Das Komitee, das die Austragung des Super Bowl verantwortet, spricht von einem nicht näher erläuterten "wirtschaftlichen Einfluss von 200 Millionen US-Dollar". Atlantas Bürgermeisterin Keisha Lance Bottoms argumentiert, dass die Stadt langfristig von diesem Event profitieren werde, so seien etwa öffentliche Anlagen in ärmeren Gegenden für das Event renoviert worden.

"Das ist schön. Aber ist das 728 Millionen Dollar wert?", schrieb die "Atlanta Journal-Constitution": "Sollten derlei Investitionen in Schulen oder Parks nicht auch ohne diesen Super Bowl und ohne diese Super-Arena möglich oder gar selbstverständlich sein?"

Die Vereine können Druck auf die Städte ausüben. Anders als in Deutschland, wo Vereine fest in Regionen verwurzelt sind, sind Ortswechsel in der NFL keine Seltenheit. Zuletzt siedelten die St. Louis Rams und die San Diego Chargers nach Los Angeles um. Der Grund: Dort wird ein neues Stadion für die Teams gebaut, nach Angaben der Klubs komplett privat finanziert. Hier findet 2022 übrigens der Super Bowl statt.

Wie stark die NFL-Wahl der Stadt mittlerweile von modernen Stadien abhängt, war übrigens in Minneapolis, dem Austragungsort des vergangenen Jahres, zu sehen: Die NFL hatte eigentlich wenig Interesse daran, ihr Premiumprodukt bei Minusgraden in Minnesota stattfinden zu lassen. Doch dann wurde dort für 1,13 Milliarden Dollar - knapp die Hälfte davon Steuergelder - eine neue Arena gebaut.

Und schon waren Frost und Schnee nur noch zweitrangig.

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insgesamt 19 Beiträge
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Seite 1
treime 03.02.2019
1. Was Besonderes?
Der Artikel tut ja gerade so, als wäre der American Football was besonderes, wenn es um die "Vernichtung" von Steuergeldern geht. Als D sich für die WM 2006 beworben hatte, wurden landesweit neue Stadien gebaut, mit der Ansage, die würde man ja "sowieso" brauchen. Ob EM, WM - olympische Sommer- oder Winterspiele, überall werden Milliarden von Steuergeldern in Infrastruktur gestopft, nicht immer ist das sinnvoll. In Düsseldorf gab es damals nicht mal ein erstklassiges Fussballteam, trotzdem hat man für >400 Millionen Euro eine neue Arena bauen lassen. Und die wurde nicht mal bei der WM genutzt! Ist klar, SuperBowl steht an - und Ami Bashing. NFL, NBA & Co. sind reine Finanzprodukte. Trotzdem identifizieren sich viele mit den Teams ihrer Stadt oder Region. Profisport ist dort zumindest nicht versumpft im Herzen von Vereinsbossen, die sogenannte Tradition für teuer Geld vermarkten wollen, ohne den Glanz der Geschichte zu verlieren. Amerikanische Franchises haben sowas nicht nötig.
Mike1108 03.02.2019
2. Rams
Ist bestimmt nur ein Copy and Paste Fehler, aber es waren die St. Louis Rams.... Die Gegenfrage wäre, wieviel zusätzlichen Umsatz der Superbowl in die Stadt bringt?
Lankoron 03.02.2019
3. Halten wir doch mal fest,
dass das Stadion in Minnesota überdacht ist und somit Frost und Schnee sowieso keinerlei Einfluss aufs Spiel hatten. Ausserdem war das Vorgängerstadion über 35 Jahre alt, und dessen Dachkonstruktion war durch einen Blizzard schwer beschädigt. Der Georgia-Dome war ebenfalls bereits 25 Jahre alt. Die NFL mag zwar keine Abgaben zahlen, die Falcons tun das aber sehr wohl in Atlanta und in Georgia. Der DFB und die DFL zahlen, soweit ich weiss, auch keine örtlichen Steuern oder Gebühren, das tun die ansässigen Vereine. Ach ja, und auch in Deutschland werden die Stadien massiv durch die öffentliche Hand bezuschusst. Selbst bei der Allianzarena flossen fast 50% öffentlicher Mitttel...also nicht über andere meckern, wenn es im eigenen Haus stinkt!
widower+2 03.02.2019
4. Lesen?
Zitat von Mike1108Ist bestimmt nur ein Copy and Paste Fehler, aber es waren die St. Louis Rams.... Die Gegenfrage wäre, wieviel zusätzlichen Umsatz der Superbowl in die Stadt bringt?
Das steht eigentlich im Artikel, den Sie hier kommentieren.
M. Vikings 03.02.2019
5. The home of the Minnesota Vikings.
Eigentümer des US-Bank Stadium, in dem die Vikings spielen, ist der Bundesstaat Minnesota. Der Bundesstaat hat 348 Mio. USD und die Stadt 150 Mio. USD bezahlt. 551 Mio. USD haben die Vikings und private Geldgeber auf den Tisch geblättert. Für die Namensrechte über 25 Jahre hat die US Bank 220 Mio. USD an den Eigentümer bezahlt. Stadt und Staat Minnesota brauchten auch einen angemessen Ort an dem, im langen Winter bei Minusgraden, Konzerte und andere Großevents stattfinden können. Erwähnenswerte Abweichungen von den kalkulierten Baukosten, wie in Deutschland üblich, hat es nicht gegeben. Das Nachhaltigkeitskonzept hat Vorbildcharakter. https://www.stadionwelt.de/sw_stadien/index.php?head=Das-Nachhaltigkeitskonzept-des-US-Bank-Stadiums&folder=sites&site=news_detail&news_id=17466 Da hören sich die 1,13 Milliarden USD schon ganz anderst an. Umstritten war das Projekt zu keinem Zeitpunkt. Skol Vikings
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