NHL-Vorschau Alles für den Stanley Cup

Die Belohnung für die Meisterschaft in der nordamerikanischen Eishockey-Profiliga NHL ist eine der ältesten Mannschaftstrophäen der Welt: der Stanley Cup. Der deutsche Nationalspieler Christian Ehrhoff hat gute Chancen, ihn zu gewinnen. Doch die Konkurrenz ist groß und unerbittlich.

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An die WM im eigenen Land denkt der deutsche Eishockey-Nationalspieler Christian Ehrhoff gerne zurück: Rekordkulisse beim Auftakt gegen die USA, große Eishockey-Begeisterung und natürlich der starke vierte Platz. "Das war ein absolutes Highlight", sagte der 28-Jährige. "Ich habe im Sommer viel an diese WM gedacht." Die Erinnerungen sollen ihn für die am Donnerstag beginnende NHL-Saison zusätzlich motivieren, denn bisher durfte nur ein Deutscher, der aktuelle Bundestrainer Uwe Krupp, den Stanley Cup in die Höhe strecken.

Ehrhoff ist mit seinen Vancouver Canucks einer der Topanwärter auf den Gewinn der Meisterschaft. "Alle hoffen auf den Titel, auch die Medien handeln uns als Mitfavorit", sagte der Verteidiger. Die vergangene Saison war die bislang beste in Ehrhoffs sechsjähriger NHL-Karriere. Ihm gelangen 14 Tore und 30 Vorlagen in knapp 23 Minuten pro Spiel. Damit war er nicht nur einer der Canucks-Verteidiger mit den meisten Einsatzzeiten, sondern auch einer der besten Abwehrspieler der Liga.

Neben Ehrhoff sind noch drei weitere Deutsche zu Saisonbeginn bei ihren Teams gesetzt: Die Angreifer Jochen Hecht (Buffalo Sabres) und Marcel Goc (Nashville Predators) sowie Verteidiger Dennis Seidenberg (Boston Bruins). Marco Sturm, ebenfalls von den Bruins, laboriert noch an den Folgen eines Kreuzbandrisses und hofft auch ein Comeback am Jahresende. Bostons Torschützenkönig (22 Treffer) der vergangenen Spielzeit könnte den Kreis der deutschen NHL-Stammspieler also noch erweitern. Gleiches gilt für Torwart Thomas Greiss (San Jose Sharks) und Verteidiger Alexander Sulzer (Nashville Predators), die bei ihren Clubs momentan nur Ergänzungsspieler sind.

Ein Drittel der Teams sind Titelkandidaten

Im Gegensatz zu Ehrhoff haben die anderen Deutschen allerdings nur kleine Titelhoffnungen. Das liegt vor allem an der Ausgeglichenheit der Liga. Zehn der 30 Clubs haben reelle Chancen, nach 82 Begegnungen in der regulären Saison und den Playoffs die Meisterschaft zu erringen. "Der Stanley Cup gilt nicht umsonst als die am härtesten umkämpfte Sport-Trophäe der Welt", sagt Ehrhoff.

Vor allem die Washington Capitals um Superstar Alexander Owetschkin zählen zu Vancouvers ärgsten Konkurrenten. Der Russe machte mit seiner spektakulären Spielweise US-Präsident Barack Obama zum Eishockey-Fan, musste im Mai aber ein überraschendes Erstrunden-Aus in den Playoffs hinnehmen. Bevor es aber zum Finale Vancouver gegen Washington käme, müssten sich beide Teams erst einmal gegen die Konkurrenz aus der Western und Eastern Conference durchsetzen.

Im Osten sind vor allem die Pittsburgh Penguins mit Owetschkins großem Rivalen Sidney Crosby ernst zu nehmen. Aber auch die New Jersey Devils und die Philadelphia Flyers sowie Geheimtipp Tampa Bay Lightning rechnen sich Chancen aus. Ehrhoffs Canucks müssen sich im Westen vor allem mit den Veteranen der Detroit Red Wings, den Los Angeles Kings und den San Jose Sharks messen.

Neue NHL-Euphorie

Einem anderen West-Team, dem amtierenden Meister Chicago Blackhawks werden eher geringe Chancen auf die Titelverteidigung eingeräumt. Das liegt vor allem daran, dass einige Leistungsträger die Mannschaft verließen und nicht absehbar ist, ob die Zugänge an die Qualität ihrer Vorgänger heranreichen. Dafür erreichte die Eishockey-Begeisterung in der Meisterstadt neue Höhen. 99,7 Prozent der Dauerkarten-Inhaber erneuerten ihre Tickets. Auf der Warteliste stehen 10.000 Fans, die Klickzahlen auf der Vereinshomepage stiegen innerhalb eines Jahres von 2,1 auf 9,3 Millionen. "Es ist unglaublich. Wenn du durch die Stadt gehst, behandeln sie dich wie einen Prinzen", sagt Patrick Kane, dessen Tor die Meisterschaft brachte.

Diese Euphorie kann die Sportart gut gebrauchen. Eishockey liegt hinter Football (NFL), Baseball (MLB) und Basketball (NBA) nur auf Rang vier der Beliebtheitsskala der großen nordamerikanischen Profiligen. Das ist auch dem kompletten Ausfall der Saison 2004/2005 geschuldet. Damals wurden sich Teambesitzer und Spieler nicht über einen neuen Tarifvertrag einig. Doch das soll nun endgültig Vergangenheit sein. Bleibt die NHL so unberechenbar wie zuletzt - acht verschiedene Meister in den vergangenen zehn Spielzeiten - dann sollte das Interesse weiterhin steigen.

Mit Material von dpa



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schwarzertee 07.10.2010
1. Ich freue mich schon darauf!
man kann garnicht nachvollziehen, warum diese Sportart nur auf Rang 4 der Beliebtheitskala steht. Ich glaube, es gibt kaum eine Sportart, die so international zusammengewürfelt ist, wie Eishockey - besonders in der NHL. Da ließen sich doch sicherlich viele Fans finden.
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