Ende einer Ära Nie wieder Football auf einem Baseball-Feld

Das NFL-Spiel der Oakland Raiders gegen die Kansas City Chiefs wird in die Geschichtsbücher eingehen - als letztes auf Lehm. Ein Blick zurück auf zerrissene Trikots, Hautabschürfungen und aufgeschlagene Knie.

Daniel Shirey/ Getty Images

Die Aktion war spektakulär und historisch zugleich. Letzteres konnten die beiden Protagonisten zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen. Als am vergangenen Sonntag im NFL-Spiel der Oakland Raiders gegen die Kansas City Chiefs Gäste-Quarterback Patrick Mahomes seinen Wide Receiver Demarcus Robinson kurz vor der Halbzeitpause mit einem Pass über 39 Yards bediente, fing dieser den Football trotz Bedrängnis eines Gegenspielers. Und wie er ihn fing: Robinson stand mit dem Rücken zur Endzone, packte zu und vollendete den Spielzug per Rolle rückwärts zum Touchdown.

Es war der vierte und letzte Touchdown dieser Partie, die Kansas 28:10 gewann. Und es war einer für das NFL-Geschichtsbuch. Mahomes stand bei seinem Pass auf rotbrauner Tonerde - und Robinsons Trikotrückseite sowie seine Arme waren nach seiner Rolle mit diesem Lehm paniert. Nichts Besonderes bei Spielen im Oakland Coliseum, denn die Raiders teilen sich die Arena seit 1968 mit den Baseball-Profis der Oakland Athletics.

Neues Stadion für fast zwei Milliarden Dollar

Und da sich die Spielzeiten von NFL und MLB im September und - bei Play-off-Teilnahme der Baseballer - Oktober überschneiden, sind Fans und Footballer den breiten Sand-Bogen von der einen 20-Yard-Linie hinüber zur anderen gewohnt. Doch dieses Spiel zwischen den Raiders und den Chiefs war das letzte der NFL-Geschichte mit einem Baseball-Infield. Ihr nächstes Heimspiel tragen die Raiders am 6. Oktober in London aus. Wenn sie am 3. November wieder im Coliseum antreten, wird die Baseball-Saison vorbei und ein kompletter Rollrasen verlegt sein. Und ab 2020 ist der Traditionsklub in Las Vegas zu Hause. Dort wird gerade für fast zwei Milliarden Dollar ein Stadion gebaut.

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US-Sportgeschichte: Footballdramen auf Baseballfeldern

In Zeiten von imposanten und teuren Hightech-Arenen wie eben in Las Vegas, Dallas oder Atlanta ist das Coliseum in Oakland das letzte Relikt einer vergangenen Ära. Was dort am 18. September 1966 mit einer 10:32-Niederlage der Raiders gegen die Chiefs begann, endete nun 53 Jahre später gegen den gleichen Klub. Dazwischen liegen 323 NFL-Partien und mehr als 4000 MLB-Spiele.

Gemeinschaftsnutzung mit den Baseballern

So wie in Oakland gab es einst in vielen US-Städten eine gemeinsame Spielstätte für Baseball und Football. Von den aktuell 32 NFL-Mannschaften teilten sich 25 eine Arena mit dem örtlichen MLB-Team. Anfangs waren es reine Baseball-Stadien, in denen jeden Herbst ein Football-Feld eingezeichnet wurde. Selbst Amerikas berühmteste Ballparks, wie das alte Yankee Stadium, der Fenway Park in Boston oder das Wrigley Field in Chicago, waren über viele Jahre Heimat von NFL-Teams.

Ab sofort wird auch bei den Heimspielen der Raiders der Untergrund durchgehend grün sein
Lachlan Cunningham / AFP

Ab sofort wird auch bei den Heimspielen der Raiders der Untergrund durchgehend grün sein

In den Sechziger- und Siebzigerjahren entstanden vielerorts Mehrzweck-Arenen, die Platz für beide Sportarten boten. Allerdings mussten die unteren Ränge teilweise umgebaut werden, um aus der Baseball-Raute ein Football-Rechteck zu machen. Als die Raiders Oakland 1981 verließen und für zwölf Jahre nach Los Angeles zogen, spielten noch 16 der damals 28 NFL-Klubs in Mehrzweck-Stadien.

Finanzieller Vorteil eines eigenen Stadions

Gaben einst Kostengründe den Ausschlag für die Errichtung einer gemeinsamen Arena, so sorgten schließlich ab Mitte der Neunzigerjahre die finanziellen Verlockungen dafür, dass Football-Vereine und Baseball-Teams anfingen, getrennte Wege zu gehen. Ein eigenes Stadion bedeutet im Fall der NFL-Klubs eine größere Zuschauerkapazität, somit mehr Einnahmen und bessere Vermarktungsmöglichkeiten.

Vorbei sind also die Zeiten, in denen sich Footballer nach einem Tackle den Dreck von ihren Armen und Beinen abklopfen. Und auch das Sprichwort "Drei Yards und eine Staubwolke" ist Vergangenheit. Die Fans in Oakland mögen deshalb in Nostalgie verfallen, die Spieler hingegen werden den harten Arbeitsuntergrund nicht vermissen. Partien in Oakland waren oft gleichbedeutend mit zerrissenen Trikots, Hautabschürfungen, aufgeschlagenen Knien und Ellenbogen.

"Wer wissen will, wie es sich anfühlt, in den Dreck des Oakland Coliseum zu fallen: Geht raus, lauft so schnell ihr könnt die Straße entlang und werft euch dann auf das Straßenpflaster.", twitterte der ehemalige Runningback Justin Forsett. Selbst Ex-Raiders-Trainer Jack Del Rio bezeichnete den Untergrund als "Betonblock".

Er könne nicht sagen, dass er das Coliseum vermissen werde, meinte Kansas Citys Long Snapper James Winchester nach dem Spiel am Sonntag. Aber er sei froh, die Gelegenheit gehabt zu haben, dort zu spielen. Ähnlich geht es Patrick Mahomes. Er hatte im vergangenen Dezember seinen ersten Auftritt in Oakland. Damals lag jedoch ein kompletter Rollrasen. Diesmal spielte der Chiefs-Quarterback auf eben jenem harten, lehmigen Untergrund, auf dem sein Vater, Pat, als Pitcher mit den Minnesota Twins genau 24 Jahre zuvor, am 15. September 1995, bei den Oakland A's 5:6 verloren hatte.

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M. Vikings 21.09.2019
1.
Wenn ich mich an den Grandplatz des Vereins erinnere, den meine Schule für den Schulsport genutzt hat, oder den geteerten Platz auf dem wir Handball gespielt haben, ist die Tonerde im Raiders-Stadion doch eher als Hautpflegeprodukt einzuordnen. Wir waren damals eben schon als Kinder härter. Komm her Tranton Brown, ich hau dich wech. https://www.ran.de/us-sport/nfl/bildergalerien/top-10-die-schwersten-spieler-der-nfl
madlex 21.09.2019
2.
Die Chiefs sind in Kansas City, Missouri zuhause, nicht in Kansas City, Kansas. Das sind 2 verschiedene Städte, auch wenn sie nebeneinander liegen und beide Teil der Kansas City Metropolitan Area sind. Wenn die Rede von einem "Kansas" Sportteam ist, meint man damit die University of Kansas Jayhawks (beheimatet in Lawrence, Kansas) und nicht die Chiefs oder Royals. Wenn über das NFL Team berichtet wird, bitte "Kansas City", "Chiefs" oder "KC" aber nicht "Kansas".
Th3Proph3t 23.09.2019
3.
gegen den selben Club, nicht den gleichen Zum Thema: In meiner Fußball-"Karriere" musste ich auch häufig auf Hartplätzen spielen und habe es jedes Mal gehasst. Denn ohne Schürfwunde ging man eigentlich nie nach Hause.
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