Nowitzki im NBA-Halbfinale Dirk Dallas

Die Dallas Mavericks haben in der NBA sensationell Meister Los Angeles Lakers geschlagen und sind jetzt im Halbfinale. Dirk Nowitzki ist in der Form seines Lebens. Für den Deutschen ist es die große Chance, ein Trauma vergessen zu machen.

AP

Aus Dallas berichtet


Die Fans auf den Rängen feierten, seine Mitspieler klatschten einander ab und Teambesitzer Mark Cuban hüpfte vor Freude wie ein kleiner Junge beim ersten Besuch in Disneyland. Dirk Nowitzki aber hielt sich nach der denkwürdigen 122:86-Gala seiner Dallas Mavericks gegen Titelverteidiger Los Angeles Lakers auffällig zurück. Kein aufgerissener Mund, der sein Gesicht mit dem Playoff-Bart noch erfurchtsvoller hätte wirken lassen, keine geballte Faust. Als Nowitzki vom Parkett ging, faltete er lediglich beide Hände über dem Kopf zusammen und streckte sie anschließend einige Male Richtung Hallendecke - das musste als Siegerpose genügen.

Natürlich wusste der 32-Jährige, dass die "Mavs" etwas Großartiges geleistet und das dominierende Team der vergangenen beiden Jahre zur Überraschung aller im Schnelldurchgang von nur vier Spielen in die Sommerpause geschickt hatten. Aber Nowitzki ist eben auch schon 13 Jahre in der Liga, spielt so lange wie kein anderer in Dallas, war mit den Mavericks bereits 2003 und 2006 im Halbfinale - und wartet trotzdem immer noch auf den Meistertitel.

"Wir haben noch einen langen Weg vor uns", sagte er knapp 30 Minuten nach Spielschluss auf der Pressekonferenz und gab sich dabei wie immer beeindruckend unbeeindruckt. Draußen vor dem American Airlines Center feierten Tausende Fans den "Sweep" gegen die Lakers, drinnen verkündete Nowitzki ziemlich emotionslos, dass er zur Feier des Tages wahrscheinlich eine Pizza essen und seine Diät einmal vernachlässigen werde.

Eine Niederlage, "die bis heute noch wehtut"

Der Hunger auf den Titel lässt den Deutschen auch nach einer der denkwürdigsten Darbietungen der Playoff-Geschichte nicht das Ziel aus den Augen verlieren. Man müsse konzentriert bleiben in den nächsten fünf, sechs Tagen, sich gut auf das Halbfinale vorbereiten, wer auch immer der Gegner sei, so Nowitzki. Dallas trifft auf die Memphis Grizzlies oder die Oklahoma City Thunder.

Doch selbst wenn die Texaner diese Hürde überspringen würden, wäre ihre Nummer 41 erst da, wo sie 2006 schon einmal war und gegen Miami Heat eine Niederlage erlitt, "die bis heute noch wehtut." Nach zwei Heimsiegen hatten die Mavericks in der Finalserie 2:0 geführt, lagen sechs Minuten vor Ende der dritten Partie in Miami mit 13 Punkten vorn - und verloren dennoch Spiel, Serie und Titel. Seit jenen Juni-Tagen vor fast fünf Jahren hat Nowitzki einen großen Wunsch: "Ich will einfach noch einmal eine Chance auf das ganz große Ding haben. Und dann werde ich hoffentlich die Erinnerungen vergessen machen."

Seine Leistungen in den diesjährigen Playoffs sind nicht nur final-, sondern meisterwürdig. Die namhaften Basketball-Experten diverser TV-Stationen suchen ebenso wie Trainer Rick Carlisle längst nach immer neuen Superlativen, um Nowitzkis Auftritte in Worte zu fassen. "Die Lakers konnten Dirk nicht stoppen, aber das kann niemand auf der Welt", sagte Charles Barkley. Dessen Mitspieler aus dem US-Dream Team von 1992, Chris Mullin, bezeichnete Nowitzki gar als "Maschine, die sich keinen freien Wurf entgehen lässt". Und Carlisle pries seinen Kapitän als jemand, der "zu den allergrößten NBA-Spielern aller Zeiten gehört."

Die "Black Mamba" hatte plötzlich ihre Giftigkeit verloren

Dass Nowitzki in den Playoffs erstmals auf Kobe Bryant traf, bestimmte im Vorfeld die Schlagzeilen. Nach dem vierten Sieg im vierten Spiel redete niemand mehr über den Superstar der Lakers, von dem Nowitzki sagt, er sei "immer noch der beste Basketballer der Welt." Doch als es drauf ankam, hatte die "Black Mamba" plötzlich ihre Giftigkeit verloren, während der blonde Bayer seine Extra-Klasse zeigte.

Im ersten Spiel lag Dallas zwischenzeitlich 44:60 hinten, gewann dennoch 96:94 - weil Nowitzki im Schlussabschnitt elf Punkte erzielte. Dass die Mavericks in der dritten Partie einen 78:85-Rückstand fünf Minuten vor dem Ende noch in einen 98:92-Sieg drehten, führte Carlisle auf Nowitzki zurück. "Alles was wir in der Schlussphase gemacht haben, hatte mit ihm zu tun. Entweder er hat selbst getroffen, den Gegenspieler gesperrt oder den Ball verteilt." Nowitzki fühlt sich mittlerweile wohl in der Rolle des Entscheidungsträgers. Er ist bereit, in der Crunch-Time, wenn es um Sieg oder Niederlage geht, Verantwortung zu übernehmen. Er liebe es sogar, dann den Ball in den Händen zu haben, so Nowitzki.

Sein Name wird in allen wichtigen Statistiken der Lakers-Serie an erster Stelle geführt. Er hat den besten Punkte-Schnitt (25,25 pro Partie), die beste Wurf-Quote aus dem Feld (57,4 Prozent) und von der Drei-Punkt-Linie (72,8 Prozent), holte er die meisten Rebounds (37) und stand am längsten auf dem Parkett (37:28 Minuten). Das "D" in Dallas stand für Defensive, Dreier und vor allem für Dirk. "Er bindet in der Offensive immer zwei Gegenspieler, dadurch stehen andere von uns frei. Und in der Verteidigung spielt Dirk die beste Saison seiner Karriere", sagte Jason Terry. Center Tyson Chandler hat festgestellt, dass Nowitzki gegen die Lakers "plötzlich richtig emotional und laustark war, obwohl er sonst eigentlich zurückhaltend ist".

Nowitzkis kontinuierlich starke Leistungen in den Playoffs sind längst Gewohnheit. In der 65-jährigen Geschichte der NBA gibt es nur vier Spieler, die in der K.o.-Runde auf einen Schnitt von 25 Punkten und zehn Rebounds pro Spiel kommen - Bob Pettit, Elgin Baylor, Hakeem Olajuwon und Dirk Nowitzki.

Doch all diese Zahlen sind für ihn nur ein Nebenprodukt auf dem Weg zum "real deal": "Ich spiele nicht mehr für Statistiken, für mich geht es nur noch darum, Meister zu werden."



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mikkl123 09.05.2011
1. Das Spiel
gestern war jede Minute gucken wert. Absolut beeindruckende Vorstellung einer tollen Dallas Mannschaft die selbstverliebt und zum Schluss sogar unwürdige Champions aus den Playoffs fegt. Ach ja: Und Dirk macht zur Zeit sicher keine Diät, das wäre schon ziemlich bescheuert. "Diet" heißt hier wohl eher Ernährung(-splan)
tom_muc64 09.05.2011
2. Dirkules
Zitat von mikkl123gestern war jede Minute gucken wert. Absolut beeindruckende Vorstellung einer tollen Dallas Mannschaft die selbstverliebt und zum Schluss sogar unwürdige Champions aus den Playoffs fegt. Ach ja: Und Dirk macht zur Zeit sicher keine Diät, das wäre schon ziemlich bescheuert. "Diet" heißt hier wohl eher Ernährung(-splan)
EIn wirkliches tolles Spiel!!! Das Foul an Barrea war nur noch brutal!!! Nowitzki hat zwar nicht so viele Punkte gemacht aber extrem gut fürs Team gearbeitet Und was soll man zu Terry sagen?Unglaubliches Spiel von ihm, und dazu noch von Peja...Kaum ein Team bekommt so viele Punkte von der Bank wie die Mavs, Glückwunsch und jetzt noch die grizzlies/thunders und anschließend die Heats und Nowitzkis kommt ganz sicher in die Hall of Fame :)
dazed & confused 09.05.2011
3. Sportler des Jahres
wird Zeit dass der Mann auch in Deutschland mal die Anerkennung bekommt, die ihm zusteht, zum Beispiel den Titel Sportler des Jahres. Stattdessen sehe ich da Doper wie Ullrich oder Zabel, jaja unsere Sportjournalisten...
sponner_hoch2 09.05.2011
4.
Zitat von mikkl123gestern war jede Minute gucken wert. Absolut beeindruckende Vorstellung einer tollen Dallas Mannschaft die selbstverliebt und zum Schluss sogar unwürdige Champions aus den Playoffs fegt. Ach ja: Und Dirk macht zur Zeit sicher keine Diät, das wäre schon ziemlich bescheuert. "Diet" heißt hier wohl eher Ernährung(-splan)
Also doch eine Diät - nichts anderes bedeutet dass Wort im deutschen nämlich. Dass umgangsprachlich damit meistens eine Reduktionsdiät gemeint ist änder da auch nichts dran :-).
rotella 09.05.2011
5.
Zitat von dazed & confusedwird Zeit dass der Mann auch in Deutschland mal die Anerkennung bekommt, die ihm zusteht, zum Beispiel den Titel Sportler des Jahres. Stattdessen sehe ich da Doper wie Ullrich oder Zabel, jaja unsere Sportjournalisten...
Ich hab zwar wenig Ahnung vom Basketball, aber wenn ein Deutscher über so viele Jahre in so einer fremden Sportart solche Höchstleistungen bringt und international Anerkennung erhält, hätte er den Titel wirklich mal verdient, ja.
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