Nowitzki im Playoff-Finale Mann auf Mission Titel

In den USA ist Dirk Nowitzki längst eine Basketball-Legende, nur der Titel fehlt ihm. Jetzt ist der Deutsche mit den Dallas Mavericks wieder ins NBA-Playoff-Finale eingezogen. Es ist seine große Chance - und die Gelegenheit, die schmerzhafte Endspielpleite von vor fünf Jahren vergessen zu machen.

DPA

Aus Dallas berichtet


Der Weg vom Interviewraum bis zur Tiefgarage in den Katakomben des American-Airlines-Centers in Dallas ist rund hundert Meter lang. Für Dirk Nowitzki wurde diese Strecke am Mittwochabend zum - wenn auch beschwerlichen - Triumphzug. In dunklen Jeans und schwarzem Hemd bahnte er sich langsam seinen Weg, umringt von Kamera-Teams und Reportern.

Auf der linken Seite klopften Fans wie verrückt von innen gegen die breite Glasfront der Bar "Old Nr. 7 Club" und grölten, als Nowitzki sie lässig mit seiner linken Hand grüßte. Nur wenige Meter weiter drehten sich rechts drei Journalisten eines lokalen TV-Senders mitten in ihrer Live-Nachberichterstattung zum 2,13 Meter großen Deutschen um und riefen ihm ein "Good job, Dirk" zu, auf das er ein kurzes "Thank you" erwiderte.

Es hatte fast den Anschein, als wolle Nowitzki nicht so recht in die Feierlaune miteinstimmen. Dabei sind die Dallas Mavericks wieder da, wo er sie seit dem 20. Juni 2006 immer hinbringen wollte - ins Finale der NBA. Der 100:96-Erfolg gegen die Oklahoma City Thunder war der vierte und entscheidende Sieg in der Finalserie der Western Conference - und für die Texaner das Ticket zurück auf die ganz große Basketballbühne.

Von vielen als "No-winski" verspottet

Und dennoch wirkte der Würzburger, als würde er mit jedem Schritt in Richtung des großen weißen Garagentors eher an die Vergangenheit denken, anstatt die Gegenwart zu genießen. "Es hat fünf Jahre gedauert, wieder in die Finals zu kommen, es waren lange fünf Jahre mit vielen Höhen und Tiefen", betont Nowitzki. Klar fühle es sich jetzt gut an, aber damals sei die Enttäuschung so groß gewesen, dass man es ins Finale geschafft, aber dann leider verloren habe. Von daher hoffe er, dass man das Ding diesmal gewinne.

1800 Tage sind vergangen, seitdem Nowitzki mit seinen Mavericks am 20. Juni 2006 daheim 92:95 gegen die Miami Heat verlor. Es war die entscheidende Niederlage der Finalserie. Shaquille O'Neal und Dwyane Wade feierten in Dallas den Titel - vor den Augen von Nowitzki. Seit jenem Dienstag hat der Mavericks-Kapitän 432 Pflichtspiele bestritten, 257 Wochen hart gearbeitet, eingesteckt und ausgeteilt. Er wurde 2007 zum "wertvollsten Spieler" der Liga gewählt und dennoch von vielen als "No-winski" verspottet, nachdem Favorit Dallas gleich in der ersten K.o.-Runde an Underdog Golden State Warriors scheiterte.

Nowitzki hätte im vergangenen Sommer den Verein verlassen können. So wie es LeBron James tat, der bei den Cleveland Cavaliers keine Chance sah, seinen Titeltraum zu erfüllen, und deshalb nach Miami zog. Nowitzki hingegen unterschrieb für vier weitere Jahre in Dallas - obwohl er mit den "Mavs" in den vergangenen vier Jahren nie über die zweite Playoff-Runde hinausgekommen war.

"Wir wollen den Titel vor allem für Dirk"

Er verzichtete sogar auf Gehalt, um dem Verein so finanziellen Spielraum für die Verpflichtung anderer Spieler zu ermöglichen - und weil er eben "mit Dallas Meister werden will, denn ein Titelgewinn mit einem anderen Team ist nicht dasselbe wie mit den Mavericks". Diese Loyalität macht den Träger der Nummer 41 neben all seinen sportlichen Qualitäten im Norden von Texas so beliebt.

"Wir wollen den Titel vor allem für Dirk", sagt José Juan Barea. Als der kleine Puertoricaner nach Spielende in die Kabine kam, hatte er sofort bemerkt, dass "Nowitzki nicht zum Feiern zumute war". Ähnlich sah die Stimmungslage bei Jason Terry aus. Die beiden sitzen in der Umkleide nicht nur nebeneinander, sondern sind auch die Einzigen, die von der Mavericks-Mannschaft 2006 noch dabei sind. Aber sie sind nur zwei von zahlreichen Profis im Team, die im Juni 2011 ihre womöglich letzte Meisterchance wittern.

Der 38-jährige Spielmacher Jason Kidd stand bereits 2002 und 2003 mit den New Jersey Nets in den Endspielen - und ist genauso titellos wie Nowitzki und Terry. Shawn Marion ist am 7. Mai 33 geworden, Peja Stojakovic feiert am 9. Juni seinen 34. Geburtstag. Für beide war bislang jeweils in den Conference-Finals Endstation. Kritiker mögen das Team als alt bezeichnen, Trainer Rick Carlisle indes spricht von "einer Ansammlung erfahrener Spieler, die zwar schon viel in ihren Karrieren erreicht haben, aber alle noch nie Meister geworden sind".

Das soll sich ab kommender Woche ändern. Ob der Gegner Chicago Bulls oder Miami Heat heißt, ist Nowitzki egal. Ihm geht es nur darum, dass Dallas Mitte Juni jubelt, denn "wenn man einmal ins Finale kommt, dann zählt kein zweiter Platz". Als Mavericks-Besitzer Mark Cuban nach der Schluss-Sirene ins Hallenmikrofon brüllte, dass man noch nicht am Ziel sei, lächelte selbst Nowitzki ein bisschen. In den amerikanischen Medien wird er seit Wochen nur als "man on a mission" bezeichnet. Vier Siege fehlen ihm noch zum Erfolg seiner Mission Meisterschaft.

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Golden Age 26.05.2011
1. Die Heat sind der haushohe Favorit
Es ist beeindruckend wie die Mavs sich in den Playoffs im vierten Quarter immer wieder zurück gekämpft haben. Gegen die geballte Star-Power von James, Wade und Bosh wartet aber ein ganz anderes Kaliber. Es ist vergleichbar mit Schalke 04, die gegen das limitierte Valencia und defensiv schwache Inter noch gut mithalten konnten, aber gegen ManU auf eine ganz andere Qualität getroffen sind. Gegen die Miami Heat stehen die Chancen daher höchstens 30-70.
Las51, 26.05.2011
2. Der Titel wird nicht drin sein
Das Dallas in den diesjährigen Playoffs so souverän spielt, ist schon eine Überraschung. Ich hätte mit einen Aus spätestens in Runde 2 gegen die Lakers gerechnet. Für den Titel wird's wohl trotzdem nicht reichen. Wenn man sieht wie die Heat momentan drauf sind, wird Dallas im Finale wohl nur wenig Chancen haben.
Floppy, 26.05.2011
3. .
Falls die Schiris halbwegs fair pfeifen räume ich Dallas ne recht gute Chance ein. Mal schauen wie die Heat Verteidigung spielt wenn sie nicht nur um die Paint rumstehen können wie gegen die Bulls.
Sique 26.05.2011
4. Nicht so eilig
Zitat von Golden AgeEs ist beeindruckend wie die Mavs sich in den Playoffs im vierten Quarter immer wieder zurück gekämpft haben. Gegen die geballte Star-Power von James, Wade und Bosh wartet aber ein ganz anderes Kaliber. Es ist vergleichbar mit Schalke 04, die gegen das limitierte Valencia und defensiv schwache Inter noch gut mithalten konnten, aber gegen ManU auf eine ganz andere Qualität getroffen sind. Gegen die Miami Heat stehen die Chancen daher höchstens 30-70.
Noch sind die Miami Heat nicht mal im Finale, da wollen Sie bereits den Sieger des Finales kennnen?
piesmann 26.05.2011
5. Noch so viel Potential
Wer die Spiele der Mavs gesehen hat, wird feststellen, dass noch enormes Potential in der Mannschaft steckt. Sie hat sehr gute Schützen (Terry, Stojakovic, Stevenson), die teilweise deutlich unter ihren Möglichkeiten blieben - und trotzdem haben sie 12 Spiele gewonnen und nur 3 verloren. Wahnsinn! Nowitzki spielt extrem gut. Und vor allem glaubt die Mannschaft bedingungslos an sich selbst. Die spielen jedes Spiel zu Ende und anstatt große Führungen zu verspielen, drehen sie ihrerseits die Matches. Miami hat genau drei gute Spieler - die big three. Carlisle kann dagegen auf mehr als ein halbes Dutzend klasse Spieler zurückgreifen. Und die werden den Unterschied machen. Keine Frage, Nowitzki holt seinen Titel!
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