Österreich Mehrere Festnahmen in Doping-Affäre

Manager Stefan Matschiner in Untersuchungshaft, fünf weitere Verdächtige festgenommen: Die Dopingermittlungen gehen voran - die erhofften Enthüllungen lassen jedoch noch auf sich warten. Auch deutsche Dopingjäger schauen gebannt ins Nachbarland.


Hamburg - Der erste Drahtzieher der Wiener Dopingaffäre sitzt hinter Gittern, doch die Enthüllungslawine im österreichischen Spitzensport ist vorerst noch nicht ins Rollen gekommen. Während die Staatsanwaltschaft am Freitag die vorläufige Festnahme von fünf weiteren Beschuldigten bekanntgab, musste der Sportmanager Stefan Matschiner in Untersuchungshaft. Dem ehemaligen Leichtathleten und früheren Betreuer des geständigen Radprofis Bernhard Kohl wird eine zentrale Rolle in der Affäre um den illegalen Handel mit Dopingmitteln zugeschrieben. "Ich glaube, er wird seine Verantwortung anpassen", sagte Matschiners Anwalt Franz Essl der Nachrichtenagentur APA vor einer weiteren Vernehmung am Freitag.

Kanüle (Symbolfoto): Kriminelle Struktur im Breitensport
DPA

Kanüle (Symbolfoto): Kriminelle Struktur im Breitensport

Betroffen ist vor allem der Hobby- und Breitensport. "Hier konnte eine kriminelle Struktur von der Produktion über Lieferanten und Zwischenhändler bis hin zum Konsumenten zerschlagen werden", sagte Gerhard Jarosch, der Sprecher der Staatsanwaltschaft Wien. Gerald Tatzgern, der Sprecher des Bundeskriminalamts (BK), machte deutlich: "In diesem Bereich sind weitere Festnahmen nicht auszuschließen." Ob sich über die bislang genannten Personen hinaus weitere ehemalige oder aktive Profisportler im Visier der Ermittler befinden, ist unklar. Tatzgern: "Dazu sage ich derzeit gar nichts."

Bei Matschiner bestehe Verdunklungsgefahr, bestätigte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Der 33-Jährige habe ein Teilgeständnis abgelegt und werde voraussichtlich die nächsten zwei Wochen in U-Haft bleiben. Er soll unter anderen den früheren Gerolsteiner-Profi Kohl und der ebenfalls wegen Dopings gesperrten Triathletin Lisa Hütthaler beim Blutdoping geholfen und die dafür nötigen Geräte zur Verfügung gestellt haben.

Die festgenommenen Beschuldigten stammen allerdings nicht aus dem Spitzensport, sondern überwiegend aus dem Fitness- und Kraftsportbereich, sagte Staatsanwalt Gerhard Jarosch der Nachrichtenagentur APA. Sie seien seit Jahresbeginn in vier österreichischen Bundesländern festgenommen worden. Ihnen wird der gewerbsmäßige Handel mit Drogen vorgeworfen, der nach dem neuen österreichischen Anti-Doping-Gesetz mit bis zu fünf Jahren Gefängnis bestraft werden kann. Bei Hausdurchsuchungen seien Präparate im Wert von etwa 200.000 Euro beschlagnahmt worden. Die "Soko Doping" konnte bisher rund 70 Abnehmer der Doping-Mittel ausfindig machen.

Obwohl vorerst nur zwei Leistungssportler - Kohl und Hütthaler - namentlich im Fokus sind, blicken die deutschen Aufklärer ins Nachbarland: Auch Oberstaatsanwalt Wolfgang Maier (Freiburg) verfolgt die Vorgänge in Wien aufmerksam. Der Jurist ist federführend bei der Aufklärung der Doping-Untersuchungen rund um die Universitätsklinik Freiburg. "Wir müssen jetzt erst mal schauen, ob mögliche neue Erkenntnisse da sind. Wir wollen die Akte noch nicht zuklappen. Ich denke, dass das BKA da nachforschen wird. Wir prüfen schlichtweg, ob es irgendwelche Querverbindungen zum Freiburger Raum gibt", sagte Maier.

"Wir sind natürlich keine Behörde, die ermitteln kann oder ein Auskunftsrecht hat - schon gar nicht in Österreich. Aber wir haben engen Kontakt zur österreichischen Nada", sagte Ulrike Spitz von der Nationalen Anti-Doping-Agentur (Nada) in Bonn." Wenn die österreichische Agentur "Kenntnisse hat, die den Sport in Deutschland betreffen, dann würde sie uns das umgehend mitteilen".

In den vergangenen Wochen hatten Drogenfahnder der im Januar eingesetzten Wiener "Soko Doping" unter anderen den ehemaligen österreichischen Skilanglauftrainer Walter Mayer, den Radprofi Christoph K. sowie einen Wiener Apotheker festgenommen. K., der weitgehend geständig sein soll, sowie der Apotheker wurden inzwischen auf freien Fuß gesetzt. Kohl hatte in dieser Woche Matschiner schwer belastet. Insgesamt dreimal habe er in den Räumen der Wiener Firma Humanplasma Transfusionen erhalten.

Humanplasma teilte inzwischen mit, dass man wegen der Anschuldigungen eine interne Untersuchung eingeleitet habe. Erst Anfang März hatte die Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen zwei Ärzte, von denen einer als Berater für Humanplasma arbeitete, eingestellt. Nach den jüngsten Beschuldigungen scheinen neue Ermittlungen möglich.

fpf/dpa



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Seite 1
Umberto, 11.10.2008
1.
Zitat von sysopSeit mehreren Jahren werden immer wieder professionelle Radsportler des Dopings überführt. Jüngstes Beispiel ist Stefan Schumacher aus dem Team Gerolsteiner. Ist der Radsport am Ende? Diskutieren Sie mit.
Seit vielen Jahren werden immer wieder 100 m Läufer des Dopings überführt. Trotzdem wird immer noch diese Distanz gelaufen. Gleiches kann man über Gewichtheber feststellen, die auch trotzdem immer noch 'heben'. Ich sehe nicht, dass dies beim Radsport anders sein wird.
sitiwati 11.10.2008
2. der Radsport
gibts ja nicht erst seit JU oder LA, daher wird der Radsport auch nicht untergehen, ist wie Koch in Hessen, Hessen wird auch den H Koch und dei Faru Y überstehen !
Fritz Katzfuß 11.10.2008
3. Vollkommen
am Ende.
sitiwati 11.10.2008
4. da tun
Zitat von Fritz Katzfußam Ende.
Sie den 100.000ende Hobbyradfahrern Unrecht ! aber scheinbar kommen Sie aus ihren Heim nicht rauss !
Pinarello, 11.10.2008
5. Ja ja, nur der Radsport dopt!
Zitat von sysopSeit mehreren Jahren werden immer wieder professionelle Radsportler des Dopings überführt. Jüngstes Beispiel ist Stefan Schumacher aus dem Team Gerolsteiner. Ist der Radsport am Ende? Diskutieren Sie mit.
Ach nee, nicht schon wieder auf den Radsport, dort wird genauso wenig oder viel gedopt wie in allen anderen Profisportarten auch, bei den Belastungen einer 3-wöchigen Rundfahrt auch kein Wunder, besonders wenn den Medienvertretern nach jeder Etappe einer abzugehen scheint, wenn schon wieder eine neue Rekordzeit und Durchschnittsgeschwindigkeit erreicht wurde, was den normalen Radsportfan nicht die Bohne interessiert, der fährt nämlich auch selber und weiß, daß man einmal schneller und auch wieder langsamer ist. Allerdings kann man den SPON und die restliche ach so moralischen Zeigefingerheber-fraktion von ARD und ZDF wohl beruhigen, nach den das IOC rund 1000 Blutproben aus Peking nachträglich mit neuen Verfahren überprüfen läßt, kann man ja als Radsportfan mal gespannt sein, ob diejenigen mit dem moralischen Zeigefinger dann auch noch so einseitig auf den Radsport einprügeln, weil die Dopingfälle in den restlichen Sportarten sind ja nur bedauerliche einzelne Einzelfälle, darüber kann man ja getrost hinwegsehen, beim Radsport genügt schon der Verdacht gegen Stefan Schuhmacher um den kompletten Rückzug von ARD und ZDF von allen Radsportveranstaltungen anzukündigen. Was ist das nur für eine heuchlerische Welt, aber das steht ja schon in der Bibel, am schlimmsten von allen Sündern sind die Pharisäer mit dem so hochgelobten Anspruch.
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