Olli & Andi "Sex sells"

Das tägliche Interview mit den beiden deutschen Beachvolleyballern Olli Oetke und Andreas Scheuerpflug. Heute: Knappe Bikinis und eine Kaffeefahrt im australischen Nebel.


SPIEGEL ONLINE:

Eure Teamkollegen Jörg Ahmann und Axel Hager haben am Dienstag um Platz drei gespielt. Habt Ihr sie auch kräftig dabei unterstützt?


Olli Oetke: Wir haben uns getrennt - ich wollte das olympische Finale und das Spiel um den dritten Platz sehen. Gratulation an Ahmann und Hager, die sich in einem super Spiel die Bronzemedaille erbaggert haben. Trotz Regen war die Stimmung wieder einmal sensationell. Der Bau des Stadions am Bondi-Beach war ja lange Zeit umstritten, doch nach diesem Event ist auch der spießigste Anwohner der Meinung, dass der Sport perfekt zu diesem Strand passte. Die Zuschauer konnten tolle Spiele sehen, sich an den knappen Bikinis der Frauen erfreuen, nach den Spielen am Strand relaxen oder auf der Strandpromenade einen Kaffee trinken. Diese Urlaubsstimmung hat sich bis ins Stadion fortgesetzt. Kein Wunder, dass Beachvolleyball als das attraktivste Sportereignis dieser olympischen Spiele galt.


SPIEGEL ONLINE: Apropos Bikini - gibt es da nicht Vorschriften, was die Spielkleidung angeht?


Olli: Der Internationale Volleyball-Verband FIVB hat sich vor zwei Jahren überlegt, wie er den Sport interessanter, medienwirksamer machen könne. Da am Spiel nicht so viel zu verändern war, musste man zu anderen - ein wenig sexistischen - Maßnahmen greifen. Die Breite der Bikinis wurde erst auf zehn, dann auf sechs Zentimeter beschränkt. Hübsche Mädels, die sich in knapper Kleidung durch den Sand wühlen: diese Formel sollte aufgehen. Von den Spielerinnen kam anfangs Kritik, die aber unter den hier anwesenden Sportlern überhaupt nicht verstanden wurde. Ob Gewichtheber, Ruderer oder Handballer, ob Deutsche oder Neuseeländer, alle finden diese Regel sehr, sehr gut. Und wir Beachvolleyballer spielen das Spiel inzwischen mit - Medieninteresse bekommt man eben nicht mehr nur durch Leistung. Schließlich heißt es ja auch: sex sells...


SPIEGEL ONLINE: Andi, Du hattest am Dienstag keine Lust auf Strandatmosphäre?


Andi Scheuerpflug: Im Nachhinein habe ich es fürchterlich bereut, nicht auch am Bondi-Beach gewesen zu sein. Ich wollte einmal das absolute Gegenteil machen und in die Berge fahren. Dazu habe ich mit acht anderen Sportlern eine der angebotenen Touristik-Touren mitgemacht. Das Durchschnittsalter der Reisegruppe lag aber leider bei 45 Jahren, und das nur, weil ein paar 18-jährige Schwimmerinnen mit dabei waren. Ansonsten nur ältere Ehepaare. Entsprechend öde war es dann auch. Die Fahrt ging in die Blue Mountains, eine nicht weit von Sydney gelegene Bergkette. Doch leider hatten sich die Wolken in den Bergen festgesetzt, der erste angesteuerte Aussichtspunkt war ein riesiges Nebeltal. Wir konnten uns nur vom Busfahrer sagen lassen, dass die Aussicht bei schönem Wetter richtig toll sein soll. Anschließend noch eine kurze Fahrt mit der steilsten Eisenbahn der Welt (52 Grad Steigung) und auf dem Rückweg noch in einen Tierpark - man kann ja nicht nach Australien fahren, ohne ein Känguru gestreichelt zu haben oder von einem Emu gepickt worden zu sein.


SPIEGEL ONLINE: Wie ist die Stimmung im Deutschen Haus, jetzt, wo die Spiele fast vorbei sind?

Olli: Die Stimmung wird zunehmend lockerer, immer mehr Athleten treffen sich zum nacholympischen Feiern - ein Wettkampf, den natürlich keiner auslassen will. Im deutschen Haus ist es zwar etwas steif, die Musik ist auch nicht gerade die beste. Aber immerhin treffen sich praktisch alle Sportler abends hier. Einige gehen danach ins Bett, andere, allen voran die Ruderer, schwärmen danach erst noch in die Stadt. Aber wer lange und hart trainiert hat, darf ja wohl auch mal ein bisschen Party machen, oder?

Das Gespräch führte Till Weber



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